Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit zum Fest der Freiheit

Pressemitteilung vom 09.11.2009

Sperrfrist: Redebeginn
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führt im Rahmen der zentralen Festveranstaltung anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls am 9. November 2009 am Brandenburger Tor laut Redemanuskript u. a. aus:

Herzlich willkommen am Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen des wiedervereinigten Berlin. Ein glückliches Berlin grüßt die Menschen auf der ganzen Welt.

Dies ist ein großer Moment. Wir alle spüren: Am Brandenburger Tor, in der Mitte Berlins, liegen Geschichte und Zukunft ganz nah beieinander.

Bis vor 20 Jahren war dies ein Ort des Schreckens. Hier verlief die Mauer. An ihr starben Menschen, weil sie von einem Teil der Stadt in den anderen wollten.

Wir gedenken der vielen Mauertoten und den Opfern der DDR-Diktatur. Jedes einzelne Opfer hat einen Platz in unseren Herzen.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, weinte Berlin vor Glück. Die Menschen tanzten auf der Mauer. Aus einem Ort des Schreckens ist seither ein Ort der Freiheit geworden.

Wir feiern heute Abend ein großes „Fest der Freiheit“. Gemeinsam werden wir den Fall der Dominosteine erleben. Ein großes Dankeschön an über 15.000 vornehmlich junge Menschen aus aller Welt. Sie haben die Steine kunstvoll bemalt. Und jeder einzelne Stein drückt den Wunsch der Menschen nach Frieden aus.

Etwas ganz Besonderes ist auch ein Dominostein, der uns aus Südafrika erreichte. Er stammt von dem Mann, der mit seinem Freiheitskampf die Mauer der Rassentrennung in seinem Land zum Einsturz brachte. Er ist in Gedanken bei uns und wird uns vielleicht zusehen. Grüßen wir gemeinsam Nelson Mandela.

Dass wir heute Grund zum Feiern haben – dafür gilt unser erster Dank den mutigen Frauen und Männern, die der Diktatur die Stirn boten. Viele, die im Herbst 1989 für die Freiheit demonstrierten, sind heute unter uns. Sie haben ihr Leben riskiert – für Demokratie und eine bessere Welt. Unsere Freiheit ist ihr Werk!

Heute verneigen wir uns aber auch vor anderen europäischen Freiheitsbewegungen: vom Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 in Ostberlin über Ungarn 1956, den Prager Frühling und die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc. Stellvertretend für alle begrüße ich den Friedensnobelpreisträger Lech Walesa.

Für uns Deutsche ist der 9. November nicht nur ein Tag der Freude, sondern auch einer der dunkelsten Tage in unserer Geschichte. Heute vor 71 Jahre brannten die Synagogen in Deutschland. Wir dürfen und wir werden die Menschheitsverbrechen der Shoah und des Zweiten Weltkrieges nicht vergessen. Und wir werden nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt.

Es erfüllt uns auch heute noch mit großer Dankbarkeit, dass uns die Schutzmächte schon bald nach dem Krieg so viel Vertrauen und Hilfe entgegengebracht haben. Ohne die Hilfe der USA, Frankreichs und Großbritanniens hätte Westberlin nicht überlebt. Wir denken an die einzigartige Leistung der Luftbrücke.

Barack Obama sagte in seiner bewegenden Rede hier im Herzen Berlins: „Berlin ist die Stadt, die den Traum der Freiheit am besten kennt.“ Wir sagen heute: Danke an alle Freunde Berlins. Sie haben mit uns den Traum der Freiheit zur Wirklichkeit werden lassen.

Wir sagen Danke an einen Mann, ohne den es den friedlichen Wandel in ganz Mittel- und Osteuropa nicht gegeben hätte: Michail Gorbatschow!

Und ich sage an dieser Stelle auch: Danke an George Bush Senior und das amerikanische Volk für die Unterstützung unseres Weges zur Wiedervereinigung.

Gerade in Berlin kann man sehen: Der Mauerfall hat das Leben der Menschen radikal verändert. Viele haben die Chance genutzt. Wir denken heute aber auch an jene, die Arbeit und Halt verloren haben. Ihnen gilt unsere Solidarität. Ihre Lebensleistung verdient Respekt.

20 Jahre nach dem Mauerfall ist viel erreicht worden. Vieles muss noch getan werden. Wer sich heute beschwert fühlt, möge bitte an die Tage um den 9. November 1989 denken. Wir lagen uns in den Armen und waren das glücklichste Volk der Welt. Wenn man daran denkt, dann relativieren sich so manche Probleme.

Die friedliche Revolution von 1989 zeigt, was mutige Menschen bewegen können.
Dies soll uns Mahnung und Auftrag sein.

Wir haben es in der Hand, die Mauer zwischen Arm und Reich zumindest durchlässig zu machen. Wir haben es in der Hand, durch konsequenten Klimaschutz die Lebensgrundlagen für alle Menschen zu erhalten. Und wir haben es in der Hand, eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen.

Lassen Sie uns alle gemeinsam daran arbeiten, Mauern auf der ganzen Welt zum Einsturz zu bringen – die Mauern aus Stein und die Mauern in den Köpfen.

Das ist die Botschaft aus dem freien und wiedervereinigten Berlin.

Berlin sagt Danke.
- – -

Rückfragen:
Chef vom Dienst
Telefon: 9026-2411
E-Mail: presse-information@senatskanzlei.berlin.de