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Wowereits Rede auf der 2. Berliner Wirtschaftskonferenz

Pressemitteilung vom 20.11.2008

20. November 2008
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sagte in seiner Rede auf dem Berliner Innovationsforum der 2. Berliner Wirtschaftskonferenz am 20. November 2008 in Adlershof u. a.:

“Ich freue mich, mit Ihnen in Adlershof zu sein. Und ich finde, es ist wohltuend, gerade jetzt hier zu sein. Denn Adlershof ist das exakte Gegenmodell zu dem, was uns die Finanzmärkte in diesen Tagen bieten. Während verantwortungslose Investmentbanker weltweit Hunderte Milliarden Euro verzockt haben, ist hier in Adlershof langfristig investiert worden, sind Strukturen einer neuen Industrie gewachsen: zarte Pflanzen, die Früchte tragen.

Richtig ist allerdings auch: Es gibt keine Insel der Seligen. Die Krise geht weit über den Finanzsektor hinaus. Das Beispiel Opel zeigt die ganze Dramatik. Zusammen mit den Zulieferern hängen ja Zehntausende Arbeitsplätze an dieser Traditionsmarke. Niemand von uns kann mit Bestimmtheit sagen, was noch kommt. Und wie sehr auch Berliner Unternehmen betroffen sind.

Unser Thema lautet heute ‘Wachstum durch Innovation’. Sicherlich: Geplant wurde die Konferenz vor der großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber: Immer mehr zeigt sich, dass Innovationen gut sind, um in Krisenzeiten besser dazustehen. Innovation ist zwar nicht alles, aber ohne Innovation ist alles andere nichts.

Wir sind mitten in einer Diskussion über eine Neubewertung staatlichen Handelns. Noch vor drei Jahren hat Angela Merkel einen Wahlkampf geführt, in dem es zum guten Ton gehörte, dass sich die Politik bitte nicht in wirtschaftliche Fragen einzumischen habe. Heute kommt der Ruf nach dem Staat von denen, die damals beim Abgesang auf den Staat besonders laut Beifall geklatscht haben. Und auch Frau Merkels Rhetorik hat heute einen ganz anderen Klang.

Die Zeiten des Politik-Bashings sind vorbei. Wir erleben einen neuen kreativen Realismus. Es geht heute um gemeinsame Verantwortung. Um die Verantwortung der Unternehmen für ihren unternehmerischen Erfolg und dafür, dass sie auf den Märkten von Morgen bestehen. Und um die Verantwortung der Politik und des Staates. Da geht es um akute Hilfen und Schutzschirme; und da geht es um eine sinnvolle Regulierung der Märkte, um Risiken zu minimieren. Vor allem aber, um das Funktionieren einer sozialen Marktwirtschaft, die stabil ist und die den Menschen nützt.

Ich sagte eingangs, dass es wohltuend ist, heute mit Ihnen in Adlershof zu sein. Denn Adlershof ist zum Paradigma für Berlins wirtschaftliche Zukunft geworden. Für eine Zukunft, in der Bildung, Wissen und Kreativität die Triebkräfte der Erneuerung und der industriellen Wertschöpfung sind. Eine Zukunft, die definitiv schon begonnen hat. Man kann sie an vielen Orten in Berlin schon besichtigen. Bei Siemens in der Gasturbinenproduktion, bei Bayer Schering Pharma, im Motorradwerk von BMW, bei Daimler in Marienfelde, im Rasierklingenwerk von Gillette, im Straßenbahnwerk von Stadler oder bei Berlin-Chemie: Allesamt Repräsentanten einer innovativen und wettbewerbsfähigen Industrie, allesamt Zugpferde eines modernen Wirtschaftsstandortes, die vielen Berlinerinnen und Berlinern Arbeit geben und eng mit der regionalen Wirtschaft verflochten sind. Wir können nur hoffen, dass sie möglichst weitgehend verschont bleiben von den aktuellen Turbulenzen.

