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Pilotprojekt erhöht Bestand von Aalen in Berliner Gewässern

Pressemitteilung vom 15.05.2007

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz teilt mit:

Heute ab 15:00 Uhr werden vom Gelände des Fischereiamtes Berlin 175.000 Jungaale im Bereich der Ober- und Unterhavel ausgesetzt. Insgesamt 1.750 kg Farmaale mit einem Stückgewicht von rd. 10 g sollen ihr neues „Zuhause“ in der Berliner Havel einnehmen, um den Aalbestand zu stärken. Seit drei Jahren werden die Besatzmaßnahmen im Rahmen eines Pilotprojekts „Laicherbestandserhöhung beim Europäischen Aal im Einzugsgebiet der Elbe“ durchgeführt.

Der Europäische Aal, der in Berliner Gewässern zu den wirtschaftlich bedeutenden Fischarten der Fluss- und Seenfischerei gehört, besitzt einen äußerst komplexen Entwicklungszyklus. So lebt der Aal 8 bis 12 Jahre in unseren Flüssen und Seen und wächst dabei auf 200- bis 1.000 g heran. Als Blankaal wandern die ausgewachsenen Tiere die Flüsse herab, um eine 5.000 km weite Wanderung durch den Atlantik bis zur Sargassosee anzutreten. Hier legen die Aalweibchen 4 bis 5 Millionen Eier in etwa 700 m Meerestiefe ab, die anschließend von den Männchen befruchtet werden; daraufhin sterben die Elterntiere ab. Aus den Eiern schlüpfen weidenblattförmige Leptocephalus-Larven, welche etwa 3 Jahre lang passiv mit dem Golfstrom in Richtung europäische und nordafrikanische Küste treiben. Hier angekommen, entwickeln sich die Larven zu kleinen, durchsichtigen, etwa 0,5 g schweren, nun aber schon aalförmigen Fischen, den so genannten Glasaalen. Die Glasaale wandern zumeist in größeren Schwärmen, nun schon dunkel gezeichnet, als Steigaale flussaufwärts, um sich hier wiederum zu geschlechtsreifen (adulten) Tieren zu entwickeln.

Leider wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt beobachtet, dass die Fänge des Europäischen Aals in ganz Europa stark rückläufig sind. Dieses spiegelt sich auch in den Fangerträgen der Berliner Fluss- und Seenfischereibetrieben wider, die im Verhältnis zum Jahr 1994 (Fangertrag lag bei 29,85 t Aal) einen Fangrückgang von rd. 45 % zu verzeichnen haben.
Die Ursachen für den Rückgang der Aalbestände sind vielfältig. So gibt es eine Reihe von Vermutungen, die nicht nur auf den komplexen Entwicklungszyklus des Langdistanz-wanderfisches, sondern auch auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind.

Auf Grund der anhaltenden Bestandsabnahme wurde im Jahr 2005 mit dem Pilotprojekt „Laicherbestandserhöhung beim Europäischen Aal im Einzugsgebiet der Elbe“ begonnen, um den Erhalt und Schutz des Europäischen Aals in unseren Gewässern zu sichern.

Insgesamt werden in diesem Jahr im Land Berlin rd. 2,5 t Farmaal (ca. 250.000 Stück) auf eine Gewässerfläche von 4.575 ha besetzt. Die Besatzmaßnahme wird durchgeführt und finanziert durch die Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf e.V., dem Deutschen Anglerverband (DAV) LV Berlin e.V. und dem Fischereiamt Berlin.
Die Besatzmaßnahmen werden durch finanzielle Mittel der Europäischen Union und des Landes Berlin gefördert. Die eingesetzte Gesamtsumme für den Aalbesatz im Jahr 2007 beläuft sich auf 104.000 €. Davon sind 34.500 € Fördermittel der Europäischen Union und 60.500 € Landesmittel.

Das Pilotprojekt ist die Fortsetzung einer langfristig angelegten Maßnahme, die über einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren durchgeführt werden soll.

Rückfragen:
Jens Puchmueller
Telefon: 300 699 22
E-Mail: jens.puchmueller@senguv.verwalt-berlin.de