Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin

Pressemitteilung vom 01.10.2008

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führte anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin am 1. Oktober 2008 im Großen Saal des Roten Rathauses u.a. aus:

Ich freue mich, Sie alle zur Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin begrüßen zu können. Wir zeichnen heute, am Berliner Verfassungstag, Menschen aus, die sich um Berlin verdient gemacht haben. Das ist ein Grund zur Freude.

Mit dem Landesorden zeichnen wir Menschen aus, die sich um Berlin verdient gemacht haben, die unsere Stadt im besten Sinne prägen, sie weiterbringen, repräsentieren. Wir zeichnen Frauen und Männer aus, die etwas aus sich und aus Berlin gemacht haben; die Mut gezeigt haben; Menschen, die es durch besondere Anstrengung zu einer Höchstleistung gebracht haben; Persönlichkeiten, die selbst Neues auf den Weg gebracht oder dem Neuen eine Bresche geschlagen haben; Berlinerinnen und Berliner, mit denen wir uns identifizieren können, weil sie treibende Kräfte einer menschlichen und zugleich dynamischen, kreativen und innovativen Metropole sind. Wenn wir demnächst mit unserer Hauptstadtkampagne „be Berlin“ in aller Welt für Berlin werben, dann auch, weil uns diese Menschen, die wir heute ehren, mit ihrem Wirken dazu ermutigen:

Sei engagiert, sei mutig, sei Berlin!

Auf kaum jemanden trifft dieser Dreiklang so eindeutig zu, wie auf die Frau, die ich heute als erste auszeichnen möchte: Seyran Ates.

Engagiert – hoch engagiert! – ist sie in der Debatte um das Thema Integration. Leidenschaftlich kämpft Seyran Ates für die Anerkennung und Wertschätzung der kulturellen Vielfalt in unserer Einwanderungsgesellschaft – aber einer Vielfalt, die mehr ist als ein beliebiges Nebeneinander. Denn aus eigener leidvoller Erfahrung weiß sie, dass es ein friedliches und respektvolles Zusammenleben in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft nur geben kann, wenn die Regeln der Demokratie und des Rechtsstaats gelten, und zwar für alle.

Seyran Ates ist eine mutige Frau, denn sie belässt es nicht bei allgemeinen Forderungen. Obwohl sie bereits Opfer eines Anschlages wurde und vielen
– verbalen und auch körperlichen – Angriffen ausgesetzt war, geht sie ihren Weg als Anwältin und Frauenrechtlerin weiter. Sie nennt Ross und Reiter und kämpft vehement für die Rechte muslimischer Frauen – gegen Ehrenmorde, Zwangsehen und Kopftuchdiktat, gegen die Aussonderung von Mädchen aus Klassenreisen und Sportunterricht.

Mit Verve prangert sie all jene an, die dies als Ausdruck „religiöser oder kultureller Besonderheit“ hinnehmen. Seyran Ates hält diese Haltung, die es auch bei Richtern gibt, für falsch verstandene Toleranz. Sie sieht darin einen Kniefall vor den religiösen Fundamentalisten und befürchtet eine Aushöhlung unseres säkularen Staates.

Seyran Ates ist eine kämpferische Demokratin, die einen langen und steinigen Weg von einer orthodox-islamisch geprägten Kindheit in die Mitte unserer weltoffenen Stadt gegangen ist. Sie hat es geschafft und erinnert uns immer wieder daran, wie sehr auch und gerade eine so bunte und faszinierende Vielfalt an Lebensentwürfen, wie wir sie in Berlin haben, auf demokratische Regeln des Zusammenlebens angewiesen ist.

Liebe Seyran Ates, Sie haben sich wahrlich nicht nur Freunde gemacht. Aber Sie sind ein Vorbild für viele Frauen in Berlin und darüber hinaus. Und Sie tragen viel dazu bei, dass wir uns in einem nicht immer leichten Lernprozess auf die Regeln unseres Zusammenlebens in unserer Einwanderungsgesellschaft verständigen.

Sie sind engagiert, Sie sind mutig, Sie sind Berlin! Ich freue mich, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin verleihen zu dürfen.

Der Titel „Zeuge des Jahrhunderts“ wird inflationär vergeben. Oft ist das eine Frage des Geburtsdatums und des Lebenssalters. Auch Professor Ernst Cramer ist alt, sehr alt sogar, auf fast ein ganzes Jahrhundert schaut er zurück. Um genau zu sein: Es sind 95 Jahre. Und doch trägt er jenen Ehrentitel völlig zu Recht: Professor Ernst Cramer ist ein „Zeuge des Jahrhunderts“. Und er ist auch einer der Letzten, die aus eigenem Erleben und Erleiden bezeugen konnte, was es bedeutete, in diesem unruhigen, mörderischen und doch so hoffnungsvoll zu Ende gehenden 20. Jahrhundert gelebt und überlebt zu haben.

