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Verleihung des Berliner Landesordens

Pressemitteilung vom 30.09.2011

Es gilt das gesprochene Wort! Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führte anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin 2011 am 1. Oktober 2011 im Großen Saal des Roten Rathauses u.a. aus:

Es ist eine gute Tradition, dass wir an diesem Tag Berlinerinnen und Berliner ehren, die Beispielhaftes geleistet haben. Menschen, die Berlin vorangebracht haben, die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gestärkt und zum guten Ruf Berlins in der Welt beigetragen haben.

Bevor ich einigen verdienten Persönlichkeiten den Berliner Landesorden verleihe, möchte ich auf zwei Menschen eingehen, die heute nicht unter uns sein können und denen ich die Auszeichnung zu einem späteren Zeitpunkt übergeben werde: Prof. Jutta Allmendinger und Marianne Birthler.

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Jutta Allmendinger ist seit dem Jahr 2006 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Organisationen. Im Jahr 2007 hat sie sich bereit erklärt, Mitglied des Berlin Boards zu werden, einem unabhängigen und überparteilichen Gremium von herausragenden Persönlichkeiten, das Berlins Stärken bündelt und für die Stadt wirksam macht. Jutta Allmendinger ist eine renommierte Sozialwissenschaftlerin, die sich um die Berliner Wissenschaft verdient gemacht hat. Sie sieht ihren Platz nicht im berühmten Elfenbeinturm, sondern engagiert sich publizistisch und beteiligt sich an öffentlichen Debatten. Drei große Themen bewegen Jutta Allmendinger: die Gleichstellung der Geschlechter, ein würdevolles Leben im Alter und das Verhindern von Bildungsarmut. Das sind zentrale Fragen für eine gerechte Gesellschaft. Ich freue mich, Frau Allmendinger in Kürze mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu können.

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Marianne Birthler sagte einmal: Vor der Versöhnung zwischen Opfern und Tätern der SED-Diktatur muss die Wahrhaftigkeit stehen. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Biografie. Marianne Birthler war Mitbegründerin des Arbeitskreises „Solidarische Kirche“, der sich für gesellschaftliche und politische Reformen in der DDR einsetzte. Sie redete am 4. November 1989 vor Hunderttausenden auf dem Alexanderplatz offen über Menschenrechtsverletzungen. Sie war Mitglied der Volkskammer und des Bundestages, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und Bildungsministerin in Brandenburg. Von 2000 bis 2011 leitete sie die Behörde für die Stasi-Unterlagen.

Marianne Birthler ist immer einen geraden Weg gegangen. Das ist selten bequem. Aber als aufrechte Demokratin gibt sie Orientierung und sie ermutigt zum Engagement. Ihre Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz schloss Marianne Birthler mit dem schönen Satz: „Wer etwas tun will, hat viel Auswahl.“ Ich bin sicher, sie würde einen solchen Satz auch heute sagen. – Gut, dass es Ermutigerinnen wie Marianne Birthler gibt – Menschen, die für Einmischung und Beteiligung werben. Ich freue mich, Marianne Birthler in Kürze den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu können.

Schon der Lebensweg von Gülsen Aktas ist beeindruckend. Aufgewachsen ist sie in der Türkei – bei Verwandten und in Heimen. Nach dem Tod des Vaters war ihre Mutter als eine der ersten türkischen Frauen zum Arbeiten nach Deutschland gegangen, um für die vier Töchter zu Hause sorgen zu können. Und: Um ihnen bessere Zukunftschancen zu bieten.

Für Gülsen Aktas mag der schwere Weg der Mutter ein Ansporn gewesen sein. Sie wurde Grundschullehrerin und ging ebenfalls nach Deutschland, wo sie in Frankfurt am Main und Berlin Politische Wissenschaften studierte.

Dann begann das enorme soziale Engagement der Gülsen Aktas: Sie arbeitete in einem der ersten Frauenhäuser Berlins. Sie kümmerte sich an einer Grundschule um Schüler unterschiedlicher Herkunft und beriet deren Eltern. Sie gründete ein Netzwerk für Frauen mit Migrationshintergrund – und das sind nur einige wenige Beispiele.

