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Arbeitsgruppe "Gewalt von Jungen, männlichen Jugendlichen und jungen Männern mit Migrationshintergrund in Berlin" legt Abschlussbericht und Empfehlungen vor

Pressemitteilung vom 27.03.2007

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport teilt mit:

Junge, männliche Personen mit Migrationshintergrund sind in Berlin überproportional häufig an Gewaltdelikten beteiligt. Dies war Ende 2004 Anlass für die Landeskommission Berlin gegen Gewalt, eine Arbeitsgruppe zu beauftragen, die Ursachen dafür festzustellen und Empfehlungen zur Gewaltprävention zu erarbeiten.

Vertreter/innen Berliner Migrantenorganisationen, freier Träger, des Quartiersmanagements, der Berliner Verwaltungen, der Berliner Polizei und einigen Experten ist es in fast zweijähriger Arbeit gelungen, sich auf eine gemeinsame, differenzierte und differenzierende Sicht und Bewertung der Probleme und ihrer Ursachen sowie auf einen Katalog von Handlungsempfehlungen zu verständigen.

Die Kurzfassung des Berichts bietet einen Überblick über die Risikofaktoren, die für gewalttätiges Verhalten junger männlicher Personen mit Migrationshintergrund von Bedeutung sind. Seine Einleitung beinhaltet grundlegende Überlegungen und Positionen der Arbeitsgruppe zu der gesamten Problematik. Überlegungen zu den geschlechtsspezifischen Hintergründen des Problems bilden den Ausgangspunkt für die Untersuchung sozialer, kultureller, rechtlicher und traumabedingter Faktoren, die gewaltförmiges Handeln junger männlicher Personen mit Migrationshintergrund beeinflussen können. Ein umfangreicher Anhang vertieft einzelne Themen des Berichts und bietet weitere Hintergrundinformationen.

Der Empfehlungsteil enthält statt einer Zusammenfassung der zahlreichen Empfehlungen 10 Essentials, die im Zusammenhang mit der Prävention von Gewalt junger männlicher Personen mit Migrationshintergrund aus der Sicht der Arbeitsgruppe von zentraler Bedeutung sind. Die Empfehlungen selbst beziehen sich auf die Bereiche Bildung und Erziehung, (Jugend)Kultur, Sport, Polizei, Justiz, Kooperation und Vernetzung, Rolle der Organisationen der Migrant/innen im Rahmen der Gewaltprävention, ausländerrechtliche Maßnahmen, Diskriminierung – Anerkennung und Wertschätzung sowie Traumatisierung. Abgerundet wird der Empfehlungsteil durch Berichte aus der Arbeit des Quartiersmanagements im Wrangelkiez und im Schöneberger Norden und deren gewaltpräventive Wirkungen.

Der Vorsitzende der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, Herr Staatssekretär Thomas Härtel, erklärt dazu:

„Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat den Bericht und die Empfehlungen der Arbeitsgruppe in ihrer Sitzung am 23.März 2007 zur Kenntnis genommen. Sie wird den Bericht an die Senatsverwaltungen, an die Bezirke und an den Landesbeirat für Integration und Migration mit der Bitte um Stellungnahme weiterleiten. Im Juli diesen Jahres wird sie sich zu dem Bericht und zu den Empfehlungen positionieren und vor dessen Hintergrund ihrerseits Empfehlungen beschließen und dem Senat von Berlin vorlegen.

Ich bin den Mitgliedern der Arbeitsgruppe sehr dankbar für ihre engagierte Arbeit. Vor allem die Tatsache, dass Vertreter/innen von Berliner Migrantenorganisationen gemeinsam mit Vertreter/innen von freien Trägern, von Berliner Verwaltungen und Behörden diesen Bericht erarbeitet und Handlungsempfehlungen zur Prävention von Gewalt von jungen männlichen Personen mit Migrationshintergrund vorgelegt haben, kann nicht hoch genug bewertet werden. Verständigungsprozesse über kulturelle Unterschiede hinweg und noch dazu bei einem so brisanten Thema zu gestalten, zeugt von einer gelebten Kultur der Anerkennung von Vielfalt. Die sehr differenzierte Analyse der Ursachen der überproportionalen Beteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Gewaltdelikten wird meines Erachtens dazu beitragen, die Diskussion in unserer Stadt zu versachlichen. Dazu gehört es auch, jedweder Ethnisierung der Probleme entschieden entgegenzutreten.

Alle Verantwortlichen in Berlin werden sich mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppe auseinander setzen müssen. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund und deren Organisationen werden wir zu diskutieren haben, welche Konsequenzen aus den Empfehlungen der Arbeitsgruppe zu ziehen sind. Ein einfaches ‚Weiter so wie bisher’ kann es nicht geben. Wir alle müssen anerkennen, dass die Konstruktion eines ‚Wir’ und ‚Ihr’ entlang der ethnischen Herkunft keinerlei Beitrag zur Lösung der anstehenden Probleme leisten kann. Hier umzudenken und auch umzusteuern, ist eine der zentralen politischen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Koordiniertes, ressort- und institutionenübergreifendes Handeln ist im Zusammenhang mit der Gewaltprävention unerlässlich. Wir müssen die strukturelle Benachteiligung junger Migranten im Bereich der Bildung beseitigen, ihnen realistische Perspektiven für Ausbildung und Beschäftigung bieten und jedweder Form von Diskriminierung mit aller Entschiedenheit entgegen treten.

Ich erwarte allerdings auch, dass die Migrantenorganisationen Berlins mehr als bisher zu wesentlichen Fragen der Gewaltprävention Stellung nehmen und dies auch in Ihre Communities hinein kommunizieren:
Sie müssen in aller Deutlichkeit klarstellen, dass auch aus ihrer Sicht Integration die Bereitschaft zum Erlernen der deutschen Sprache voraussetzt, Bildung ein entscheidender Schlüssel zur Integration ist, die in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze für alle in Deutschland lebenden Menschen bindend sind, Männer und Frauen gleiche Rechte haben und demzufolge insbesondere häusliche und sexuelle Gewalt nicht toleriert werden, der Staat das Gewaltmonopol hat und Selbstjustiz nicht toleriert wird.
Sie müssen darüber hinaus sehr deutlich machen, dass Kinder eigene Rechte – unter anderem das Recht auf gewaltfreie Erziehung – haben, dass Rassismus, Antisemitismus sowie Diskriminierung Probleme auch der eigenen Communities sind und dass die Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund selbst einen Teil der Verantwortung für ihre Integration übernehmen müssen.“

Der Bericht und die Empfehlungen der Arbeitsgruppe können bei der Geschäftsstelle der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, Klosterstr. 47, 10179 Berlin bestellt werden (eMail: manuela.bohlemann@seninn.verwalt-berlin.de; Telefon: 9027-2913).

Rückfragen:
Nicola Rothermel
Telefon: (030) 9027-2730
E-Mail: pressestelle@seninn.verwalt-berlin.de