Dass Professor Ernst Cramer heute vom Land Berlin mit dem Verdienstorden ausgezeichnet würde, das war ihm wahrlich nicht vorherbestimmt. Fast auf den Tag genau vor 70 Jahren (im November 1938) wurde Ernst Cramer nach Buchenwald deportiert. Er überlebte den Holocaust lediglich, weil er rechtzeitig seine Emigration nach Amerika organisiert hatte. Seine Eltern und sein Bruder wurden ermordet. Ihre Spur verliert sich nach der Deportation Richtung Vernichtungslager.

Als amerikanischer Soldat kam Ernst Cramer 1945 zurück nach Deutschland: nicht als Rächer, sondern als Befreier. Er wurde transatlantischer Brückenbauer und Vorkämpfer der deutsch-jüdischen Aussöhnung. Und ein großer Publizist. Was in seinem Fall bedeutet: Professor Ernst Cramer war und ist stets mehr als ein scharfsinniger Kommentator der Weltgeschehnisse. Er war Chefredakteur, Geschäftsführer, Aufsichtsrat, Herausgeber und Testamentsvollstrecker – er ist bis heute Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer-Stiftung.

Vor einem halben Jahrhundert begegnete er Axel Springer, dessen Freund und Vertrauter er wurde. Dessen Vermächtnis pflegt er bis heute. Mit Axel Springer verband ihn das Bekenntnis zu einem freien und ungeteilten Deutschland. Daraus leitete Professor Ernst Cramer stets eine besondere Verantwortung für Berlin ab. Sein Anteil am Bau des Axel-Springer-Verlagshauses in der Kochstraße – damals direkt an der Mauer gelegen – ist bis heute unvergessen.

Professor Ernst Cramer hat sich stets für ein freies, tolerantes und solidarisches Klima in Deutschland und in Berlin eingesetzt. Fanatismus und Ideologien sind ihm suspekt. Er ist – wie eine Journalistin einmal schrieb – ein hartnäckig Wohlwollender, ein Menschenfreund, ein Freund Berlins.

Herr Professor Cramer, Sie haben sich große Verdienste um Berlin erworben. Gleichwohl wollen Sie heute nicht persönlich geehrt werden. Sondern stellvertretend für die zehntausenden Berliner Juden, die fliehen mussten oder von den Nazis ermordet wurden.

Herr Professor Cramer, auch mit dieser Haltung haben Sie unseren Respekt und unsere Anerkennung verdient. Ich darf Sie nun zu mir bitten, um Ihnen den Berliner Landesorden zu überreichen.

Ich habe eingangs unsere Hauptstadtkampagne „be Berlin“ erwähnt. Sie soll die Berlinerinnen und Berliner ermutigen, ihre persönliche Geschichte zu erzählen, denn das, was sie geleistet haben, macht Berlin aus – als spannende, kreative und weltoffene Metropole. Einer, der diese Stadt mit all ihren Erfolgen und Chancen verkörpert, ist Rolf Eckrodt. Mit seiner humorvoll-zupackenden Art hat er nicht nur eine Menge persönlicher Erfolge erreicht, sondern auch viele Menschen zu erfolgreichem Handeln motiviert.

Es war ein Glücksfall, dass wir Rolf Eckrodt im Jahr 2005 dafür gewinnen konnten, als “Ein-Euro-Mann” den Aufsichtsratsvorsitz der Berlin Partner zu übernehmen. Diese Gesellschaft hatten wir damals neu geschaffen – durch die Fusion der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft mit der von privaten Unternehmen getragenen Marketing-Gesellschaft Partner für Berlin. In solchen Situationen kommt es besonders auf Führung an. Genau das Richtige also für einen Mann wie Rolf Eckrodt. Er war und ist ein ausgewiesener „Leader“ mit Erfahrung im Change Management – ob seinerzeit als Chef von Mercedes Benz do Brasil, als Sanierer bei Adtranz oder später bei Mitsubishi Motors.

