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DJ-Führerschein soll für leisere Töne in Diskotheken sorgen

Pressemitteilung vom 08.12.2008

Immer mehr Jugendliche hören schwer. Jedem Zehnten drohen nach Experteneinschätzungen bleibende Hörschäden. Ursachen sind häufig zu laute Musik über MP3-Player, Walkman, Autoradios oder bei Rockkonzerten und in Diskotheken. Hier soll der DJ-Führerschein Abhilfe schaffen. In einem Seminar werden die DJs über die gesundheitlichen Folgen von zu lauter Musik, über akustisch-technische Möglichkeiten und haftungsrechtliche Aspekte informiert.

Die gemeinsame Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, des Bundesverbandes deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT im DEHOGA Bundesverband) und der Techniker Krankenkasse (TK) soll bei den DJs zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Musiklautstärke führen. Am 8. Dezember 2008 wird der Führerschein in der Berliner Diskothek �Maxxim� an fast 100 Discjockeys vergeben. Es ist bundesweit bereits die 24. Fortbildungsveranstaltung. Fast 2400 DJs haben nunmehr den DJ-Führerschein erworben!

Benjamin-Immanuel Hoff, Staatssekretär für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz: �Die DJs sowie Club- und Diskothekenbetreiber können wesentlich dazu beitragen, dass die Lautstärke reduziert wird. Sie müssen verstehen, dass ihre Qualifikation und Beliebtheit nicht mit der Höhe des Schallpegels steigt.�

�Die Diskothekenunternehmer in Deutschland stehen zu ihrer Verantwortung für das Wohlergehen und die Gesundheit ihrer Gäste. Der Diskothekenbesuch ist das beliebteste Freizeitvergnügen der Jugendlichen. Jährlich strömen etwa 100 Millionen Gäste in die ca. 2.500 Clubs und Diskotheken in Deutschland. Mit dem DJ-Führerschein setzen sich der BDT/DEHOGA Bundesverband zusammen mit dem DEHOGA Landesverband Berlin und dem Berufsverband der Diskjockeys für mehr Aufmerksamkeit und Verantwortung im Umgang mit lauter Musik in der Diskothekenbranche ein�, erläutert Henning Franz, Präsident des BDT/DEHOGA, die Gründe für das Engagement des Diskothekenverbandes.

Zunehmender Freizeitlärm stelle ein bislang zu wenig beachtetes gesundheitliches Risiko dar. Die TK verzeichnet unter ihren Versicherten einen dramatischen Anstieg an Hörgeräteverordnungen. �Insbesondere die 15- bis 30-Jährigen müssen immer häufiger ein Hörgerät tragen. Das behindert die jungen Menschen in ihrem täglichen Leben und bei der Berufswahl; für die Krankenkassen stellt es zudem eine steigende finanzielle Belastung dar”, sagt Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin.

Die Organisatoren des “DJ-Führerscheins” wollen eine Reduzierung der Musikschallpegel in Diskotheken unter 100 Dezibel erreichen. Dieser Wert orientiert sich an einer Forderung der Gesundheitsministerkonferenz. Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass sich große Teile der Besucher von Diskotheken und Konzerten niedrigere Musiklautstärken wünschen. Eine reduzierte Musikbeschallung sei für sie nicht gleichbedeutend mit weniger Hörgenuss.

Ergänzende Informationen für die Redaktionen

�Im Fortbildungsseminar zum Erwerb des DJ-Führerscheins werden die Diskjockeys über gesundheitliche Folgen lauter Musik, akustisch-technische Aspekte und haftungsrechtliche Tatbestände informiert. DJs benötigen aufgrund ihres fehlenden Berufsbildes keine speziellen Sachkenntnisse für ihre Berufsausübung.
Die gehörschädigende Wirkung von Lärm ergibt sich aus Schallpegel und Einwirkzeit. So schädigen beispielsweise 40 Stunden Arbeit bei 85 Dezibel pro Woche ebenso wie 4 Stunden Aufenthalt pro Woche in einer Diskothek (auf der Tanzfläche) mit 95 Dezibel. Bei cirka 120 Dezibel liegt die Schmerzgrenze; Geräusche mit 120 Dezibel und mehr können bereits als singuläre Ereignisse nicht heilbar das Gehör schädigen.

Schallquelle – Dezibel(A)
extreme Ruhe (Stille) bis 20
Flüstern 30 – 40
Kühlschränke 40 – 50
normale Unterhaltung 40 – 55
Hotel am Meer vor dem Fenster 50 – 65
Zimmerlautstärke 52 – 62
Ablufttrockner 60 – 70
PKW-Verkehr 65 – 85
Bodenstaubsauger 68 – 80
LKW-Verkehr 78 – 90
Diskotheken 90 – 105
Spielzeuge 79 – 135
Rockkonzerte ab 110
Flugzeug im Nahbereich 95 – 120
Knallkörper 145 – 160
Schmerzgrenze 110 – 120

Erläuterung:

Der Schallpegel ist ein relatives Maß. Die Angabe erfolgt in Dezibel (dB). Da die Dezibelskala logarithmisch ist, entspricht einer Schallpegelzunahme um (nur) drei Dezibel einer Verdopplung der Schallintensität. Bei zehnfacher Schallintensitätsstärke, zum Beispiel zehn Autos statt einem, steigt der Schallpegel um 10 Dezibel; dies entspricht etwa der Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke.

Ansprechpartner:

Dr. Gudrun Luck-Bertschat
Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin
Umweltbezogener Gesundheitsschutz
Tel.: 030 / 9028 1785

RA Stephan Büttner
Geschäftsführer
BDT/DEHOGA Bundesverband
Am Weidendamm 1 A
10117 Berlin
Tel.: 030 / 72 62 52 28
Fax: 030 / 72 62 52 42
disco@dehoga.de
www. dehoga-bdt.de

Marcus Dräger
Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Techniker Krankenkasse
Landesvertretung Berlin und Brandenburg
Tel.: 030 / 24 54 75 11
marcus.draeger@tk-online.de

Rückfragen:
Dr. Marie-Luise Dittmar
Telefon: (030) 9025 2153
E-Mail: marie-luise.dittmar@senguv.berlin.de