Gülsen Aktas’ wichtigstes Projekt ist freilich noch nicht genannt: Die Seniorenfreizeitstätte Huzur, die sich zunächst vor allem an türkische Frauen richtete. Gülsen Aktas leitet die Einrichtung seit 2007. Seither sind die dortigen Angebote immer vielfältiger geworden. Längst hat sich der Schöneberger Treff auch interkulturell geöffnet und führt Seniorinnen und Senioren verschiedener Herkunft und Religion zusammen.

Huzur heute: Das ist eine Einrichtung, die vielfältige Anregung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter bietet. Das ist ein besonders positives Beispiel für gelebte Integration. Und das ist ein Beitrag zum guten Zusammenleben in einer vielfältigen Metropole wie Berlin.

Bleibt zu wünschen, dass Gülsen Aktas mit ihrer Energie, ihren guten Ideen und ihrem beeindruckenden Engagement noch lange zum Wohle dieser Stadt und ihrer Menschen wirken wird.

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Es geschah am Ostersamstag auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße. Die Szene dauerte nur wenige Sekunden. Zwei junge Männer haben heftigen Streit. Dann schlägt der eine mit enormer Wucht zu und tritt seinem am Boden liegenden Opfer mehrfach brutal auf den Kopf. Als er erneut auf sein Opfer losgehen will, schreitet ein Passant ein. Nur seinem beherzten Eingreifen ist es zu verdanken, dass dem Opfer noch schlimmere Schäden oder gar tödliche Verletzungen erspart blieben. Ein Überwachungsvideo, das die Tat aufzeichnete, schockierte das ganze Land. Georg Baur – so heißt der Retter – ist ein ganz normaler Tourist, der zufällig Zeuge dieser grauenvollen Tat wurde. Er war nicht der einzige Zeuge. Aber er war der einzige, der nicht wegschaute. Georg Baur hat gehandelt und sich dem enthemmten Gewalttäter entgegengestellt. Andere haben nicht mal Hilfe gerufen. Georg Bauer aber hat ein Beispiel für Zivilcourage im Alltag gegeben. Und damit jene beschämt, die weg gesehen haben. Helden leisten Außergewöhnliches. Georg Baur hat gehandelt wie ein Held. Aber wir müssen dahin kommen, dass wir sagen können: Anderen zu helfen, die in Not sind, ist keine Heldentat. Sondern ganz normal. Vor knapp zwei Wochen ist der Täter zu 20 Monaten Haft verurteilt worden. Der Richter sagte: „Nur ein glücklicher Zufall hat das böse Ende verhindert.“ Wir dürfen nicht zulassen, dass glückliche Zufälle darüber entscheiden, ob Menschen in aller Öffentlichkeit Opfer von Gewalttaten werden. Solidarität mit Schwachen, Mitgefühl mit Opfern: Darüber darf in Berlin nicht erst geredet werden, wenn etwas passiert ist. Die beste Prävention ist Wachsamkeit und Empathie. Das muss Tag für Tag im Alltag gelebt werden. So, wie von Georg Baur. Lieber Herr Baur, ich darf Sie zu mir bitten, um Sie mit dem Berliner Landesorden auszuzeichnen.

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Es gibt Karrieren, die würden auch für mehrere Leben reichen. Bei Professorin Karin Büttner-Janz ist das ohne Zweifel der Fall.

Der Tagesspiegel nannte sie einmal: „Die Vielseitige“. Und fügte an: „Was sie macht, macht sie herausragend.“ Damit sind die hervorstechendsten Eigenschaften von Karin Büttner-Janz bereits genannt. Denn: Sie hat es mehrfach an die Spitze geschafft. Und: Sie schaffte es in unterschiedlichen Bereichen.

Eine kurze Bilanz ihrer Karriere als Turnerin: Zweifache Olympiasiegerin, ein Weltmeistertitel, vierfache Europameisterin, 20-fache DDR-Meisterin. Erfinderin mehrerer Turn-Figuren. Mitglied in der International Gymnastics Hall of Fame.