Der größte Gewinn für Berlin besteht darin, dass Rolf Eckrodt über ein ausgedehntes internationales Netzwerk verfügt und dadurch auf einer sehr persönlichen Vertrauensebene für Berlin werben kann. Er versteht es, andere mitzureißen. Und so ist es ihm, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen, gemeinsam mit seinem Team vielfach gelungen, Unternehmer für Berlin zu interessieren und auch zu begeistern. 260 Unternehmen sind in den drei Jahren nach Berlin gekommen, in denen er Chef des Aufsichtsrats war. Eine Milliarde Euro Investitionen und rund 13.300 Arbeitsplätze hat der Einsatz der Fördergesellschaft unter der Ägide von Rolf Eckrodt gebracht. Die Zahl der Berlin-Partner wuchs von 135 auf 167. Eine hervorragende Ausgangsbasis für die neue Präsentation Berlins im Ausland, die wir demnächst mit unserer Hauptstadtkampagne “be Berlin” starten werden.

Rolf Eckrodt hat sich zwar vom Aufsichtsratsvorsitz der Berlin Partner zurückgezogen, aber er bleibt Berlin verbunden. Als Finanzfachmann steht er unserem Hauptstadtclub Hertha BSC zur Seite, er ist Präsident des Asien-Pazifik-Forums Berlin und er ist aktiv im Aufsichtsrat des Organisationskomitees für die Leichtathletik-WM 2009.

Lieber Herr Eckrodt, Sie haben noch viel vor mit und in Berlin, und wir haben noch eine Menge mit Ihnen vor. Ich freue mich sehr, Sie nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu dürfen.

Er kam, sah und siegte. So könnte man den Einstand von Don Jackson bei den Eisbären Berlin umschreiben. 2005 hatte der ehemalige National-Hockey-League-Spieler und zweifache Stanley-Cup-Sieger zwar bereits ein Berlin-Gastspiel gegeben. Als Co-Trainer an der Seite von Pierre Pagé leistete er damals einen wichtigen Beitrag zum ersten DEL-Titel des Clubs.

Cheftrainer des Hauptstadtteams ist Don Jackson jedoch erst seit Beginn der Saison 2007/2008. Seither ist sein Name fest mit den Eisbären verbunden – und vor allem: mit ihren Erfolgen. Im Februar holten die Eisbären erstmals in ihrer Geschichte den Pokal, im April dann ihren dritten Meistertitel. Der Titel bedeutete zugleich die Qualifikation für die neu geschaffene Champions Hockey League.

Mit mehr Schwung kann man in eine neue Ära nicht starten. Denn diese hat für den EHC mit dem Umzug aus dem Wellblechpalast in die O2-World nun begonnen. Jetzt gilt es, den Schritt in die Mitte der Hauptstadt erfolgreich zu meistern und möglichst neue Fans zu gewinnen. Schließlich fasst die Großarena gut 14.000 Zuschauer, im Wellblechpalast waren es nur knapp 5.000.

Andere würde das vielleicht beunruhigen – nicht so Don Jackson und sein Team. Der Einstand im neuen Zuhause war grandios, die O2-World war ausverkauft, die Stimmung fantastisch.

Und vieles spricht dafür, dass die Eisbären unter ihrem Cheftrainer Don Jackson erfolgreich an die vergangene Saison anknüpfen können. Seine Ziele sind klar: ein die Fans begeisterndes Eishockey in der neuen Arena, ein gelungenes Debüt in der Champions League und – natürlich: der vierte DEL-Titelgewinn für den EHC.

Fest steht: Der EHC hat sich erfolgreich von einem ostdeutschen zu einem gesamtdeutschen Verein entwickelt. Und: Er gehört zu den Top-Sportteams von Berlin. Unter Chefcoach Pierre Pagé haben die Eisbären zu neuer Stärke gefunden; mit Don Jackson haben sie sich an der Spitze der Liga fest etabliert. Sie stehen für offensives und attraktives Eishockey, für Kampfesgeist, überragende Technik und Nervenstärke.

Ich bin daher sicher: Die Eisbären werden viel zum Erfolg von Berlins neuer Multifunktionsarena beitragen. Zugleich mehren die Leistungen von Don Jackson und seinem Team das Ansehen der Sportmetropole Berlin insgesamt. Ich danke herzlich und darf Sie, lieber Herr Jackson, nun zu mir bitten.

Anna-Maria Kellen ist nicht nur eine echte Berlinerin. Sie ist auch eine große Freundin und Förderin Berlins. Das ist nicht selbstverständlich. Schon gar nicht, wenn man ihren Lebensweg kennt. Anna-Maria Kellen musste Deutschland verlassen. Sie floh mit ihrer Familie vor dem Nazi-Terror nach Amerika. Dort heiratete sie ihren Mann Stephen M. Kellen, auch er ein Berliner, der vor den Nazis flüchten musste. Beide kehrten 1945 in die zerstörte Stadt zurück, um zu helfen. Und sie wurden treue, verlässliche und äußerst großzügige Freunde Berlins.

