Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Frauensenator Harald Wolf zum Internationalen Frauentag: Berliner Frauenpreis 2007 für eine Netzwerkerin

Pressemitteilung vom 07.03.2007

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen teilt mit:

Sperrfrist 7. März, 19:00 – Es gilt das gesprochene Wort

Berlins Bürgermeister und Frauensenator Harald Wolf hat heute Ilse-Maria Dorfstecher mit dem Berliner Frauenpreis 2007 ausgezeichnet. In seiner Rede anlässlich der Preisverleihung sagte er unter anderem:

„Es ist mir eine große Freude, Sie am Vorabend des Internationalen Frauentages begrüßen zu können, besonders aber Ilse-Maria Dorfstecher, die wir heute für ihr langjähriges Engagement für die Förderung und Vernetzung von Künstlerinnen mit dem Berliner Frauenpreis auszeichnen wollen, und Dorothee Al-Khannak, die als Weggefährtin von Ilse-Maria Dorfstecher die Laudatio für die Preisträgerin halten wird.

Das Engagement von Frau Dorfstecher für Künstlerinnen in Berlin, für ihre Förderung und Vernetzung, Ausstellung und Bekanntmachung ist von eminenter Bedeutung. Ein besonderes Verdienst liegt in der Wiederentdeckung und Würdigung von Künstlerinnen, die durch die Brüche in der deutschen Geschichte wie auch durch die männerzentrierte Rezeption des Kunstbetriebes in Vergessenheit gerieten. Frau Dorfstecher selbst zeigt mit ihrer Vita, wie herausfordernd, aber auch produktiv Brüche sein können. Die Inselgalerie ist ein ‚Nachwendeprodukt’, entstanden aus dem Wunsch, die Künstlerinnen der DDR nicht zu vergessen in der neuen Gesellschaft, aber auch den Künstlerinnen, die bereits zu NS-Zeiten aus dem öffentlichen Gedächtnis gedrängt wurden, zu ihrem Recht zu verhelfen.

Kunst und Kultur sind für Berlin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit wachsender Bedeutung. Zahlreiche Branchen der Kulturwirtschaft tragen besonders zur Profil- und Imagebildung Berlins bei. Die Stadt ist für Unternehmen der Creative Industries, aber auch aus anderen Branchen‚ ‚the place to be’. Kultur und Kulturwirtschaft bestimmen die Qualität des Standorts mit und sind oft wesentliche Grundlage unternehmerischer Entscheidungen über Verbleib, Erweiterung und Ansiedlung. Ohne das entsprechende kreative Umfeld wären zahlreiche Unternehmen wie Universal Music, der Musiksender MTV, aber auch viele Dienstleister nicht nach Berlin gezogen. Die Potentiale der Kulturwirtschaft liegen in den überdurchschnittlichen Beschäftigungseffekten und den, verglichen mit anderen Branchen, hohen Wachstumsraten. Frauen bringen hohe Potenziale in diesen Bereich ein, die aber noch nicht ausreichend genutzt werden.

Kunst- und Kulturschaffende Frauen gestalten das kulturelle Leben in Berlin nicht nur mit, sondern sie setzen auch besondere Akzente. Dennoch gibt es noch viel zu tun, um die Gleichstellung von Künstlerinnen und insgesamt von Frauen im Kulturbereich weiter voranzubringen.

Viele junge Frauen streben eine künstlerische Karriere an. Es ist allerdings festzustellen, dass sie nicht ihrer Ausbildung adäquat an der individuellen Künstlerförderung Teil haben. Auch in den Leitungsfunktionen von künstlerischen Einrichtungen sind Frauen nur sehr wenig vertreten. In Berlin beispielsweise sind an den 20 größten Kulturinstitutionen nur 2 Frauen in der ersten Leitungsebene anzutreffen, gegenüber 28 Männern. Hier muss noch einiges aufgeholt werden.

In Berlin existiert ein über Jahrzehnte gewachsenes Netz von frauenspezifisch arbeitenden Gruppen und Vereinen, dies gilt auch für den kulturellen Sektor. Hier wird in der Regel mit sehr viel Engagement, ehrenamtlicher Arbeit und relativ bescheidenen Mitteln ein wichtiger Beitrag für das Kulturangebot der Stadt geleistet. Zudem sind diese Initiativen nicht zu unterschätzen als Netzwerke, die Künstlerinnen und Kulturschaffenden Informationen vermitteln sowie Starthilfen und Unterstützung im Auf und Ab der freiberuflichen künstlerischen Existenz geben.

Seit 1992 haben wir auch im Kulturbereich finanzielle Mittel, die unmittelbar frauenspezifischen Bezug haben und ausschließlich und eindeutig bezifferbar für die Frauenförderung bestimmt sind. Diese Mittel sollten und sollen direkt dazu führen, Frauen in Bereichen zu unterstützen, in denen sie noch erheblich unterrepräsentiert sind. Wesentliche Maßnahmen sind hierbei die Vergabe von Stipendien und Projektmitteln an Berliner Einzelkünstlerinnen, Gruppen und frauenspezifisch arbeitende Kulturinitiativen. Zu letzteren zählen z.B. die Blickpilotin, das Verborgene Museum, die Europäische Frauenaktion, die Gedok-Berlin, der Verband der Filmarbeiterinnen und natürlich die heute ausgezeichnete Inselgalerie. Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen fördert Frauenkulturprojekte wie die Begine oder die Kulturwerkstatt Alpha Nova, die kontinuierlich kulturelle Angebote für Frauen entwickeln.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebens- und Arbeitsbereichen gehört als Ausdruck des demokratischen Selbstverständnisses auch in der neuen Legislaturperiode zu den zentralen Aufgabenstellungen des Senats. Die Koalition wird in Fortsetzung ihrer bisherigen Geschlechterpolitik und unter Zugrundelegung der Ergebnisse des Berichtes „Frauen in Berlin“ ein gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm beschließen, das frauen-, gleichstellungs- und genderpolitische Schwerpunktsetzungen aller Senatsverwaltungen umfasst. – Ein ehrgeiziges Vorhaben, zu dessen Gelingen all diejenigen beitragen sollen, die sich in Berlin der Frauen- und Gleichstellungspolitik verbunden fühlen.

Mit der heutigen Veranstaltung soll auch ein Beitrag zu dem für 2007 von der EU ausgerufenen „Jahr der Chancengleichheit für alle“ geleistet werden. Im Jahr 2007 soll europaweit durch Kampagnen und Aktionen unter Einbeziehung von Staat, Nichtregierungsorganisationen und Privatleuten Diskriminierungen aus Gründen der Rasse und Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung, der sexuellen Identität oder aus Gründen des Geschlechts entgegen gewirkt werden.“

Rückfragen:
Petra Schwarz
Telefon: 9013-7418
E-Mail: pressestelle@senwtf.verwalt-berlin.de