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Gemeinsamer Kampf gegen häusliche Gewalt geht weiter

Pressemitteilung vom 17.04.2007

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen teilt mit:

Sperrfrist: 17. April 2007 – 17.30 Uhr

Heute tagte zum fünften Mal der Runde Tisch zum Berliner Aktionsplan zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt, der sich aus Senatsmitgliedern, Verwaltungen, Polizei sowie verschiedene Anti-Gewalt-Projekte zusammensetzt. Er beschloss das Arbeitsprogramm für 2007 und verabschiedete die Fortschreibung des Berichts zum Berliner Aktionsplan häusliche Gewalt 2002-2008 zu Datenerhebung und Statistik. Alle Beteiligten waren sich einig, dass für das vergangene Jahr eine positive Bilanz gezogen werden kann. Besonders hervorgehoben wurde die dauerhafte Etablierung des proaktiven Ansatzes nach dem Auslaufen der Modellphase. Nächstes großes Arbeitsvorhaben ist die Umsetzung täterorientierter Interventionen in Berlin.

Überblick über die aktuelle Entwicklung:
Im Jahr 2006 wurden 12.522 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. Dies bedeutet einen Anstieg um 7,4% oder 863 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Die Belegungszahlen in den Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen sind gegenüber den Vorjahren relativ konstant geblieben: durchschnittlich nehmen jährlich ca. 1.620 Frauen mit ebenso vielen Kindern einen Schutzplatz in Anspruch. Bei der Nutzung der BIG-HOTLINE ist eine erhebliche Steigerung der Anrufe um mehr als 1.000 auf 7.348 zu verzeichnen. Die Mitglieder des Runden Tisches waren sich darüber einig, dass die gestiegenen Zahlen bei der Polizei und der BIG-HOTLINE deutlich für den erweiterten Bekanntheitsgrad der Hilfeangebote und für ein stärkeres zu Tagetreten des Deliktsphänomens häusliche Gewalt sprechen.

Ein neues und erfolgreiches Angebot ist die „proaktive“ Intervention. Die Polizei gibt nach Einsätzen wegen häuslicher Gewalt mit dem Einverständnis der Opfer deren Telefonnummer an eine Anti-Gewalt-Beratungsstelle oder die BIG-Hotline weiter, die ihrerseits Kontakt aufnehmen und Hilfe anbieten. So erhalten Betroffene die Information, wo sie entsprechend ihrer Situation adäquat unterstützt werden können. Proaktive Beratung nimmt so eine Lotsenfunktion ein, indem sie für Gewaltbetroffene die Transparenz erhöht und Orientierung im Unterstützungssystem ermöglicht. Das Modell ist beispielhaft für den in Berlin existierenden Kooperationsverbund und stellt nachdrücklich die gute Zusammenarbeit von Polizei und Beratungseinrichtungen unter Beweis.

Bis zum Abschluss des Aktionsplans im März 2008 ist neben der Weiterarbeit an den bisherigen Schwerpunkten ein Workshop zur Verbesserung des Angebots der gesundheitlichen Versorgung psychisch traumatisierter Frauen mit Gewalterfahrungen, die Einrichtung eines Gremiums zu „Schutzmaßnahmen und Unterstützungsangeboten für von häuslicher Gewalt betroffener Frauen mit Behinderungen“ sowie die Verankerung des Themas häusliche Gewalt in den Curricula der Krankenpflege- und Hebammenausbildung geplant.

Die Mitglieder des Runden Tisches nahmen die Sitzung auch zum Anlass, um auf die Verknüpfung der Erfahrung von erlebter Gewalt im sozialen Nahraum in der Kindheit und späterem, eigenem Gewaltverhalten hinzuweisen. Vor diesem Hintergrund gilt es, bereits frühzeitig in Kita und Schule präventiv anzusetzen.

