Das Albert-Schweitzer-Gymnasium macht es vor: Ganztagsbetrieb auch an Gymnasien

Pressemitteilung vom 30.06.2009

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit:

Kerngedanke der Schulstrukturreform in Berlin ist die intensive Weiterentwicklung des Ganztagsbetriebes an Schulen der Sekundarstufe I und II.

So werden künftig alle Sekundarschulen in Berlin einen Ganztagsunterricht bis 16:00 Uhr anbieten. Unterschiedlich wird dabei nur die genaue Ausprägung in so genannter „offener“, „teilgebundener“ oder „gebundener“ Form sein. Bei der gebundenen Form findet an der jeweiligen Schule verbindlicher Unterricht für die Schülerinnen und Schüler statt, ergänzt und „rhythmisiert“ durch Angebote von Sportvereinen oder Musikschulen oder die Aktivitäten der Schulstation.

Doch nicht nur Sekundarschulen kommen durch die Schulstrukturreform in den Genuss des Ganztagsbetriebes. Zwölf Gymnasien, in jedem Bezirk eines, werden zu Ganztagsgymnasien ausgebaut – mit Sozialarbeitern, zusätzlichen Lehrerstellen und einer intensiven Verknüpfung mit externen Anbietern.

Beispielhaft für die Möglichkeiten, die sich auch für Gymnasien im Ganztagsbetrieb bieten, steht das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neukölln, das sich in einem Modellversuch selbstständig und erfolgreich auf den Weg in den Ganztagsbetrieb gemacht hat.

Ein Ziel des Modellversuchs war, eine größere Anzahl der Schülerinnen und Schüler auf eine erfolgreiche Schullaufbahn bis zum Abitur zu führen. Im Rahmen des Ganztagsbetriebs wird einem größeren Anteil der Schülerschaft durch gezielte Unterstützung und Betreuung ermöglicht, eine erfolgreiche Bildungskarriere einzuschlagen. Aus Mitteln des Programms Soziale Stadt wurden hierfür insgesamt 150.000 € eingesetzt. Das Quartiersmanagement Flughafenstraße (Nord-Neukölln) hat aus Mitteln der Sozialen Stadt einen über die vergangenen drei Schuljahre laufenden Modellversuch mit einem Ganztagsbetrieb an der Albert-Schweitzer-Schule finanziert. Der Erfolg des Modells führte nun zu einer langfristig gesicherten Finanzierung durch das Land Berlin. Das verkündeten heute Hella Dunger-Löper Staatssekretärin für Bauen und Wohnen, Claudia Zinke Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie sowie der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Bildungssstaatssekretärin Claudia Zinke: „Dem Albert-Schweitzer-Gymnasium gebührt gleich in doppelter Hinsicht Respekt. Denn es zeigt zum einen, wie viel Anstrengung es kostet, junge Menschen mit nicht idealen Ausgangsbedingungen in großer Zahl zum Abitur zu führen. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium hat sich darüber hinaus aber auch auf einen modellhaften Weg für Gymnasien gemacht, da es aus sich selbst heraus mit sehr großer Energie den Kurs zum Ganztagsgymnasium eingeschlagen hat. Die Erfolge sind sehr beachtlich und zeigen, dass es richtig ist im Rahmen der Schulstrukturreform in jedem Bezirk ein Gymnasium als Ganztagsgymnasium einzurichten.
Ihr Erfolg ist ein Erfolg aller, die sich für mehr Chancen für Menschen nichtdeutscher Herkunftssprache einsetzen. Sie sind ein Modell dessen, was gelungene Integrationspolitik möglich machen kann!“

Staatssekretärin Hella Dunger-Löper (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung):
„Wir alle müssen in Bildung investieren. Das sind Investitionen in die Zukunft. Einer unserer Schwerpunkte bei der Umsetzung des Programms Soziale Stadt liegt deshalb im Bereich Bildung. Die Verbesserung der Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen – und damit verbunden die wirtschaftliche Zukunft der gesamten Stadt – werden dadurch gestärkt. Dafür ist es wichtig, den Ganztagsbetrieb der Schulen weiter auszubauen. Ich begrüße es sehr, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung nach dem erfolgreichen Modellversuch den Ganztagsbetrieb ab dem Schuljahr 2009/10 in die Regelfinanzierung übernommen hat. Dem Faktor Bildung kommt eine Schlüsselfunktion bei der Stabilisierung und Entwicklung von Stadtteilen, insbesondere von benachteiligten Quartieren zu. Hierzu müssen Maßnahmenpakete entwickelt werden, die als strategische Schritte für die Verbesserung der Bildungssituation in sozialen Brennpunkten betrachtet werden können und besonderes Engagement der zuständigen Senatsbildungsverwaltung erfordern, was mit dem Übergang in die Regelfinanzierung gelungen ist. An diesem Beispiel wird auch deutlich, dass sich ressortübergreifende Kooperationen auszahlen.“

Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky: „“Der Erfolg des Modells Albert-Schweitzer-Schule ist ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, nicht verbal, sondern intervenierend und aktiv als Gesellschaft dort einzugreifen, wo die Bildungsferne scheinbar übermächtig ist.
Wenn man die jungen Menschen an die Hand nimmt, ihre Kompetenzen herausfordert und sie motiviert, eine eigenen Lebensentwurf zu fertigen und ihn zielgerichtet zu verfolgen, dann bleibt der Erfolg auch messbar mit belastbaren Daten nicht aus.
Ich danke dem Senat, dass er sich diesem Neuköllner Weg angeschlossen hat.”

Mitgewirkt an der erfolgreichen Umsetzung des Projekts haben neben dem Quartiersmanagement und der Schule das Türkisch-Deutsche Zentrum (TDZ), über dessen Netzwerke ein Großteil der mehr als 30 Coaches rekrutiert wurden, das Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung (IBBW), der Schulförderverein als Projektabwickler, der Bezirk und die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Der Ganztagsbetrieb hat sich als überzeugend herausgestellt, was sich an den Projektergebnissen ablesen lässt. Es gibt erhebliche Verbesserungen des Schulklimas, ein verbessertes Image der Schule, eine Stärkung des Vertrauensverhältnisses zwischen Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern und ein größeres Interesse der Eltern an der Schulentwicklung. Der Ganztagsbetrieb führte u.a. zu einer Auflösung von Cliquenbildung. Zudem wurde eine Reduzierung der Nichtversetzungsrate nach dem Probehalbjahr in der 7. Klasse von ca. 25 % auf unter 10 % erreicht und die Zahl der Erstanmeldungen an der Albert-Schweitzer-Schule stieg von 45 im Jahr 2005 auf 120 im Jahr 2008.

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