Diese Vita ist an sich schon bemerkenswert. Sie wird noch spannender, wenn man auf die Ahnenreihe schaut: Anna-Maria Kellen ist die Tochter des hoch angesehen Bankiers Hans Arnhold, der 1926 die Villa Oppenheim am Wannsee kaufte und das Haus gemeinsam mit seiner Frau Ludmilla für Künstler und Intellektuelle öffnete. Hans Arnhold wiederum ist der Neffe von Eduard Arnhold, des großen Berliner Unternehmers, Kunstsammlers und Mäzens. Er schenkte dem preußischen Staat einst die Villa Massimo in Rom als bedeutendes Kulturinstitut.

Anna-Maria Kellen schenkte dem Land Berlin ihr Elternhaus, das ihrer Familie von den Nazis geraubt worden war. Dank dieser großzügigen Gabe und einer beträchtlichen Spende der Kellens für den Umbau konnte die American Academy in Berlin gegründet werden. Heute heißt die Villa Am Sandwerder „Hans Arnhold Center“. Dahinter steckt mehr als Symbolik. Anna-Maria Kellen fühlt sich der mäzenatisch-philanthropischen Tradition ihrer Familie zutiefst verpflichtet. Ihr Wirken lässt fortleben, was die Nazis einst brutal und weitgehend vernichteten.

Wenn wir heute Anna-Maria Kellen mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen, dann soll auch an die besondere Tradition deutsch-jüdischen Mäzenatentums erinnert werden: Dafür steht in Berlin der Name Arnhold wie der Name Kellen.

Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann hat sich Anna-Maria Kellen in vielfältiger Weise um den kulturellen Austausch zwischen Berlin und Amerika verdient gemacht. Neben der American Academy unterstützt sie unter anderem die Berliner Philharmoniker bei ihren Gastspielreisen in Amerika. Auch das vor einem Jahr so erfolgreiche Festival „Berlin in Lights“ in der New Yorker Carnegie Hall wurde dank großzügiger Unterstützung durch die „Anna-Maria and Stephen M. Kellen Foundation“ möglich.

Vieles mehr ließe sich hier aufzählen: Unterstützungen, Spenden, Ermutigungen, die oft ebenso diskret wie effizient geleistet wurden und werden.

Berlin sagt heute: Vielen Dank, Anna-Maria Kellen.

Leider kann Frau Kellen heute nicht unter uns sein. Ich werde ihr den Verdienstorden des Landes Berlin bei nächster Gelegenheit aushändigen.

Zu den hervorstechendsten Eigenschaften von Dr. Gabriele Minz gehören sicherlich: Überzeugungskraft, eine gute Portion Hartnäckigkeit und der Mut, neue Wege zu beschreiten. Mit einer kleinen Schar von Freunden hat sie im Jahr 2000 etwas aus der Taufe gehoben, was es in dieser Form bislang noch nicht gab – nicht in Berlin und auch nicht an einem anderen Ort. Die Rede ist von young.euro.classic, dem Jugendorchesterfestival, das seither Sommer für Sommer das Konzerthaus am Gendarmenmarkt bespielt.

An den großartigen Erfolg dieses Festivals haben anfangs viele nicht geglaubt. Es gab eine Menge Einwände. Selbst gestandene Festivalmacher warnten damals vor einem Nachwuchs-Festival mitten im Sommerloch. Dr. Gabriele Minz aber ließ sich nicht beirren. Als erfahrene Unternehmensberaterin und Projektentwicklerin wusste sie, wie man Widerstände überwindet und Türen öffnet. Sie konnte zahlreiche Sponsoren und Unterstützer gewinnen, viele davon blieben dauerhaft mit im Boot.

Inzwischen steht young.euro.classic vor seinem zehnten Jubiläum. Und dieses wird es im kommenden Jahr sicherlich ausgiebig zelebrieren. Mit gutem Grund: Längst hat sich das Festival zu einem auch international bedeutenden Musikereignis entwickelt, das sich sowohl bei einem breiten Publikum als auch bei der jungen Orchesterelite aus aller Welt großer Beliebtheit erfreut.

Auch für die Kulturmetropole Berlin ist dieses Festival ein großartiger Gewinn. Sein Renommee strahlt auf unsere Stadt zurück. Wer einmal erlebt hat, was bei young.euro.classic an künstlerischer Qualität, an Frische, Begeisterung und Schwung aufgeboten wird, der kann sich dem Charme dieses Festivals kaum mehr entziehen. Die fast immer ausverkauften Konzertabende beweisen das.