Senator Harald Wolf erklärt: „Die Anstrengungen aller Beteiligten bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt können sich sehen lassen. Ihre Arbeit ist Vorbild für viele andere Bundesländer und wird auch international beachtet. Die vorgelegte Fortschreibung zu Datenerhebung und Statistik bildet eine gute Grundlage, um aktuellen Handlungsbedarf erkennen zu können. Wir planen daher, den Bericht in dieser Form auch für das Jahr 2007 weiterzuführen. Die erfolgreiche Kooperation müssen wir nutzen, um bis zum Abschluss des Aktionsplans zur Prävention auch die Interventionsmaßnahmen dauerhaft zu etablieren, die direkt am gewalttätigen Verhalten der Verursacher häuslicher Gewalt ansetzen.“

Senatorin Gisela von der Aue: „Bei der Bekämpfung von häuslicher Gewalt kommt es wesentlich darauf an, bestehende Hilfeangebote bei den Opfern bekannt zu machen und sie zu ermutigen, die Hilfen anzunehmen. Dies ist einer der Aspekte, die durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bereiche am Runden Tisch maßgeblich gefördert werden. Diese Arbeit muss fortgesetzt werden, damit sich Opfer von häuslicher Gewalt weiter wirksam schützen können. So wird ermöglicht, dass sie in ihrer Situation auf Menschen treffen, die sich ihrer fachkundig annehmen und ihnen Wege weisen können, die zu einem nachhaltigen Schutz vor Gewalt führen.“

Senatorin Katrin Lompscher: „Der Berliner Aktionsplan trägt dazu bei, dass der Kampf gegen häusliche Gewalt in Berlin immer wirksamer wird. Die Öffentlichkeit ist inzwischen viel stärker sensibilisiert. Häusliche Gewalt spielt auch zunehmend eine Rolle in der Arbeit der Gesundheitseinrichtungen. Längst ist es erwiesen, Gewalt macht die betroffenen Frauen körperlich und seelisch krank. Doch sind diese Verletzungen oftmals nur schwer als Folgen von Gewalt zu erkennen. Daher freue ich mich besonders, dass neben der Verbesserung des Hilfeangebots psychisch traumatisierter Frauen das Thema häusliche Gewalt künftig auch in die Ausbildung von Pflegeberufen eingehen wird.“

Staatsseketär Eckart R. Schlemm: „Wer in seiner Kindheit Gewalt erlebt, hat später häufig weniger Hemmungen, selbst Schläge auszuteilen. Darum ist es umso wichtiger, in Kita und Schule Anzeichen von Gewaltanwendung zu erkennen, und in Zusammenarbeit mit Beratungseinrichtungen und Polizei dagegen vorzugehen. Hilfreich wird hierbei das vom Senat beschlossene „Netzwerk Kinderschutz“ sein.“

Staatssekretär für Inneres und Sport Thomas Härtel: „Die Bekämpfung häuslicher Gewalt durch repressive aber auch präventive Maßnahmen ist ein wichtiger Baustein der Innen- und Sicherheitspolitik. Die Berliner Polizei arbeitet vorbildlich und kooperativ mit den anderen Akteuren in diesem Themenfeld zusammen. Auch die Landeskommission Berlin gegen Gewalt ist mit zahlreichen Maßnahmen zum Thema häusliche Gewalt aktiv. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über Jugendkriminalität und Gewalttaten von Jugendlichen muss der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Präventionsarbeit sollte bereits in Kitas und Schulen einsetzen.“

Polizeipräsident Dieter Glietsch: “Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Phänomen, das wir in einem breiten Bündnis aller Verwaltungen und freier Träger bekämpfen müssen. Als aufgeklärtes und menschliches Gemeinwesen dürfen wir es nicht dulden, dass vor allem Frauen in ihrer Privatsphäre schutzlos der Gewalt ausgeliefert sind. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass Kinder immer wieder gewalttätige Übergriffe miterleben und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beschädigt werden. Mit dem Runden Tisch zum Berliner Aktionsplan gegen Häusliche Gewalt haben wir bereits viel erreicht, dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Wir müssen unsere Strategien ständig verfeinern, so wie wir dies mit der erfolgreichen Umsetzung des proaktiven Ansatzes im letzten Jahr getan haben. Polizistinnen und Polizisten stellen aktiv den Kontakt zwischen den Betroffenen und den Beratern der freien Träger her und erleichtern den oftmals vollkommen apathischen Opfern damit den notwendigen ersten Schritt zur Befreiung aus ihrer menschenunwürdigen Situation. Darüber hinaus wird es auch in Zukunft darum gehen, die Öffentlichkeit weiter zu sensibilisieren. Wir alle sind mit verantwortlich, wenn wir Häusliche Gewalt in unserem Umfeld erkennen und nichts tun.”

Rückfragen:
Petra Schwarz
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