Es folgte eine nicht minder beeindruckende wissenschaftliche Laufbahn: Karin Büttner-Janz studierte Medizin, promovierte und schrieb ihre Habilitation über die Entwicklung der weltweit ersten künstlichen Bandscheibe. 1984 meldete sie die Erfindung mit einem Kollegen für die ersten Patente an. Es war ein medizinischer Durchbruch: Noch im selben Jahr wurde die Bandscheibenprothese an der Charité erstmals implantiert. Seither ist sie unzählige Male erfolgreich eingesetzt worden.

Anderen wären solche Erfolge genug. Nicht so Karin Büttner-Janz. Heute leitet die angesehene Ärztin gleich zwei Kliniken: Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Vivantes Klinikum Am Urban sowie die Orthopädische Klinik des Vivantes Klinikums im Friedrichshain.

Kurz: Karin Büttner-Janz ist eine der erfolgreichsten Turnerinnen der Sportgeschichte. Und sie gehört zugleich zu den herausragenden Persönlichkeiten der Gesundheits- und Wissenschaftsmetropole Berlin.

Dafür darf ich Frau Professorin Büttner-Janz heute ehren.

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Im weißen Kittel fühlt er sich am wohlsten, war über ihn zu lesen. Das klingt selbstverständlicher als es ist. Denn dieser Mann hat viele Talente. Und nicht für alle braucht er einen weißen Kittel. Er ist politisch aktiv, war im Landesvorstand der Berliner CDU und sogar stellvertretender Landesvorsitzender. Er engagiert sich in zahlreichen Ehrenämtern. Aber vor allem ist er – so lautete eine Schlagzeile – ein Mann „mit Herz und Blut“. Das darf man ruhig auch wörtlich verstehen. Denn Axel Ekkernkamp leitet das renommierte Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn, eines der modernsten seiner Art in Europa. Hier werden Menschenleben gerettet. Axel Ekkernkamp ist nicht nur Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer. Er hat das Unfallkrankenhaus auch entscheidend mitentwickelt und aufgebaut. 1994 kam er von der Universität Bochum nach Berlin. Als ihm der Job angetragen wurde, da wusste er nicht einmal, wo Marzahn ist, hat er freimütig bekannt. Eigentlich kein Wunder: Denn da, wo heute das imposante 550-Betten-Haus mit jährlich mehr als 85.000 Patientinnen und Patienten steht, gab es damals so gut wie nichts. Heute sagt er: „Marzahn war für mich ein Glücksfall“. Axel Ekkernkamp gehört nicht zu den Menschen, die lange zögern, wenn es gilt, sich zu engagieren. Das tut er dauerhaft und mit nie nachlassendem Einsatz zum Wohle der Stadt. Neben zahlreichen Ehrenämtern ärztlicher Organisationen hat Axel Ekkernkamp wichtige Aufgaben in verschiedenen Gesundheitszirkeln von Einrichtungen wie IHK oder VBKI übernommen. Er gehört zu den wichtigsten Promotern des Gesundheitsstandorts Berlin.

Wir ehren mit Axel Ekkernkamp eine herausragende Persönlichkeit unserer Stadt, Herr Professor Ekkernkamp, ich freue mich sehr, Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin verleihen zu dürfen.

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An den Chefs der Berliner Polizei schieden sich traditionell die politischen Geister. Um so erstaunlicher fällt die Bilanz von Dieter Glietsch aus, der knapp ein Jahrzehnt an der Spitze der Berliner Polizei stand, bis er Ende Mai dieses Jahres in den Ruhestand ging. “Glietsch hinterlässt in Berlin große Fußstapfen“ titelte die Morgenpost. Und der Tagesspiegel rühmte ihn als „Ruhestifter“. Selten waren sich die Kommentatoren in der überwiegend positiven Beurteilung so einig wie im Falle Dieter Glietschs.