Wenn wir heute Dr. Gabriele Minz ehren, so gilt mein Dank auch ihren Mitstreitern. Er gilt dem engagierten künstlerischen Leiter Dieter Rexrodt, den Mitgliedern des Deutschen Freundeskreises europäischer Jugendorchester sowie allen, die im Laufe der vergangenen Jahre dazu beigetragen haben, dass der musikalische Sommer in Berlin mit einem solch außergewöhnlichen Höhepunkt aufwarten kann.

Mein besonderer Dank gilt jedoch der Festivalerfinderin und -leiterin: Frau Dr. Minz, ich danke herzlich im Namen der Berlinerinnen und Berliner für Ihr wichtiges Engagement und bitte Sie nun zu mir.

Es hat sich herumgesprochen: Unser Land steuert auf einen gewaltigen Mangel an Ingenieuren und anderen Akademikern zu. Für eine Exportnation, deren wichtigste Rohstoffe Wissen, Erfindergeist und Innovationskraft sind – für ein solches Land der Ideen ist diese Prognose ein Alarmzeichen.

Ich freue mich, nun einen weitblickenden Mann auszeichnen zu können, der schon lange auf diese Entwicklung hinweist und zu den treibenden Kräften einer Stärkung von Wissenschaft und Forschung gehört: Professor Jürgen Mlynek. Der gelernte Physiker gehört zu den profilierten Köpfen des deutschen Forschungsmanagements. Er war von 1996 bis 2001 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und führte die Berliner Humboldt-Universität von 2000 bis 2005 in schweren Zeiten erfolgreich durch den Strukturwandel. Seit 2005 steht er als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft an der Spitze einer der größten deutschen Forschungsorganisationen.

Professor Mlynek engagiert sich seit langem dafür, Wissenschaft und Forschung in Deutschland so zu gestalten, dass die klügsten und besten Köpfe der Welt angezogen werden und hier exzellente Arbeits- und Lebensbedingungen vorfinden. Das war schon sein Credo in der Zeit, als er an der Spitze der Humboldt-Universität stand. Und Gleiches bewegt ihn auch in seiner jetzigen Verantwortung als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Gerade angesichts des drohenden Fachkräftemangels mahnt Professor Mlynek deutlich mehr Engagement im Talent-Management und in der strategischen Entwicklung des wissenschaftlichen Personals an.

Professor Mlynek ist der Repräsentant von Einrichtungen, die für die Zukunft Berlins eine entscheidende Bedeutung haben. Sein Einsatz für forschungsfreundliche Strukturen beruht auf einem riesigen Fundus an Erfahrungen. Und er dient Forschungseinrichtungen, die zu den innovativen Zugpferden unseres Landes gehören. In der Hauptstadtregion ist dies das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) – ein Schrittmacher der biomedizinischen Forschung und Therapie. Das renommierte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gehört ebenfalls dazu. Wie auch das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, das kürzlich aus der Fusion des Hahn-Meitner-Instituts mit Bessy hervorgegangen ist. In Wannsee wird der weltweit stärkste Magnet für Neutronenexperimente aufgebaut und in Adlershof wird ein Kompetenzzentrum für Photovoltaik errichtet.

Professor Mlynek ist mit der Helmholtz-Gemeinschaft ein wichtiger Partner für unsere Berliner Strategie der Forschungsförderung: Wir wollen die Exzellenzfelder aller Berliner Wissenschaftseinrichtungen in einem stabilen Verbund zwischen den Universitäten und den außeruniversitären Einrichtungen bündeln und mit einer Stiftung „Berlin International Forum for Excellence” an der Weltspitze positionieren.

Sehr geehrter Herr Professor Mlynek, Berlin ehrt mit Ihnen einen weitblickenden Wissenschaftler und Manager und einen guten Freund der Stadt. Ich freue mich, Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin verleihen zu dürfen.

Die Olympischen Spiele von Peking waren für die Sportmetropole Berlin ein großartiger Erfolg. Viele hatten daran Anteil – und manche ganz besonders. Eine davon ist Lena Schöneborn, die neue Heldin der Modernen Fünfkämpfer.

In ihrer Sportart gab es für Deutschland erst zweimal die olympische Goldmedaille. Die erste holte ein deutscher Fünfkämpfer 1936 in Berlin. Das zweite Olympia-Gold gehört nun Lena Schöneborn.

Bereits zuvor hatte die 22-Jährige viele Titel und Medaillen gewonnen: Sie war mehrfach Deutsche Meisterin, im Jahr 2005 Juniorinnen-Weltmeisterin und Weltmeisterin mit der Staffel. Bei der WM 2007 in Berlin schließlich wurde sie Vizeweltmeisterin, hinzu kamen Silber im Team und Bronze in der Staffel.

