Senatorin Lompscher: Die Umweltzone wirkt

Pressemitteilung vom 15.04.2009

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz teilt mit:

„Berlin hat als eine der ersten deutschen Städte 2008 eine Umweltzone eingeführt und legt als erste Stadt eine Wirkungsanalyse vor. Diese bestätigt unsere Annahme, dass die Umweltzone gesundheitsgefährdende Schadstoffkonzentrationen mindert. Gegenüber dem Jahr 2007 sank der Dieselrußausstoß insgesamt um 28 %. Der Ausstoß der Stickoxide ging um 18 % gegenüber 2007 zurück“, sagte Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz heute in Berlin.

Am 1. Januar 2008 wurde in Berlin die Umweltzone als zentrale Maßnahme des Luftreinhalte- und Aktionsplans für Berlin 2005 – 2010 eingeführt. Zeitgleich traten Umweltzonen in Köln und Hannover in Kraft. Weitere 29 deutsche Städte folgten bis März 2009. Ziel der Umweltzone ist eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes des Kraftfahrzeug¬verkehrs insbesondere durch eine schnellere Modernisierung der Fahrzeugflotte. Bei der Umweltzone handelt es sich um ein neuartiges Instrument der Luftreinhaltung, für das keine praktischen Erfahrungen vorliegen. Um die Wirkungen der Umweltzone bewerten zu können, wurden daher Untersuchungen zur Entwicklung des Verkehrs, der Emissionen und der Luftqualität in den letzten Jahren durchgeführt.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

1. Wie hat sich das Verkehrsaufkommen in Berlin entwickelt?
Schon seit Jahren sinkt in Berlin das Verkehrsaufkommen. Zwischen 2007 und 2008 betrug der Rückgang des gesamten Kfz-Verkehrs außerhalb der Umweltzone ca. 6,3 % und innerhalb ca. 3,9 %. Der Lkw-Verkehr ging außerhalb der Umweltzone um 4,1 % und innerhalb um 3,4 % zurück.
Eine Zunahme des Verkehrs außerhalb der Umweltzone zur Umgehung des Verkehrsverbots kann somit nicht festgestellt werden, d.h. die Umweltzone führt nicht zu einer Verlagerung von Verkehrsströmen und produziert keinen messbaren Ausweichverkehr. An zwei der drei Luftgütemessstationen mit automatischer Verkehrszählung ist das Verkehrsaufkommen zwischen 2007 und 2008 gesunken, an einer Station (Silbersteinstraße) ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen.
Mit dem seit Juni 2005 bestehenden Lkw-Durchfahrtverbot in der Silbersteinstraße konnte die Zahl der Lkw dort um etwa zwei Drittel gesenkt werden.

2. Wie haben sich Berliner Fahrzeughalter an die Umweltzone angepasst?
Viele Fahrzeughalter haben die gut zweijährige Übergangsfrist bis zur Einführung der Umweltzone genutzt und Fahrzeuge ersetzt oder nachgerüstet. So ging der Bestand von Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß bis zum Start der Umweltzone im Januar 2008 um 58 % bei den Pkw und 29 % bei den Nutzfahrzeugen gegenüber der prognostizierten Zahl ohne Umweltzone zurück. Dieser Trend setzte sich im Jahr 2008 fort, so dass bis Ende des Jahres die Zahl der Pkw der Schadstoffgruppe 1 ohne Plakette um mehr als 70 % und die Zahl der entsprechenden Nutzfahrzeuge um etwa 55 % unter den ohne Umweltzone zu erwartenden Zulassungszahlen gesunken ist.
99 % aller in Berlin zugelassenen Pkw und 85 % der Lkw erhielten eine rote, gelbe oder grüne Plakette.