Als Dieter Glietsch nach Berlin kam, galt der 1. Mai als nicht lösbares Problem, an dem sich schon viele Senatoren und Polizeichefs die Zähne ausgebissen hatten. Doch unter der Ägide von Dieter Glietsch hat sich das geändert. Inzwischen fruchtet das Konzept der Deeskalation. Die Polizei versteht sich nicht nur als Beschützer der Bürgerinnen und Bürger, sondern sieht in ihnen auch Partner. Sie greift gezielt und schnell ein, wo Einzelne Gewalt anwenden. Aber sie unterstützt auch die Kreuzbergerinnen und Kreuzberger bei ihrer friedlichen Feier. So wurde die Spirale der Gewalt durchbrochen. So konnte immer häufiger am 1. Mai das stattfinden, was sich viele Berlinerinnen und Berliner schon lange gewünscht haben: ein friedliches Volksfest. Und auch zahlreiche andere Großereignisse meisterte die Berliner Polizei unter Dieter Glietschs Führung mit Kompetenz und professioneller Gelassenheit, zum Beispiel die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit der Fanmeile, auf der sich täglich Hunderttausende zum Public Viewing versammelten.

Auch Polizisten können Fehler machen. Die Aussage klingt selbstverständlich. Und doch hat Dieter Glietsch mit seinem offenen Umgang mit Fehlern innerhalb der Polizei einen neuen Stil geprägt. Er hat wichtige und weithin sichtbare Zeichen der Toleranz und Weltoffenheit gesetzt, indem er homophoben Äußerungen mit Nachdruck und großer Klarheit entgegentrat. Gleiches gilt für seine Haltung gegenüber der Grauzone zum Rechtsextremismus. Dieter Glietsch, der den Polizeidienst von der Pieke auf gelernt hat, trug mit seiner sachlichen und besonnenen Art viel dazu bei, dass die Berliner Polizei heute als moderne und bürgernahe Institution wahrgenommen wird.

Ich darf Sie, sehr geehrter Herr Glietsch, nun zu mir bitten, um Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin zu verleihen.

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Rheumatische Krankheiten sind eine ernste Bedrohung für viele Menschen. Millionen Deutsche leiden dauerhaft unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Umso wichtiger ist, dass bei der Erforschung und Behandlung dieser Erkrankungen weiterhin große Anstrengungen unternommen werden.

Dafür steht in Berlin kaum jemand so sehr wie Professorin Erika Gromnica-Ihle. Die habilitierte Internistin hat ihr gesamtes Berufsleben dem Kampf gegen Rheuma verschrieben.

Nach der Promotion begann sie ihre Laufbahn an der Medizinischen Klinik der Charité. Sie baute eine immunologische Spezialsprechstunde für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen auf und wurde zur Oberärztin ernannt. Nach der Habilitation folgte die Berufung zur Hochschuldozentin für Innere Medizin an der Charité und später zur Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität. Von 1988 an war sie fast zwei Jahrzehnte lang Chefärztin der Rheumaklinik Berlin-Buch. Unter ihrer Leitung hat sich das Haus als deutschlandweit führende Einrichtung der Rheumatologie einen exzellenten Ruf erworben.

Das Erreichen des Rentenalters war für Professorin Gromnica-Ihle kein Grund zum Innehalten. Sie arbeitete in einer eigenen Rheumapraxis und widmet sich heute der Weiter- und Fortbildung in der Rheumatologie. Zeit ihres Lebens engagiert sie sich zudem ehrenamtlich – heute unter anderem als Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Rheuma-Liga.

Mit Professorin Erika Gromnica-Ihle ehren wir eine engagierte Berliner Wissenschaftlerin, Hochschullehrerin und Ärztin, die sich in der Forschung und Therapie rheumatischer Erkrankungen außerordentliche Verdienste erworben hat.

Berlin sagt Dank. Ich darf Sie, verehrte Frau Professorin Gromnica-Ihle, nun zu mir bitten.

