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Bericht der Schulinspektion 2006/2007: 80 % der Schulen erfüllen hohe Qualitätsanforderungen - - Verbindliches Qualifizierungsprogramm für Schulleiter

Pressemitteilung vom 30.06.2008

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit:

Die Bildungsverwaltung hat einen Gesamtbericht über die Schulinspektionen im Schuljahr 2006/2007 vorgelegt. Von den 150 Schulen, die die Teams inspiziert haben, erfüllen 80 Prozent der Schulen die wichtigsten Qualitätskriterien. 28 Schulen haben einen höheren Fortbildungs-, Beratungs- und Coachingbedarf, den die Schulaufsicht derzeit mit den Schulen abstimmt. Die Berliner Schulinspektion hat in den Schuljahren 2005/2006 und 2006/2007 insgesamt 195 Schulen inspiziert.

Der Bericht der Schulinspektion hat aber auch deutlich gemacht, dass den Schulleiterinnen und Schulleitern eine entscheidende Aufgabe bei der Schul- und Qualitätsentwicklung zukommt.
Deshalb wird bis zum Ende dieses Jahres ein umfassendes Qualifizierungskonzept für Schulleiterinnen und Schulleiter zu entwickelt. Dieses wird Schwerpunkte in folgenden Bereichen setzen:

- Werbung für Schulleitungstätigkeit
- professionelle Vorbereitung auf Schulleitungstätigkeit (angesiedelt an Universitäten, am LISUM und in Kooperation mit freien Trägern)
- Verkürzung der Besetzungsverfahren
- verpflichtende, spezifische Fortbildungen für neue Schulleiterinnen und Schulleiter
- Coaching für alle Schulleiterinnen und Schulleiter

Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: „Die Ergebnisse bestätigen meinen Eindruck von der Qualität der großen Mehrzahl, aber auch den Nachholbedarf einer immer noch viel zu großen – wenn auch – Minderheit von Berliner Schulen. Auf dem bestehenden Fortbildungs-, Beratungs- und Coachingsystem aufbauend schaffen wir weitere zielgerichtete und verbindliche Qualifizierungsangebote vor allem für Schulleitungen. In jeder Schule gibt es Möglichkeiten sich zu verbessern. Deswegen ist es wichtig, dass alle inspizierten Schulen an mindestens einem Unterstützungsangebot teilnehmen.

Erfreulich ist, dass die Schulinspektion als Instrument der Qualitätsentwicklung Akzeptanz genießt und die Hinweise der Inspektionsteams in den Schulen wichtige Qualitätsdiskussionen in Gang setzen.

Der Wert der Inspektionen besteht darin, dass Schulen aus der Analyse lernen, ihre Arbeit zu verbessern. Die Aufarbeitung der Ergebnisse ist zunächst Aufgabe jeder einzelnen Schule. Jede Schule hat binnen zwei Monaten einen ausführlichen Einzelbericht erhalten. Die Inspektoren haben die Ergebnisse den jeweiligen Schulkonferenzen vorgestellt. Durch die Diskussion der Ergebnisse in der Schulkonferenz, in der Lehrkräfte, Eltern und Schüler/innen vertreten sind, wird ein innerschulischer Qualitätsentwicklungsprozess gefördert. Ich halte ich es für sinnvoll, die Inspektionsergebnisse der einzelnen Schulen insgesamt erst nach der dem ersten Durchlauf aller Inspektionen zu veröffentlichen.“

Sinn der Schulinspektion ist es, einen möglichst umfassenden und repräsentativen Eindruck von der Schulentwicklung und in besonderer Weise von der Unterrichtsarbeit zu erhalten, um daraus gezielte Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Schulen zu implementieren. Die Gesamtauswertung der 150 Qualitätsprofile der inspizierten Schulen erfolgte auf Grundlage von Bewertungen folgender Qualitätsmerkmale: Fachkompetenzen, Methodenkompetenzen, Schullaufbahn, schulinternes Curriculum, Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht, Leistungsanforderungen und Leistungsbewertungen, Schülerunterstützung und -förderung im Lernprozess, Beteiligung der Schüler/innen und der Eltern, Kooperation mit gesellschaftlichen Partnern, Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement, Unterrichtsorganisation, zielgerichtete Personalentwicklung, Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium, Schulprogramm und schulinterne Evaluation.