Bei ihren ersten Olympischen Spielen galt Lena Schöneborn deshalb als deutsche Medaillen-Hoffnung. Doch viel hängt in ihrer Sportart ab von der Tagesform. Und zwar in allen Disziplinen. Denn der Moderne Fünfkampf ist eine der vielseitigsten Sportarten überhaupt. Man braucht Ausdauer und Geschicklichkeit, Nervenstärke, Schnelligkeit und eine gute Technik. Lena Schöneborn bringt diese Talente alle mit. Hinzu kommen Ehrgeiz, ein hartes Training und eine große Portion Leidenschaft.

Denn leider gilt der Moderne Fünfkampf in Deutschland noch immer als Randsportart. Dies dürfte sich dank Lena Schöneborn und ihrer Glanzleistung bei Olympia nun aber hoffentlich ändern.

Seither ist ihr Name vielen Menschen ein Begriff. Mit ihrer sportlichen Leistung und ihrem bescheidenen Auftreten hat sie zahlreiche Fernsehzuschauer begeistert – auch und besonders in Berlin. Denn seit dem Jahr 2005 ist Lena Schöneborn selbst Berlinerin. Sie lebt und trainiert in Berlin und studiert hier „Business Administration“ an der Fachhochschule für Wirtschaft.

Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen, mag nicht immer einfach sein. Dass die FHW mit dem Olympiastützpunkt Berlin kooperiert, macht es für Lena Schöneborn leichter. Dennoch: Auch diese Leistung verdient Anerkennung und Respekt.

Lena Schöneborn ist eine wunderbare Botschafterin für den Modernen Fünfkampf. Und sie ist zugleich eine hervorragende Botschafterin der Sportmetropole Berlin. Für die Zukunft wünsche ich ihr sehr viel Erfolg bei Sport und Studium, aber auch mehr Aufmerksamkeit für ihre Sportart insgesamt.

Liebe Frau Schöneborn, ich darf Sie nun zu mir bitten.

Man tut Coco Schumann sicher nicht Unrecht, wenn man ihn zunächst mit einem einzigen Satz beschreibt. Denn dieser Satz lautet: Musik ist sein Leben.

Geboren 1924 in Berlin entdeckte Coco Schumann schon früh die Swing- und Jazzmusik für sich. Begeistert hörte er die Stars jener Zeit, übte wie besessen auf Gitarre und Schlagzeug und begeisterte bald selbst das Publikum in den Bars und Kellern von Berlin. Noch bis 1943 ging das gut, obwohl es für ihn immer gefährlicher wurde: wegen der Jazzmusik. Und wegen der jüdischen Mutter. Dann wurde Coco Schumann denunziert, verhaftet und in verschiedene Lager deportiert.

Dort blieb Coco Schumann, was er bis heute ist: Musiker. In Theresienstadt war er Schlagzeuger bei den „Ghetto-Swingers“. In Auschwitz musste er Lieder wie „La Paloma“ spielen, während man die Häftlinge in die Gaskammer trieb. Coco Schumann hatte keine Wahl. Er musizierte ums nackte Überleben.

Viele Jahre konnte und wollte Coco Schumann über diese grauenvollen Erlebnisse nicht sprechen. Er wollte als Musiker wahrgenommen werden und nicht als jemand, der der Hölle von Auschwitz entgangen ist. Heute bezeichnet er es als seine Pflicht, offen über seine Erlebnisse zu reden. Dass Coco Schumann dies auch als Zeitzeuge tut und zum Beispiel Schulen besucht, verdient großen Respekt.

Sich selbst beschreibt er in seiner Autobiografie von 1997 so – ich zitiere: „Ich bin Musiker, ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der auch ein bisschen Musik macht“.

Dem möchte man hinzufügen: Coco Schumann ist nicht einfach nur Musiker – er ist ein international bekannter Jazz-Gitarrist. In den Nachkriegsjahren spielte er als erster deutscher Musiker auf einer E-Gitarre. Er und sein Partner Helmut Zacharias wurden damals umschwärmt als die deutschen Beatles.

Später wanderte Coco Schumann aus nach Australien, kehrte aber nach einigen Jahren zurück. Zum Glück, darf man sagen. Denn seither gehört Coco Schumann zu jenen Persönlichkeiten, die das Musikleben unserer Stadt prägen. Er musizierte in Tanzsälen und Bars, wurde für Galas engagiert, nahm Schallplatten auf und war im Radio zu hören.