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Seit Bob Hanning Manager der Füchse ist, haben die Berlinerinnen und Berliner auch den Handball-Sport ins Herz geschlossen. Die Erfolgskurve der Füchse ging steil nach oben. Dem Aufstieg in die Bundesliga folgte eine Zeit des Kampfes um den Klassenerhalt. Dann aber geschah ein kleines Handball-Wunder: Die Füchse wurden Spitze. In der vergangenen Saison gelang ein sensationeller dritter Platz und damit die Qualifikation für die Champions League. Der Start in die neue Spielzeit verlief sehr vielversprechend. Gleich im zweiten Spiel wurde der deutsche Meister HSV Hamburg geschlagen.

Jetzt freuen sich die Berliner Handballfans auf die Champions League in der Max-Schmeling-Halle. Bob Hanning ist Vater dieses Erfolgs. Und setzt auf Nachhaltigkeit. Die Nachwuchsarbeit der Füchse wird zu Recht gerühmt. Sie trägt Bob Hannings Handschrift. Bis heute trainiert er die A-Jugend selbst. Sein Schlagwort dazu lautet: „Berlinalisierung“. Und bedeutet: Jugendliche in Berlin optimal zu fördern und möglichst viele junge Berliner an die Bundesliga heranzuführen.

Bob Hanning ist einer, der über den Tellerrand schaut. Er hat eine tragende Rolle im Arbeitskreis Sport und Wirtschaft sowie im Arbeitskreis der Berliner Profiklubs. Und an der Eliteschule des Sports sind die Füchse mitverantwortlich für die Ausbildung der Handballjugend. Aber sein Engagement geht über den Handball hinaus. Mit dem gemeinnützigen Verein Gangway (Straßensozialarbeit in Berlin) haben die Füchse ein Kooperationsprojekt initiiert, das Jugendlichen die Möglichkeit zur Ausbildung geben soll. Stark engagiert sich Bob Hanning auch für die Björn-Schulz-Stiftung. Sie hilft schwerst- und unheilbar kranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren Familien.

Lieber Herr Hanning: Berlin dankt Ihnen für Ihr Engagement. Ich darf Sie zu mir bitten, um Ihnen den Berliner Landesorden zu überreichen.

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Es gibt Menschen, zu denen fallen einem viele denkbare Filmtitel ein. Für den, den wir nun ehren, würde zum Beispiel passen : „Tage im Februar“, „Wenig Schlaf“ oder „Auf dem roten Teppich“. Denkbar sind aber auch Testimonials internationaler Filmstars nach dem Motto: „Ich hatte keine Chance, seinem Charme zu widerstehen…“ – Ich nenne ihn einfach unseren „Mister Berlinale“.

Dieter Kosslick steht wie kein anderer für die Berlinale und damit auch für die Filmmetropole Berlin. Er ist der professionelle Manager eines der ganz Großen unter den Filmfestivals der Weit. Er wirkt bisweilen ein bisschen antiquiert – im digitalen Zeitalter so ganz ohne PC. Dafür verfügt er über einen besonders wertvollen analogen Schatz: sein kleines, prall gefülltes Adressbüchlein, mit dem er in 30 Jahren Filmbusiness immer auf der Höhe der Zeit geblieben ist. Und häufig war er dieser einen Schritt voraus.

Dieter Kosslick hat sich – sehr treffend – einmal selbst als „Müllsortierer“ bezeichnet, der in Zeiten von Youtube aus den digitalen Datenfluten „Wertstoffe“ herausfiltert und seinem neugierigen Publikum präsentiert. Er hat einen feinen Spürsinn für die Talente des internationalen Films. Er steht für den Glamour und den Glanz, den das internationale Film-Geschäft umgibt. Aber Dieter Kosslick eint mit seinem Publikum vor allem die pure Leidenschaft für den Film und die fast schon kindlich anmutende Freude an diesem ganz besonderen Genre der Kunst. Diese Freude ist, wie viele von uns aus eigener Erfahrung wissen, hoch ansteckend und nicht zuletzt diese Tatsache macht Dieter Kosslick zu einem grandiosen Willkommenskünstler. Wen er unter seine Fittiche nimmt, der kann sich nur wohl fühlen – auf der Berlinale, in Berlin.

Ich freue mich sehr, Dieter Kosslick nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu dürfen.

