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Zöllner zieht positive Bilanz über Schulinspektionen und kündigt Konzept für gezieltere Fortbildung an

Pressemitteilung vom 11.05.2007

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit:

Inspektoren aus Schule und Gesellschaft haben 45 Berliner Schulen untersucht:

Nach der ersten Phase von Schulinspektionen zieht Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner eine positive Bilanz. Von den 45 untersuchten Schulen im Schuljahr 2005/2006 weisen 24 Schulen ein deutlich positives Qualitätsprofil auf, d. h. dass die Schulen die wichtigsten Qualitätskriterien erfüllen. 19 Schulen weisen sowohl Stärken als auch Entwicklungsbedarf aus. Nur in zwei Schulen sind deutliche Verbesserungen erforderlich. Diese beiden Schulen werden bereits nach zwei Jahren und nicht erst nach fünf Jahren erneut inspiziert.

Bildungssenator Zöllner: “Uns muss klar sein, dass selbst gute Schulen noch nicht perfekt sind. Die Anforderungen, die wir an unsere Schulen stellen, sind hoch. Deshalb ist es erfreulich, dass 60 Prozent der Schulen diese hohen Anforderungen an die Qualität der Arbeit erfüllen. Noch erfreulicher ist, dass die Schulen den Wert und Nutzen der Inspektionen für die eigene Arbeit erkannt haben. In allen 45 Schulen ist durch die Inspektionen eine wichtige Qualitätsdiskussion in Gang gesetzt worden.
Es müssen Konsequenzen in der Fort- und Weiterbildung gezogen werden. Die Bildungsverwaltung wird zusammen mit dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) bis nach der Sommerpause ein Konzept erarbeiten, das gezielt die Angebotsstruktur in der Fort- und Weiterbildung insbesondere in den Bedarfsbereichen Maßnahmen innerer Differenzierung, Förderung selbstständigen und problemorientierten Lernens , Entwicklung von Teamkompetenzen sowie zur Leitung von Schulen verbessert und Anreize für die Teilnahme an diesen Bildungsangeboten verstärkt.
Der Wert der Inspektionen wird sich in noch besseren Ergebnissen bei der nächsten Inspektion zeigen. Erst danach halte ich es für sinnvoll, die Inspektionsergebnisse von allen einzelnen Schulen zu veröffentlichen.”
Ziel einer Schulinspektion ist, einen möglichst umfassenden und repräsentativen Eindruck von der Unterrichtsarbeit zu erhalten. Grundlage der Bewertung war die Erfüllung folgender Qualitätsmerkmale: Fachkompetenzen, Methodenkompetenzen, Schullaufbahn, schulinternes Curriculum, Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht, Leistungsanforderungen und Leistungsbewertungen, Schülerunterstützung und -förderung im Lernprozess, Beteiligung der Schüler/innen und der Eltern, Kooperation mit gesellschaftlichen Partnern, Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement, Unterrichtsorganisation, zielgerichtete Personalentwicklung, Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium, Schulprogramm und schulinterne Evaluation.
Ergebnisse der Schulinspektionen
Zur Schulqualität halten die Inspektorinnen und Inspektoren fest, dass sich über alle Schulen hinweg deutliche Stärken in den Merkmalen Schullaufbahn (Fehlzeiten/Wiederholerquote), Leistungsanforderungen und Leistungsbewertungen sowie Kooperation mit gesellschaftlichen Partnern zeigten. Ebenso deutlich wurde gleichzeitig der Entwicklungsbedarf bei den Merkmalen Methodenkompetenzen (auch konzeptioneller und systematischer Einsatz moderner Unterrichtstechnologie), Personalentwicklung, Arbeits- und Kommunikationskultur sowie Schulprogramm und schulinterne Evaluation. Darüber hinaus ergaben sich bisweilen erhebliche Qualitätsunterschiede in den modernes Schulmanagement kennzeichnenden Merkmalen Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern und Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement.
Hinsichtlich der Unterrichtsqualität wurden deutliche Stärken sichtbar: So wurde die Lernzeit überwiegend intensiv genutzt und die Lehrkräfte trugen – bisweilen durch hohen persönlichen Einsatz – zur Schaffung förderlicher Lern- und Arbeitsbedingungen bei. Das Unterrichtsklima war zumeist durch ein positives Sozialverhalten und einen offenen und freundlichen Umgang miteinander geprägt. Die Schülerinnen und Schüler wurden fair und gerecht behandelt und auf die selten beobachteten Unterrichtsstörungen wurde in der Regel pädagogisch angemessen reagiert. Positive Elemente des Unterrichtshandelns zeigten sich ebenfalls, wenngleich nicht so deutlich ausgeprägt, in der Kooperation von Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern, in der Förderung von Selbstvertrauen und Selbstständigkeit sowie der Unterrichtsstrukturierung und der Methodenwahl.
In der Sprach- und Kommunikationsförderung zeigten sich Stärken und Entwicklungsbedarf gleichermaßen. Während die Lehrkräfte zumeist vorbildlich in der Sprachanwendung waren und in Unterrichtsgesprächen Sprechanlässe geschaffen wurden, so war die Förderung der Kommunikationsfähigkeit eher weniger ausgeprägt und eine gezielte Sprachförderung der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache war über den DaZ-Förderunterricht hinaus nur selten erkennbar.
Neben den Stärken in der Unterrichtsarbeit zeigte sich auch Entwicklungsbedarf. So fand die Förderung der individuellen Lernentwicklung durch Maßnahmen innerer Differenzierung noch zu wenig Raum im Unterricht. Weiterhin erwies sich die Förderung selbstständigen und problemorientierten Lernens sowie die Förderung kooperativen Verhaltens im Sinne der Entwicklung von Teamkompetenzen als gering ausgeprägt. Hier zeigte sich überdies, dass Unterricht, in dem kooperative Lernformen genutzt wurden, gleichzeitig weitere positive Merkmale unterrichtlichen Handelns mit sich brachte.
Schlussfolgerungen aus den Schulinspektionen
· Diskussion in der Schulkonferenz
Die Aufarbeitung der Ergebnisse ist zunächst Aufgabe jeder einzelnen Schule. Die Inspektoren haben ihre Ergebnisse den jeweiligen Schulkonferenzen vorgestellt. Durch die Diskussion der Ergebnisse in der Schulkonferenz, in der Lehrkräfte, Eltern und Schüler/innen vertreten sind, wird ein innerschulischer Qualitätsentwicklungsprozess gefördert.
Die Bildungsverwaltung unterstützt die Qualitätsentwicklung in den Schulen durch
Coachings
Schulen mit besonderem Qualitätsentwicklungsbedarf erhalten ein intensives Coaching über ProSchul (prozessbegleitende Schulberatung). Der Coachingprozess erstreckt sich über ein Schuljahr. Die Schulen haben darüber hinaus auch zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, das Coaching zu nutzen. ProSchul verfügt über eine Fortbildungskapazität von bis zu sechs Schulen pro Halbjahr und über insgesamt sechs Qualifizierungsmodule, die von den Schulen ausgewählt werden können.