Aber wir sind aus gutem Grund in Adlershof. Hier prägen die kleinen, aber hoffnungsvollen Pflänzchen das Bild. Ich möchte zwei Adlershofer Beispiele nennen, die zeigen, welche Potenziale noch in Berlin stecken, ohne schon den großen, klangvollen Namen zu haben. Da ist die LTB Lasertechnik Berlin GmbH, die gepulste UV-Laser, Lasersysteme und Spektrometer entwickelt, herstellt und vertreibt. LTB ist auf dem Gebiet der hoch auflösenden Spektrometrie für die Laserlithographie der weltweit einzige Anbieter. Ein Leuchtturmprojekt ist die enge Zusammenarbeit mit dem Max-Born-Institut. Diese hat ein weltweit neues Verfahren hervorgebracht, mit dem es gelingt, schwarzen Hautkrebs ohne Gewebeentnahme zu erkennen. Das Verfahren wird gerade klinisch getestet.

Ein anderes Beispiel: Die Sulfurcell Solartechnik GmbH. Das Unternehmen produziert und entwickelt seit 2003 Dünnschichtsolarmodule aus Chalkopyrit-Halbleitern. Als Berliner Industrieunternehmen hatte es seinen Ursprung am Hahn-Meitner-Institut. Hinter Sulfurcell stehen Unternehmer, renommierte Finanzinvestoren und strategische Partner. Die Markteinführung war im Jahr 2005. Seitdem werden die Solarmodule auf Dächern und Fassaden eingesetzt. Um die hohe Nachfrage zu erfüllen, erweitert Sulfurcell seit Juli 2008 die Produktion: Die zweite Fabrik wird im Endausbau eine Jahreskapazität von 75 MW haben und wird in Berlin Adlershof errichtet. Die Mitarbeiterzahl soll sich von aktuell 130 in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.

Man könnte auch viele andere Beispiele nennen, die eine Botschaft vermitteln: Berlin braucht viele Adlershofs. Viele Inkubationsräume, wo Ideen schnell den Weg in die Umsetzung finden. Viele Orte, an denen Forscher und Ingenieure aus Wissen neue, wettbewerbsfähige Produkte entwickeln. Viele Orte, an denen man wie in einem Showroom Produkte ‘Made in Berlin’ besichtigen kann. Viele Marktplätze neuer Ideen und Geschäftsideen. Viele ‘Kinderstuben für neue Weltmarktführer’, wie die FAZ kürzlich schrieb.

Wo steht Berlin heute? Hierüber angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise zu sprechen, ist nicht einfach. Was wir aber sagen können, ist: Viele Berliner Unternehmen haben einen schwierigen Strukturwandel hinter sich und haben sich neu aufgestellt. Zumeist ohne staatliche Hilfe! Die Re-Industrialisierung Berlins ist voll im Gange. Die Industrie ist mit 7,5 % im ersten Halbjahr 2008 wieder Motor der Berliner Wirtschaft, die insgesamt mit 2,5 % sogar leicht über dem Bundesdurchschnitt lag. Gewiss – man kann die Zahlen nicht einfach in die Zukunft fortschreiben. Aber man kann feststellen: Die neuen Industrien sind schon da. Die Stadt ist attraktiv, weil sie ein ideales Umfeld für moderne Produktion bietet. Das zeigt sich an einer Reihe von Profilzentren, von denen Adlershof und Buch die prominentesten sind. Auch rund um die Freie Universität und die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) und in den Gründerzentren und Technologieparks haben sich solche Zentren entwickelt.

Demnächst wird man auch in Charlottenburg rund um die Technische Universität und die Universität der Künste sehen, wie sich eine Region zu einem Hochtechnologie-Cluster verdichtet. Und es gibt vielfältige weitere Perspektiven: vom Areal an der Heidestraße am neuen Hauptbahnhof bis zu riesigen Flächen am Rande des Flughafens Tempelhof.

Berlin ist eine exzellente Wissenschafts- und Forschungsadresse und eine der innovativsten Regionen Europas. Mit unseren Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung liegen wir weit über dem Lissabon-Ziel von 3 % des Bruttoinlandprodukts. Getragen wird diese Stärke allerdings sehr viel mehr als anderswo von den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungsinstituten. Im Bereich der Wirtschaft liegen die FuE-Aufwendungen nur leicht über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings handelt es sich in Berlin zu einem großen Teil um Forschung im Spitzentechnologiebereich. Mit unseren exzellenten Universitäten und den vielen anderen Hochschulen verfügen wir in der Hauptstadtregion über eine hervorragende Nachwuchsversorgung.