Bis heute steht der leidenschaftliche Musiker mit seinem Quartett auf der Bühne. Und das mit ungebrochenem Erfolg. Sein Publikum liebt und verehrt ihn wie eh und je.

Verehrter Herr Schumann, ich möchte Ihnen heute von ganzem Herzen Dank sagen. Ich freue mich sehr, Ihnen den Berliner Landesorden überreichen zu dürfen.

Für einen Museumsdirektor gilt: Die Kunst ist der Star. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Professor Peter-Klaus Schuster ist eine Ausnahmeerscheinung. Wenn er strahlend, geistreich und gelehrt zugleich eine bedeutende Ausstellung eröffnete, dann waren Ohren und Kamera-Objektive auf ihn gerichtet – zum Wohle Berlins und der Staatlichen Museen. Man darf mit Fug und Recht sagen: Professor Peter-Klaus Schuster war nicht nur ein hervorragender Museumsdirektor, er muss auch ein ausgesprochen glücklicher gewesen sein. Denn die neun Jahre, in denen er als Generaldirektor der Staatlichen Museen und als Direktor der Nationalgalerie wirkte, sind gespickt mit Höhepunkten. Denkwürdige Ausstellungen reihten sich wie Perlen aneinander: Von der Ausstellung „Kunst um 1800“ – die ihm eine Herzensangelegenheit ist – über MoMa und „Die schönsten Franzosen“ bis zur Ausstellungsreihe „Kult des Künstlers“. Letztere ist sein Abschiedsgeschenk, das er sich selbst und der Stadt macht. Sie ist ab heute zu sehen.

Auch bei der Lösung zukunftsweisender Fragen bewies Professor Schuster viel Geschick, Kreativität sowie den Mut, neue Wege zu gehen. Unter seiner Ägide wurde die Neuordnung der Staatlichen Museen und die Zusammenführung der geteilten Sammlungen vollendet. Höhepunkte waren zweifellos die Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie im Jahr 2001 und die Wiedereröffnung des Bodemuseums 2006.

Dabei fühlt sich Professor Schuster dem Erbe Bodes wie Humboldts verpflichtet: Er versteht das Museum als Epochenbild wie auch als Ort für Sammlungen und Sammler. Professor Schuster selbst ist eine Art „Über-Sammler“. Er konnte zahlreiche Juwelen für die Staatlichen Museen gewinnen. Dazu zählt die Helmut Newton Stiftung – Museum für Fotografie –, ebenso die Flick-Collection und die Sammlung Marzona. Und in Charlottenburg schuf er mit den Sammlungen Heinz Berggruen und Scharf-Gerstenberg ein Zentrum der klassischen Moderne. Und gab den Staatlichen Museen damit einen thematischen Schwerpunkt zurück, der ihnen durch Nazizeit und Krieg entrissen worden war.

Besonders hervorzuheben ist Professor Schusters glückliches Zusammenwirken mit dem Verein der Freunde der Nationalgalerie. Gemeinsam gelang es, Ausstellungen von MoMa und Metropolitan Museum nach Berlin zu holen.

Sehr geehrter Herr Professor Schuster, Berlins Kultur und seine einzigartigen Museen strahlen durch Ihr Engagement heller denn je. Berlin sagt Ihnen heute Dank. Ich darf Sie zu mir bitten, um Ihnen den Berliner Landesorden zu überreichen.

Ein Intendant nimmt Abschied. Und obwohl er einer der Stillen und Bescheidenen seiner Zunft ist, tut er es mit Glanz und Gloria: „Theater des Jahres“, „Inszenierung des Jahres“, „Schauspielerin des Jahres“, „Schauspieler des Jahres“, „Bühnenbild des Jahres“, „Nachwuchsschauspieler des Jahres“: All diese Auszeichnungen haben das Deutsche Theater und sein Ensemble in diesem Jahr erreicht. Berlin ist stolz darauf.

Sei Theater! Sei Wunder! Sei Berlin! Berlin dankt dem Mann, der dieses Theaterwunder möglich gemacht hat. Berlin dankt Bernd Wilms!

Die diesjährige Kritikerumfrage von „Theater heute“ hat das Deutsche Theater an die Spitze der deutschsprachigen Bühnen katapultiert. Bernd Wilms hat dieses Haus geformt, hat großartige Schauspieler geholt, junge Talente gefördert und spannende Regisseure entdeckt. Zahlreiche unvergessliche Aufführungen könnte ich hier nennen. Keine davon hat Bernd Wilms selbst betreut. Und doch wären sie ohne ihn undenkbar. Mögen die meisten Theater Monarchien gleichen. Und ihre Intendanten entweder glücklichen Königen oder furchterregenden Tyrannen. So ist doch Bernd Wilms ganz anders: Er ist ein großer Zulasser und Ermöglicher, ein Förderer und respektvoll Liebender, also ein Demokrat unter vielen Despoten.