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Maren Otto hat einmal erzählt: Sie habe früher nie gedacht, jemals in Berlin leben zu können. Das war zu Mauerzeiten. Dann kam alles anders. 1999, als viele noch mit der alten/neuen Hauptstadt haderten, verlegten Maren und Werner Otto ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin.

Es war ein Glücksfall für unsere Stadt. Maren und Werner Otto gehören zu den bedeutendsten Stiftern und Mäzenen unseres Landes. Und ihr besonderes Augenmerk gilt seither Berlin.

Es ist kaum möglich, das enorme soziale und kulturelle Engagement von Maren Otto angemessen zu würdigen. Doch schon ein kleiner Auszug zeigt, was diese beeindruckende Frau seit Jahren in und für Berlin leistet:

Da ist die „Werner und Maren Otto Stiftung“, die bedürftige ältere Menschen unterstützt und als deren Kuratoriumsvorsitzende Maren Otto wirkt. Da ist das am Klinikum Berlin-Buch für Familien schwer kranker Kinder geplante Elternhaus, für das sich Maren Otto als Schirmherrin stark engagiert. Da sind die Deutsche Oper, die American Academy, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und all die vielen weiteren Institutionen, die von den Ottos großzügige Unterstützung erfahren.

Nicht zu vergessen: Der dank der Ottos instandgesetzte Werner Otto Saal im Konzerthaus Berlin. Oder das Werner Otto Haus – ein Rehabilitationszentrum für hörgeschädigte Kinder, das es ohne das Paar gewiss nicht gäbe.

Man kann es so zusammenfassen: Menschen offen zu begegnen, sich einzubringen, neue Chancen zu eröffnen – das ist die Maxime, nach der Maren Otto und ihr Mann in Berlin leben und wirken. Berlin ist stolz, in ihr eine Freundin dieser Stadt zu wissen.

Werner Otto wurde vor zwei Jahren zum Ehrenbürger Berlins ernannt. Umso mehr freut es mich, nun auch Maren Otto für ihre Verdienste um Berlin ehren zu dürfen.

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Etwa ein Fünftel der Berliner Bevölkerung ist über 65 Jahre alt. Und der Anteil wird weiter steigen. Umso wichtiger ist es, dass Seniorinnen und Senioren in unserer Stadt eine starke Lobby haben.

Dafür stehen unter anderem der Landesseniorenbeirat und die Landessenioren-Vertretung. Und dafür steht ganz besonders: Regina Saeger, die die Berliner Seniorenpolitik seit Jahren mit enormem ehrenamtlichen Engagement begleitet und prägt.

Seit 1997 ist Regina Saeger Vize-Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Berlin. Im selben Jahr wurde sie in den Landesseniorenbeirat berufen, den sie nun seit zehn Jahren leitet. Zudem ist sie langjährige Seniorenvertreterin im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, Mitglied des Arbeitskreises „Altern und Gesundheit“ sowie Mitglied des Landesverbandes „Aktiv in Berlin“. Und diese Liste ist längst nicht vollständig.

Viele Ehrenämter also. Doch von Überforderung keine Spur. Regina Saeger nutzt all ihre Ämter, um sich erfolgreich für die Interessen älterer Menschen einzusetzen. Unter ihrer Leitung hat sich der Landesseniorenbeirat zu einer anerkannten Institution in allen Fragen der Seniorenarbeit entwickelt. Der Aufbau von Pflegestützpunkten und die ressortübergreifende Behandlung von Seniorenfragen – das sind nur zwei der Themen, die Regina Saeger vorangetrieben hat.

Stets geht es ihr vor allem darum, die politische und soziale Teilhabe älterer Menschen zu fördern. Dafür steht auch Regina Saegers Engagement bei der Erarbeitung des Seniorenmitwirkungsgesetzes. Ihr Sachverstand, ihre Überzeugungskraft – oft auch ihre Hartnäckigkeit – haben viel dazu beigetragen, Berlins Seniorenpolitik zu einem positiven Beispiel zu machen.

Berlin sagt Dank.