Ergebnisse der Schulinspektionen

Die Clusteranalyse ergab, dass die Qualitätsprofile von 144 der 150 Schulen insgesamt drei Gruppen (Cluster) bilden: Innerhalb der ersten Gruppe von 19 Schulen haben die Inspektoren ein insgesamt deutlich positives Qualitätsprofil festgestellt. In der zweiten Gruppe von 97 Schulen befinden sich sowohl stärker als auch schwächer ausgeprägte Qualitätsmerkmale, wobei der Anteil positiver Bewertungen überwiegt. Bei den 28 Schulen der dritten Gruppe ist das Qualitätsprofil deutlich schwächer ausgeprägt. Unter den Schulen in dieser dritten Gruppe gibt es sechs Schulen, die erheblichen Entwicklungsbedarf aufwiesen und daher innerhalb von zwei Jahren erneut zur Inspektion anstehen.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich aus der Auswertung von 150 weiteren Schulinspektionen keine Hinweise auf einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Schulart oder dem Standort der Schule und den festgestellten Qualitätsprofilen ergeben haben. Die aufgeführten Stärken finden sich ebenso wie der dargestellte Entwicklungsbedarf an Schulen aller Schulformen und in allen Bezirken.

Die Bewertungen der mehr als 7000 besichtigten Unterrichtssequenzen in der Inspektion 2006/2007 haben die Ergebnisse des Schuljahres 2005/2006 bestätigt: Neben den positiven Aspekten einer lernfördernden Unterrichtsorganisation sowie des konstruktiven pädagogischen Unterrichtsklimas und neben den an vielen Schulen festgestellten strukturierten und oft auch sprachfördernden Unterrichtsabläufen mit transparenten und erfüllbaren Leistungsanforderungen bleibt auffällig, dass Schülerinnen und Schüler nur selten die Gelegenheit erhalten, individuell, kooperativ, problemorientiert und selbstständig zu lernen.

Schlussfolgerungen aus der Schulinspektion

1. Die Bildungsverwaltung verstärkt die Qualitätsentwicklung in den Schulen durch …
1.1. den Ausbau des ProSchul-Coachings
Schulen mit besonderem Qualitätsentwicklungsbedarf erhalten ein intensives Coaching über ProSchul (prozessbegleitende Schulberatung). Der Coachingprozess erstreckt sich über ein Schuljahr. Die Schulen haben darüber hinaus die Möglichkeit, zwei Jahre im Netzwerk von ProSchul zu bleiben, d. h. weitere Beratung und Unterstützung nach persönlichem Bedarf abzurufen. ProSchul verfügte bislang über eine Fortbildungskapazität von bis zu acht Schulen pro Schuljahr. Senator Zöllner lässt derzeit einen Vorschlag erarbeiten, um diese Coachings kurzfristig deutlich auszubauen.

Ziel des Coachings ist, die im Inspektionsbericht erfassten Entwicklungsbedarfe durch gezielte Maßnahmen abzubauen. Auf Basis der Stärken, Schwächen, Risiken und Möglichkeiten einer Schule, die sich aus der Analyse des Inspektionsberichts, des Schulprogramms der Schule und einer Kompetenzanalyse des Kollegiums ergeben, legen Schule und ProSchul gemeinsam einen Maßnahmenplan fest. Das Kollegium wird in der Teamentwicklung, in den Unterrichtsmethoden, im Zeit- und Stressmanagement, im Umgang mit Konflikten, in der Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule, in der Implementierung von Projekten entsprechend des Schulprofils unterstützt. Parallel dazu erfolgt ein intensives Einzelcoaching der Schulleitungsmitglieder u. a. zu Zielen und Zielvereinbarungen, Personalführung und -entwicklung, Entwicklungsstrategien, Prozessoptimierung, Gesprächsführung, Erfolgssicherungsstrategien.
Eine Grundschule, bei der die Inspektoren vor zwei Jahren erhebliche Entwicklungsdefizite festgestellt und deshalb eine vorgezogene zweite Inspektion festgelegt haben, hat nach einem ProSchul-Coaching in der zweiten Inspektion eine deutlich bessere – sogar überdurchschnittliche – Bewertung der Inspektoren erhalten.