Ziel des Coachings ist, die im Inspektionsbericht erfassten Entwicklungsbedarfe durch gezielte Maßnahmen abzubauen. Auf Basis der Stärken, Schwächen, Risiken und Möglichkeiten einer Schule, die sich aus der Analyse des Inspektionsberichts ergeben, legen Schule und ProSchul gemeinsam einen Maßnahmenplan fest. Das Kollegium wird in der Teamentwicklung, in den Unterrichtsmethoden, im Zeitmanagement, im Umgang mit Konflikten, in der Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule, in der Implementierung von Projekten entsprechend des Schulprofils unterstützt. Parallel dazu erfolgt ein intensives Einzelcoaching der Schulleitungsmitglieder u. a. zu Zielen und Zielvereinbarungen, Personalführung und -entwicklung, Entwicklungsstrategien, Prozessoptimierung, Gesprächsführung, Erfolgssicherungsstrategien.

·Beratungen/ Schulaufsicht
Die Rolle der regionalen Schulaufsichten im Qualitätsentwicklungsprozess wird gestärkt. Für jede Schule vereinbart die jeweilige Schulaufsicht mit der Schulleitung Qualitätsentwicklungsmaßnahmen und schreibt diese in den jährlichen Zielvereinbarungen zwischen Schule und Schulaufsicht fest.
Fortbildungen
Je nach Entwicklungsbedarf der Schulen gibt es verschiedene Fortbildungsangebote:
-Auf der Basis der Handlungsfelder mit dem größten Entwicklungsbedarf hat das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) ein Qualifizierungskonzept entwickelt, das aus Fortbildungsmodulen zu Neue Formen der Lehr- und Lernkultur, Kommunikations- und Sprachförderung, Beobachtung und Förderung von individuellen Lernprozessen, Leistungsermittlung – Leistungsbewertung sowie Schulinternes Curriculum besteht.
-Um die Nachhaltigkeit der Fortbildungen besser zu gewährleisten, werden vor allem Veranstaltungen für ganze Kollegien oder Fachgruppen angeboten. Diese beinhalten neben der fachlichen bzw. überfachlichen Qualifizierung die innerschulische Implementierung der neuen Methoden.
-Darüber hinaus wird ein Netzwerk von Regionalkonferenzen für alle wesentlichen Unterrichtsfächer und überfachlichen Innovationen aufgebaut. Die Regionalkonferenzen ermöglichen aber auch einen intensiven Austausch zwischen den Fachkräften aus den Schulen und der regionalen Schulaufsicht. Die Teilnahme der Schulen an diesen Regionalkonferenzen ist verbindlich.
-Die Volkshochschulen bieten IT-Schulungen in großem Umfang an.
-Weiterhin gibt es Beratungsangebote für Schulleitungen durch verschiedene Programme der Wirtschaft und freier Träger, z. B. führt Bildungscent inzwischen an weit über 20 Schulen das Programm „Partners in leadership“ durch. Das Institut für Verwaltungsmanagement bietet ein Mentorenprogramm für Schulleitungen an.

Seit Beginn des Schuljahres nehmen alle inspizierten Schulen an diesen Angeboten teil.

Verfahren der Schulinspektionen
Der Auftrag an die Inspektorinnen und Inspektoren ist die externe Evaluation aller öffentlichen Schulen Berlins bis zum Ende des Jahres 2010. Grundlagen für die Arbeit der Schulinspektion stellen dabei der im Mai 2005 von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen der Gesamtkonzeption vorgestellte „Handlungsrahmen Schulqualität“ sowie das „Konzept zur Schulinspektion“ dar.
Allen öffentlichen Berliner Schulen wurde angeboten, sich freiwillig zur Inspektion zu melden. Insgesamt 24 Schulen nahmen diese Gelegenheit wahr. Weitere 21 Schulen wurden ausgelost.
Die Schulinspektoren begannen ihre Arbeit am 1. November 2005. Dazu wurden insgesamt 45 Personen ausgewählt. Diese setzten sich aus neun Personen der Schulaufsicht bzw. der Leitung Schulpraktischer Seminare, 18 Schulleitungsmitgliedern und 18 Lehrkräften zusammen. Verstärkt werden die Inspektionsteams durch mehr als 60 ehrenamtliche Inspektorinnen und Inspektoren aus dem Kreis engagierter Eltern und der Wirtschaft.
Weitere Infos unter www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/

Rückfragen:
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