Die Biotechnologie der Region zählt in Europa zu den 10 wichtigsten Standorten in Deutschland. In der Medizintechnik gehören Berliner Unternehmen zur Weltspitze oder sind Weltmarktführer. Und dass der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer nach der Deutschland-Zentrale nun auch seine Krebsforschung in die Hauptstadt verlegt, bedeutet eine weitere nachhaltige Stärkung des Standortes und ist ein Riesen-Kompliment für Berlin. Herr Dr. Penk, noch einmal sage ich: Herzlich willkommen in der Hauptstadt!

Das Kompetenzfeld Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien ist das größte Kompetenzfeld in Berlin. Mit der Wirtschaftskraft der Datenverarbeitungsdienste, Softwarehäuser und Telekommunikationsdienste liegt Berlin nach München deutschlandweit auf Platz 2.

Die Verkehrssystemtechnik ist einer der Wachstumstreiber für die Region. In den Optischen Technologien/Mikrosystemtechnik liegt Berlin weltweit an der Spitze. Beeindruckend ist die Entwicklung bei der Produktion von Solarmodulen: 2007 stieg die Zahl der Beschäftigten von 900 auf 2200 in der Hauptstadtregion.

Und damit bin ich beim großen Bereich der Energie: Auch hier verfügt die Stadt über ein riesiges Innovationspotenzial in praktisch allen relevanten Branchen und mit Unternehmen, die bereits in der Weltspitze positioniert sind. Sulfurcell Solartechnik steht für mehrere erfolgreiche Unternehmen aus der Region.

Wissensbasierte industrielle Produktion in Berlin: Das ist weder eine Glorifizierung der Vergangenheit noch Träumerei, sondern nüchterne Beschreibung der realen Entwicklung in vielen Berliner Unternehmen. Was im 19. Jahrhundert die Glühlampe war, das ist heute der Laserstrahl: ein neues Symbol für die Leistungs- und Innovationskraft der Berliner Industrie.

Die Saat ist gesät und an vielen Stellen können wir auch schon die Früchte unserer langjährigen Anstrengungen ernten. Das ist ein Gemeinschaftswerk vieler Akteure: Die Wichtigsten nannte ich schon; es sind die vielen mutigen und ideenreichen Unternehmerpersönlichkeiten, die einen innovativen Standort prägen. Dann sind da die vielen Hochschulprofessoren, die ihren Elfenbeinturm verlassen haben und ihr Wissen gemeinsam mit Praktikern in Unternehmen einsetzen. Da sind die Netzwerker und Infrastrukturanbieter in den Technologieparks, in den Kompetenzfeldern und Clustern und bei der Technologiestiftung des Landes, die ein Klima der Kooperation und der Innovation schaffen. Da sind die Finanziers, die Mut zeigen und kleinen Unternehmern Vertrauen entgegen bringen – ein seltenes, aber lebenswichtiges Gut in diesen Tagen!

Und wir werden darauf achten, dass alle ihre Verantwortung wahrnehmen: die privaten Banken ebenso wie die öffentlich-rechtlichen, die Genossenschaftsbanken und die staatlichen Förderbanken, wie die Berliner Investitionsbank IBB. Auf der strategischen Ebene nenne ich die Kammern und Verbände, Arbeitgeber und Gewerkschaften, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Mein herzlicher Dank geht auch heute an alle Partner, die seit Jahren die gemeinsame Wachstumsinitiative tragen, der regionalen Wirtschaft nützliche Impulse geben und auch die heutige Konferenz vorbereitet haben.
Und natürlich hat die Politik eine maßgebliche Rolle: Gemeinsam mit den genannten Akteuren haben wir die Stärken unserer Stadt identifiziert, Schwerpunkte gesetzt und die Grundlage für Entwicklungen à la Adlershof geschaffen. In Adlershof war das Wichtigste die Ansiedlung der Naturwissenschaften der Humboldt Universität. Und auch die neue Autobahn und der künftige Flughafen BBI sind Gold wert für den Standort Adlershof. Trotzdem gilt: Um Berlin wirtschaftlich dauerhaft zu stärken und eine stabile industrielle Entwicklung zu erreichen, müssen wir alle gemeinsam noch eine Schippe drauf legen.

Ja, wir wissen heute, wie aus Wissen Arbeit wird. Wir wissen um die Bedeutung des Dienstleistungssektors, der Kreativwirtschaft und von Wissenschaft und Kultur für Berlin. Aber wir wissen auch, dass wir starke industrielle Strukturen brauchen, um eine selbsttragende Wirtschaftsentwicklung und eine Lohnentwicklung nach oben zu erreichen. Berlin braucht beides: Dienstleistungen und Industrie! Berlins Zukunft liegt nicht in einem post-industriellen Zeitalter, sondern in einem Wissens-industriellen Zeitalter, in der intelligenten Verknüpfung von Dienstleistungen mit moderner, wettbewerbsfähiger Industrie.

