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Stadtstaatenvergleich von Jugendhilfeleistungen: Höherer Aufwand der Berliner Jugendämter

Pressemitteilung vom 17.04.2007

Aus der Sitzung des Senats am 17. April 2007:

Der Senat hat auf Vorlage des Senators für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, einen Bericht an das Abgeordnetenhaus über einen Stadtstaatenvergleich Hilfe zur Erziehung beschlossen. Der Vergleich wurde von einer unabhängigen Firma für die Jahre 2004 und 2005 unter Beteiligung von Hamburg und Bremen durchgeführt.

Um Berlin, Hamburg und Bremen hinsichtlich der Inanspruchnahme von Hilfe zur Erziehung vor dem Hintergrund der sozialen und strukturellen Lage der drei Städte vergleichen zu können, wurde eine Fülle von Daten zusammengetragen. Aufgrund der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes und abweichender Inhalte, Strukturen und Verfahren in den Vergleichsstädten war es jedoch nicht in allen Punkten möglich, eine unmittelbare Vergleichbarkeit herzustellen.

Die Ergebnisse im Überblick:

• Die Hilfedichte (Anzahl der Hilfen pro 1.000 Einwohner unter 21 Jahren) lag in Berlin mit 22,7 Hilfen über der Hilfedichte von Bremen (18,52) und Hamburg (16,2). Berlin hat mit 6,0 Fällen gegenüber Bremen (4,6) und Hamburg (3,5) ferner die höchsten Fallzahlen im Bereich Inobhutnahme, d. h. beim Kinderschutz.

• Die Ausgaben der Berliner Jugendämter lagen, entsprechend der Hilfedichte, mit rd. 510.000 € pro 1.000 Einwohner unter 21 Jahren um 8,7 % über dem Bremer Wert (469.200 €) und um 28,3 % über dem Hamburger Niveau (397.600 €).

• Die durchschnittlichen Ausgaben pro Hilfe lagen 2005 in Berlin mit 22.468 € dagegen unter den Werten von Bremen (25.335 €) und Hamburg (24.539 €).

Jugendsenator Prof. Dr. Zöllner: „Die untersuchten soziostrukturellen Belastungsfaktoren zeigen, dass Berlin im Vergleich eine höhere, für die Hilfen zur Erziehung relevante Belastungssituation hat. Insbesondere die höhere Quote von Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren (46,0 %), die deutlich geringere Einkommenssituation vieler Familien (niedrigste Erwerbsquote) und das vergleichsweise geringste Angebot an Ausbildungsplätzen für Jugendliche in Berlin kennzeichnen diese Situation. Diesen psychosozialen Belastungen der Berliner Familien müssen die Jugendämter mit differenzierten Angeboten zur Unterstützung und Förderung der Erziehungskompetenz begegnen, damit nicht Perspektivlosigkeit um sich greift.“

Auch im Rahmen des Stadtstaatenvergleichs wird deutlich, dass die in Berlin gemeinsam mit den Bezirken und der Liga der Freien Wohlfahrtspflege initiierten und umgesetzten Umsteuerungsmaßnahmen auf fachlich-struktureller und finanzieller Ebene gegriffen haben. Insgesamt konnten die Transferausgaben für diesen Leistungsbereich von rund 452 Mio. € im Jahr 2002 auf ca. 319 Mio. € im Jahr 2006 reduziert werden.

Senator Prof. Dr. Zöllner: „Trotz der erheblich höheren Hilfedichte sind die Fallzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen und die Ausgaben in der gemeinsamen Anstrengung zur Haushaltskonsolidierung deutlich zurückgeführt worden. Das Abgeordnetenhaus wird sich nun im Vorfeld der Haushaltsaufstellung 2008/2009 damit beschäftigen müssen, welches Budget die bezirklichen Jugendämter benötigen, um den Rechtsanspruch der Familien auf pädagogische Hilfen zu erfüllen und einem erneuten Anstieg der Kosten zu begegnen.“

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Rückfragen:
Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Telefon: 9026-5843
E-Mail: Briefkasten@senbwf.verwalt-berlin.de