Geradezu wunderbar ist der Aufstieg des Deutschen Theaters, wenn man daran erinnert, unter welch schwierigen Vorzeichen Bernd Wilms seine Intendanz antrat. Dabei hatte er zuvor als Intendant des Maxim-Gorki-Theaters bereits Großes geleistet und dieses Haus zu beträchtlichem künstlerischem Rang geführt. Legendäre Inszenierungen wie „Der Hauptmann von Köpenick“ mit Katharina Thalbach und Harald Juhnke oder „Berlin. Alexanderplatz“ mit Ben Becker besaßen Kult-Status. Plötzlich schauten die Theaterfans auf das kleine Gorki.

Und sie schauen bis heute dorthin. Wie auch das Deutsche Theater mit einem neuen Intendanten an das Geleistete anknüpfen kann. Denn Bernd Wilms arbeitet nachhaltig. Nicht sein persönliches Prestige ist ihm wichtig, sondern das Haus, das Ensemble und das Publikum.

Einen wie ihn braucht Berlins Kultur. Und deshalb bin ich froh, dass Bernd Wilms seit diesem Jahr als Kurator des Hauptstadtkulturfonds amtiert. Ich bin sicher, er wird viel Gutes für die Berliner Kultur bewirken.

Lieber, Bernd Wilms, ich darf Dich nun zu mir bitten, um Dir den Verdienstorden des Landes Berlin zu überreichen.

Jenny Wolf ist Eisschnellläuferin. Wobei es das Wörtchen „schnell“ in ihrem Fall genau trifft. In unglaublichen 48,62 Stundenkilometern war die Berlinerin im vergangenen November in Calgary über das Eis gefegt. Der Weltrekord über 500 Meter steht seither bei 37,02 Sekunden.

Auch sonst war es für Jenny Wolf eine perfekte Saison. Sie gewann Gold bei der Sprint-WM, ihren zweiten Weltmeistertitel über 500 Meter und zum dritten Mal in Folge die Gesamt-Weltcups über 100 und 500 Meter. Im Oktober 2007 wurde sie erstmals zur deutschen Eisschnellläuferin des Jahres gewählt.

Selbst diese nicht eben kurze Aufzählung umfasst nur einige von Jenny Wolfs Erfolgen. Bei nationalen und internationalen Wettkämpfen hat sie bereits viele großartige Leistungen gezeigt, sie hat zweimal an Olympischen Winterspielen teilgenommen und zahlreiche Rekorde aufgestellt.

Mehr kann eine Eisschnellläuferin doch nicht erreichen, mag sich nun manch einer vielleicht denken. Jenny Wolf sieht das vermutlich anders. Denn Jenny Wolf ist ehrgeizig. Auch das macht eine große Sportlerin aus. So gab sie nach ihrem fabelhaften 500-Meter-Weltrekord von Calgary leicht bedauernd zu Protokoll, dass sie gerne als erste Frau der Welt schneller als 37 Sekunden gelaufen wäre.

Das Zeug dazu hat Jenny Wolf. Längst hat sich die Sportlerin fest in der Weltspitze etabliert. Für die kommende Saison gilt sie auf ihren Paradestrecken als Top-Favoritin. Auch die Olympischen Spiele 2010 hat Jenny Wolf natürlich schon fest im Visier.

Ganz Berlin drückt dafür fest die Daumen. Denn Jenny Wolf ist ein Kind unserer Stadt. Begonnen mit dem Eisschnelllauf hat sie vor rund 20 Jahren auf dem Eis im Sportforum Hohenschönhausen. Dort trainiert die Sportlerin, die heute für den SC Berlin startet, nach wie vor.

Nebenbei hat Jenny Wolf vor kurzem auch noch ihr Germanistik- und Soziologiestudium an der Humboldt-Universität abgeschlossen. Auch dazu herzlichen Glückwunsch. Nun kann sie sich ganz auf die neue Saison konzentrieren.

Fest steht: Jenny Wolf gehört zu den Top-Athleten von Berlin. Zur erfolgreichen Bilanz des Berliner Leistungssports hat sie bereits sehr viel beigetragen. In diesem Sinne wünschen wir ihr weiterhin sehr viel Erfolg, der ja stets auch ein Erfolg ist für die Sportstadt Berlin. Liebe Frau Wolf, ich darf Sie nun zu mir bitten.

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