Was müssen wir also tun, um noch besser zu werden?

Dass ein enges Miteinander von Wissenschaft und Wirtschaft heute Grundbedingung des Erfolges ist, haben wir alle gelernt. Wir werden diesen Weg weitergehen. Auch auf neuen Feldern wie dem Bereich Energie. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei der Ausweisung und Einrichtung dieses Kompetenzfeldes noch einen Schritt zulegen müssen.

Aber es muss noch etwas hinzukommen: eine kluge Kooperation der innovativen mit den kreativen Branchen. Industrie der Zukunft, das heißt hochwertige Produktion, die eng mit Forschung und Entwicklung, mit Design und Marketing verknüpft ist. Die Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und industrieller Produktion systematisch anzugehen, wird eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren sein. Und welche Stadt bietet sich dafür mehr an als Berlin, wo wir neben moderner Industrie eine so starke Kreativbranche haben!

Zu den originären Aufgaben des Landes gehören die Pflege und der Ausbau der Wissenschaft. Berlin ist das erfolgreichste Land im Elite-Wettbewerb. Mit dem Masterplan Wissen schafft Zukunft haben wir einen wichtigen Schritt getan, um die Hauptstadt zum führenden Wissenschaftsstandort in Deutschland auszubauen. Bis 2011 werden mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich für Lehre und Forschung investiert. 1.000 neue Studienanfängerplätze werden geschaffen – 20.500 insgesamt. Mit dem Wissenschaftspreis, den ich in diesem Jahr erstmals verleihe, erhöhen wir gezielt die Sichtbarkeit Berliner Spitzenforschung. Und die neue Einstein-Stiftung wird helfen, die Kräfte zu bündeln und die Kooperation innerhalb Berlins sowie die weltweite Aufmerksamkeit für Wissenschaft ‘Made in Berlin’ zu stärken.

Berlin kann stolz auf seine Leistungen für den Wissenschaftsstandort Deutschland sein. Und dazu gehört auch, dass wir weit über den eigenen Bedarf akademischen Nachwuchs ausbilden. Gemeinsam muss es uns darum gehen, mehr als bisher den Nachwuchs in der Stadt zu halten und jungen, motivierten Absolventen die Möglichkeit zu geben, in Berlin und für Berlin tätig zu werden.
Heute profitieren Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen besonders von unserer Berliner Ausbildungsleistung. Sie bekommen zwar kein Geld aber Human Capital von uns. Und das ist mindestens so wertvoll. Wir werden auch weiterhin dafür kämpfen, dass sie sich an den Ausbildungskosten ihrer Landeskinder beteiligen.

Eine andere große Aufgabe liegt im intelligenten Umgang mit Freiräumen und in der neuen Verknüpfung von Stadträumen. Keine andere große Stadt hat solche Entwicklungspotenziale wie Berlin: riesige Flächen in allen Teilen der Stadt, wo man expandieren und Neues aufbauen kann; und vor allem neue Hotspots, die sich durch Infrastrukturentscheidungen ergeben.

Denken Sie an die Magnetwirkung des neuen Hauptbahnhofs und an die Suggestionskraft des Flughafens Berlin Brandenburg International. Internationale Flughäfen sind die Stadttore der Zukunft. Vom BBI über Adlershof, Neukölln und Schöneweide bis zum Spreeraum, zum Tempelhofer Flughafengebiet und bis in die Innenstadt: In diesem Korridor entsteht eine neue Entwicklungsachse, ein Kraftzentrum. Und es wird unsere gemeinsame Aufgabe sein, diesen neuen „Flughafenkorridor“ als Chancenraum und als Investitionsstandort mit Zukunft zu bewerben: als Einflugschneise für Investitionen.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Internationalisierung. Wollen wir zu den anderen Metropolen aufschließen, dann müssen wir uns öffnen für die Besten, die Klügsten und die Talentiertesten aus aller Welt. Gerade auch an Orten wie Adlershof, wo der Anteil derer, die eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit haben, noch vergleichsweise klein ist.