3. Welche Fahrzeuge fahren auf Berlins Straßen?
Anhand einer Kennzeichenerfassung an mehreren Straßen in Berlin konnte festgestellt werden, dass die von der Umweltzone ausgelöste Modernisierung der Fahrzeugflotte sowohl innerhalb als auch außerhalb der Umweltzone und damit im gesamten Straßennetz wirkt. Hinweise für eine Verdrängung von Fahrzeugen mit niedrigem Emissionsstandard vom Innenstadt¬gebiet in das äußere Stadtgebiet und auf die Stadtautobahn liegen nicht vor.
Das Kriterium der Umweltzone (mindestens rote Plakette) wird insgesamt von 98,3 % aller Fahrzeuge eingehalten. Aufgrund der geltenden Ausnahmegenehmigungen beträgt jedoch bei den Nutzfahrzeugen der Anteil der Fahrzeuge der Schadstoffgruppe 1 noch gut 10 %.
Im Vergleich zum Jahr 2007 wurden die Fahrzeuge auf den Straßen Berlins durch die Umweltzone moderner und sauberer. Der Anteil der Fahrzeuge der Schadstoffgruppe 1 konnte gegenüber dem Jahr 2007 um 50 bis 80 % reduziert werden.

4. Hat die Umweltzone die auspuffbedingten Emissionen des Straßenverkehrs verändert?
Durch die Umweltzone konnte der Ausstoß von Dieselrußpartikeln um 24 % gegenüber der Trendentwicklung, d.h. dem Rückgang aufgrund des Schadstoffausstoßes wegen der üblichen Austauschraten der Fahrzeuge, reduziert werden. Gegenüber dem Jahr 2007 sank damit der Dieselrußausstoß insgesamt (Trend Umweltzone) um 28 %. Der Ausstoß der Stickoxide ging um 14 % gegenüber dem Trend und um 18 % gegenüber 2007 zurück. Dies bedeutet etwa 62 t pro Jahr weniger Dieselrußpartikel und etwa 960 t pro Jahr weniger Stickoxide in der Luft allein durch die Umweltzone.
Das Minderungspotenzial der Umweltzone Stufe 1 konnte damit trotz Ausnahme¬genehmigungen bei Dieselrußpartikeln zu 81 % und bei Stickoxiden zu 89 % ausgeschöpft werden.

5. Hat die Umweltzone die Luftqualität verbessert?
Ein positiver Effekt der Umweltzone lässt sich an den Messwerten für die Luftqualität ablesen. Obwohl sich die Wetterbedingungen für die Ausbreitung von Luftschadstoffen im ersten Jahr der Umweltzone im Vergleich zum Vorjahr ungünstiger entwickelten, nahmen die Ruß- und Stickoxidwerte stärker als üblich ab.

Infolge der Stufe 1 der Umweltzone konnte die Feinstaubbelastung an Hauptverkehrsstraßen um etwa 3 % gesenkt werden. Dies entspricht im Jahr 2008 einem Rückgang von etwa 4 Tagen mit Überschreitungen des Tagesgrenzwertes für Feinstaub (PM10). Ohne die Einführung der Umweltzone wäre demnach im Jahr 2008 an 28 statt an 24 Tagen der Feinstaubgrenzwert überschritten worden, bei insgesamt 35 erlaubten Überschreitungstagen eine relevante Verbesserung. Der im Feinstaub enthaltene, besonders gesundheitsschädliche Dieselruß wurde durch die Umweltzone noch deutlicher vermindert. Anhand der routinemäßigen Luftgüte-Messdaten lässt sich ein Rückgang der verkehrsbedingten Rußpartikelbelastung um 14 % bis 22 % nachweisen.

Auch eine Minderung der Stickstoffdioxidkonzentration um etwa 10 % kann der Stufe 1 der Umweltzone zugeschrieben werden. Dies ist eine signifikante und dringend notwendige Verbesserung, denn die Einhaltung der Grenzwerte im Jahr 2010 erfordert eine noch stärkere Minderung von über 20 %.

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Dr. Marie-Luise Dittmar
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