1.2. Mentoren für neue Schulleiter
Darüber hinaus erhalten neu ernannte Schulleiterinnen und Schulleiter ab dem Schuljahr 2008/2009 ein Coaching von erfahrenen Schulleiterinnen und Schulleitern, das ein mehrtägiges Eingangsseminar, eine Fortbildung in Gesprächsführung, Vor-Ort-Beratungen und Supervisionen beinhaltet.

1.3. den Ausbau von Profis-Fortbildungen
Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft realisiert in Kooperation mit der Bildungsverwaltung “PROFIS – Programm Führungskompetenz in Schulen”, an dem sich bisher 48 Schulen beteiligt haben. Ab dem kommendem Schuljahr können weitere 32 Schulen aufgenommen werden.

2. … und führt bewährte Unterstützungsmaßnahmen fort
2.1. Beratungen
Jede Schule vereinbart mit der jeweiligen regionalen Schulaufsicht Qualitätsentwicklungsmaßnahmen. Im Zuge der Neuorganisation der Schulaufsicht ist die Beratungsrolle der regionalen Schulaufsicht im Qualitätsentwicklungsprozess der Schulen gestärkt worden. In Anlehnung an das Qualitätsentwicklungssystem in den Schulen wird auch ein Qualitätsentwicklungssystem in der Schulaufsicht geschaffen.

2.2. Fortbildungen
Es gibt
- eine Vielzahl von Fortbildungsangeboten des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) Lehrkräfte z. B. zu neuen Formen der Lehr- und Lernkultur, Kommunikations- und Sprachförderung, Beobachtung und Förderung von individuellen Lernprozessen, Leistungsermittlung – Leistungsbewertung, und schulinternes Curriculum besteht.
- ein Netzwerk von Regionalkonferenzen für alle wesentlichen Unterrichtsfächer und überfachlichen Innovationen aufgebaut. Die Regionalkonferenzen ermöglichen aber auch einen intensiven Austausch zwischen den Fachkräften aus den Schulen und der regionalen Schulaufsicht. Die Teilnahme der Schulen an diesen Regionalkonferenzen ist verbindlich.
- umfangreiche Qualifizierungsangebote für Schulleiter vom LISUM und freien Trägen, z. B. Träger Bildungscent/ Programm „Partners in leadership“.
Verfahren der Schulinspektionen

Der Auftrag an die Inspektorinnen und Inspektoren ist die externe Evaluation aller öffentlichen Schulen Berlins bis zum Ende des Schuljahres 2010/2011. Grundlagen für die Arbeit der Schulinspektion stellen dabei der im Mai 2005 von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen der Gesamtkonzeption vorgestellte „Handlungsrahmen Schulqualität“ sowie das „Konzept zur Schulinspektion“ dar. Die Schulinspektoren begannen ihre Arbeit am 1. November 2005.

Allen öffentlichen Berliner Schulen wurde wie im Vorjahr angeboten, sich freiwillig zur Inspektion zu melden. Insgesamt 15 Schulen nahmen diese Gelegenheit wahr. Weitere 137 Schulen wurden ausgelost.

Die Inspektionsteams setzen sich aus den Vertretern der Schulaufsicht/Seminarleitung, Schulleitung, Lehrerschaft, Elternschaft und Wirtschaft zusammen. 82 Inspektorinnen und Inspektoren sind ehrenamtlich engagiert. In der Regel besuchen vier Inspektoren die Schule für zwei Tage. Es wird darauf geachtet, dass die Inspektoren mit der jeweiligen Schule nicht in Verbindung stehen.

Weitere Infos unter www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/

Rückfragen:
Pressesprecher
Telefon: 9026 5846
E-Mail: pressestelle@senbwf.berlin.de