Schließlich eine Aufgabe, die sich für die öffentliche Hand insgesamt stellt: Trotz vieler Erfolge bleibt die Entbürokratisierung und der Abbau von Hemmnissen eine Daueraufgabe. Das betrifft die Beschleunigung der Abläufe bei Ansiedlungen ebenso wie die Erleichterung von Kooperationen öffentlich finanzierter Forschungseinrichtungen mit privaten Unternehmen. Zeit ist Geld: Diese Binsenweisheit gilt auch und ganz besonders im Hochtechnologiebereich.

Wir haben in diesem Jahr die neue Hauptstadtkampagne ‘Sei Berlin’ – ‘Be Berlin’ gestartet, indem wir die Berliner aufgerufen haben, ihre Erfolgsgeschichten zu erzählen. Das Echo war gut und wir sind gut gewappnet, um den internationalen Teil der Kampagne zu starten. Im Jahr 20 nach dem Fall der Mauer sind die Chancen gehört zu werden besonders gut. 2009 wird die Welt auf Berlin schauen.

Dass wir Kultur- und Wissenschaftsmetropole sind – das sagen wir schon heute bei jeder Gelegenheit. Dass wir auch eine moderne und vor allem erfolgreiche Industriestadt sind, müssen und werden wir noch stärker betonen. Industriestadt ohne rauchende Schornsteine, aber dafür bestens vernetzt, hoch innovativ, mit vielen freien Räumen für künftige Erfolgsgeschichten, mit hervorragenden Fachkräften, mit einer modernen Infrastruktur, mit hoher Lebensqualität und vor allem: Mit dem Mut der Erfolgreichen, der ‘hidden champions’, der Weltmarktführer, die zwar keine großen Namen haben, aber umso größere Leistungen vollbracht haben.

Innovationen sind unsere Stärke und sie sind es, die uns die entscheidenden Vorsprünge auf den Märkten der Welt verschaffen und hochwertige Arbeitsplätze sichern. – Nebenbei bemerkt: Wozu es führt, wenn man Vorsprünge durch unterlassene Innovationen verspielt, sieht man an dem gegenwärtigen Streit um die EU-Abgasnormen: Jeder Insider weiß, dass eine CO2-bezogene Steuer ein Förderprogramm für die französische und die japanische Autoindustrie wäre. Und: Dass ein früheres Umsteuern auf CO2-ärmere Motoren der deutschen Auto-Branche ökonomisch sehr gut getan hätte!

Die Förderung von Innovationen und die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas ist daher eine Gemeinschaftsaufgabe, der wir uns alle stellen müssen: Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Das beginnt schon bei den Kindern, in der Kita, in der schulischen Förderung der Naturwissenschaften, bis hin zu Einrichtungen wie dem ‘Haus der Kleinen Forscher’ und Events wie der ‘Klügsten Nacht der Welt’: Dies alles dient einem innovativen Klima, das Neugier und Forscherdrang weckt.

Erfolgreich sind im 21. Jahrhundert große Städte, wenn sie Orte technologischer Spitzenleistungen sind, wenn sie Talente anziehen und ihnen Raum zur Entfaltung bieten, und wenn sie einen geringen Konformitätsdruck auf Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion und Lebensweise ausüben. Untersuchungen, die genau nach diesen Qualitäten fragen, bescheinigen Berlin hervorragende Zukunftsaussichten.

Lassen Sie uns gemeinsam an der Zukunft Berlins bauen.

Wissen ist Berlins wertvollster Rohstoff. Wissen wächst nach und ist – wie Jürgen Mlynek kürzlich sagte – der einzige Rohstoff, der sich durch Gebrauch vermehrt. Berlin hat gute Chancen, an die große Tradition als Industriestadt anzuknüpfen. Auch im 19. Jahrhundert gehörten kluge Köpfe mit Erfindergeist und Kraft zur Innovation zu den entscheidenden Triebfedern des Erfolgs. Berlin hatte hervorragende Bildungseinrichtungen und eine moderne Infrastruktur. Und vor allem: Wissen war auch schon damals der wertvollste Rohstoff, über den die Stadt verfügte. Alle anderen Rohstoffe mussten von weit her geholt werden.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass Berlin alle Chancen nutzt, um an seine innovative Tradition anzuknüpfen und eine Industrie mit Zukunft aufzubauen. Die Anstrengung lohnt sich!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine anregende Konferenz und viel Schwung, um Berlin als innovativen Standort der Zukunft voranzubringen.”

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