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Man tritt dem Botschafter der Vereinigten Staaten gewiss nicht zu nahe, wenn man sagt: In Berlin gibt es noch einen weiteren, einen „heimlichen Botschafter“ seines Landes: Dr. Gary Smith, den Leiter der American Academy.

Unsere Welt durchläuft einen rasanten Wandel, in dem auch das Verhältnis zwischen Nationen und Völkern immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Wir Berliner wissen, was wir den Amerikanern zu verdanken haben. Zuweilen sind es dramatische Ereignisse wie der 11. September 2001, die uns zusammenführen und daran erinnern, dass uns die fundamentalen Werte der Freiheit verbinden. Und doch brauchen wir Persönlichkeiten, die diese gewachsene deutsch-amerikanische Freundschaft immer wieder mit Leben erfüllen. Netzwerker, die Menschen von dies- und jenseits des Atlantiks zusammenbringen. Und Orte, die in einem geselligen Rahmen das vertrauliche Gespräch und die offene Begegnung ermöglichen, auch wenn man sich nicht immer in allen Fragen einig ist.

All dies verkörpert Gary Smith auf einzigartige Weise. Er ist so etwas wie die personifizierte deutsch-amerikanische Verbundenheit. Und „seine“ American Academy hat der Tagesspiegel zu Recht einmal als einen „Leuchtturm des Geistes und der Kunst“ gewürdigt. Den Anstoß für die Gründung hatte Richard Holbrooke gegeben, der große Diplomat, der an so vielen Orten der Welt die Verständigung gefördert hat. In der American Academy lebt sein Vermächtnis fort. Und Gary Smith ist derjenige, der immer wieder dafür sorgt, dass die Flamme der deutsch-amerikanischen Verbundenheit weithin sichtbar leuchtet.

Lieber Gary Smith, Sie haben sich in vielfältiger Weise um Berlin verdient gemacht. Ich freue mich sehr, Sie mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu dürfen und darf Sie nun zu mir bitten.

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„Eine Verlegerin im Glück“ titelte das Handelsblatt im vergangenen Jahr über sie. Gerade hatte Mario Vargas Llosa den Literatur-Nobelpreis bekommen. Das freute seine Verlegerin natürlich. Zumal auch dessen jüngster Roman nach einigem hin und her soeben wieder dort erschienen ist, wo der Autor seine verlegerische Heimat hat: bei Suhrkamp. Aber das ist eine andere Geschichte. Anfang vergangenen Jahres kehrte auch der Suhrkamp-Verlag nach Berlin zurück. Wenn nicht alles täuscht, war das der Beginn einer Glückssträhne, die mit dem Nobelpreis für den Haus-Autor Vargas Llosa längst nicht beendet ist. Suhrkamp und Berlin: Das ist eine ganz besondere Beziehung – eine echte Herzensangelegenheit für beide. Als wir die neue Suhrkamp-Residenz einweihten, da zählte Ulla Unseld-Berkéwicz die Namen aller Suhrkamp-Autorinnen und Autoren auf. Sie alle waren mitgereist, nicht im Wort-, sondern im geistigen Sinn. Sie stellen das unschätzbare Kapital dieses berühmten Verlags dar. Ein Kapital, das in Berlin Zinsen trägt. Denn Suhrkamp ist schnell angekommen. Gefremdelt wurde nicht. Der Verlag hat sich der Stadt geöffnet, bereichert Berlins literarisches Leben ungemein. Der große Siegfried Unseld hatte kurz vor seinem Tod Berlin vorausgesagt, [ICH ZITIERE] „der entscheidende Mittelpunkt deutscher Kultur in allen Bereichen“ zu werden. Er selbst hatte jenen Umzug erwogen, den seine Frau schließlich vollzogen hat. Ulla Unseld-Berkéwicz gebührt das Verdienst, den Suhrkamp Verlag in eine neue Ära geführt zu haben. Und entscheidend dazu beigetragen zu haben, dass Berlin ein Mittelpunkt deutscher Kultur und vor allem Literatur geworden ist.

Deshalb darf ich Sie heute mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ehren.

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