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Familienbericht 2006

Pressemitteilung vom 17.10.2006

Aus der Sitzung des Senats am 17. Oktober 2006:

Der Senat hat auf Vorlage des Senators für Bildung, Jugend und Sport, Klaus Böger, den Familienbericht 2006 beschlossen.
Teil I des Berichtes an das Abgeordnetenhaus informiert über die Eltern- und Familienbildung zur Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern in Berlin. Der zweite Teil setzt sich mit ausgewählten Aspekten des Siebten Familienberichtes des Bundes auseinander und enthält Schlussfolgerungen für die Berliner Familienpolitik.

Familiensenator Böger: „Die Familie ist die wichtigste Erziehungs- und Bildungsinstanz. Eltern sind die entscheidende Quelle für die kindliche Entwicklung. Es liegt in unser aller Interesse, Familien wertzuschätzen und zu unterstützen.“

Die Familienbildung wendet sich an alle Familien, berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenslagen von Eltern und Kindern und bezieht die sich wandelnden Familienstrukturen mit ein. Ihre Arbeit orientiert sich an Alltagsfragen und Lebensphasen und ist keineswegs nur krisenorientiert. Bildungsangebote zu allgemeinen Fragen der Erziehung, z. B. zur vorurteilsbewussten Erziehung oder zur Vereinbarung von Familie und Beruf, gehören ebenso dazu wie Angebote zu speziellen Themen, wie zur gesundheitsbewussten Lebensgestaltung oder zum Umgang mit besonderen Belastungen. Durch diese präventive Arbeit werden die Familien gestärkt.

Da sich die Herausforderungen für Familien ändern, muss sich auch die Familienbildung immer wieder neu orientieren. Der Familienbericht gibt einen Überblick über die derzeitige Förderung von Familienbildung, bekräftigt den sozialraumorientierten Arbeitsansatz in den Bezirken und nennt Leitlinien für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Familienbildung in Berlin.

Die Angebote in der Eltern- und Familienbildung in Berlin sind vielfältig, sowohl hinsichtlich der Veranstaltungen und Träger als auch nach Größe, Finanzvolumen/-kraft und weltanschaulicher Orientierung. Die Situation hat sich im Vergleich zur ersten Bestandserhebung 2001 deutlich verbessert. Das betrifft vor allem die Angebote in den Bezirken, die folgende inhaltlich-organisatorischen Schwerpunkte aufweisen:

• Elternkurse, -trainingsprogramme, -coaching als Einzelangebote über die Erziehungs- und Familienberatung und freie Träger,
• Elternarbeit in einem weiten Sinn, angebunden an Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen sowie
• Konzentration vielfältiger Einzelangebote an einem Ort, z. B. im Familienzentrum, darunter dann auch Familienbildungsangebote im engeren Sinn.

Böger: „Wir müssen frühzeitig mit der Familienbildung beginnen und auch vermehrt Familien aufsuchen, vor allem Familien mit Migrationshintergrund. Die Familienbildung muss verstärkt auf Migranten und Migrantinnen und deren Organisationen zugehen, statt zu erwarten, dass die Familien von sich aus auf ihre Angebote reagieren. Wichtig ist, dass wir die Arbeit verbessern, indem wir abgestimmte Qualitätsstandards der Familienbildung entwickeln und umsetzen.“

Familienpolitik ist im Wesentlichen eine bundespolitische Aufgabe. Das betrifft z. B. die Regelungen zu steuerlichen Ausgleichen, zu einer beitragsfreien Kinderversicherung oder zu Kindergeld, Erziehungsgeld oder Elterngeld. Die Familienpolitik der Länder setzt vor allem auf die Gestaltung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Schwerpunkt der Berliner Familienpolitik liegt bei der Verbesserung der Infrastruktur für die Kindertagesbetreuung. Berlin verfügt über ein flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebautes Versorgungsnetz zur Tagesbetreuung von Kindern. Es gewährleistet

• wohnortnahe Angebote,
• die Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
• eine an den Interessen und Bedürfnissen von Familien orientierte Betreuungszeit in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege sowie in der ergänzenden Hortbetreuung,
• die Umsetzung des Wunsch- und Wahlrechtes der Eltern durch eine breite Träger- und Angebotsvielfalt,
• gleiche Bildungschancen für alle Kinder – unabhängig von Geschlecht, ethnischer und religiöser Zugehörigkeit, sozial-ökonomischer Situation ihrer Familien und ihrer individuellen Fähigkeiten,
• den Ausgleich sozialer Benachteiligung sowie behinderungsbedingter Nachteile.

Böger: „Auch die Einführung der Verlässlichen Halbtagsgrundschule und der forcierte Ausbau der Ganztagsgrundschulen haben neben der bildungspolitischen Relevanz eine große familienpolitische Bedeutung. In Kindertagesbetreuung und Schule werden wir diese erfolgreiche Politik fortsetzen.“

Neue Schwerpunkte der Familienpolitik in Berlin sind:

• Gestaltung einer familienfreundlichen Innenstadt. Die Stadterneuerungspolitik und das Quartiersmanagement haben gezeigt, dass eine kinderfreundliche Gestaltung des Wohnumfeldes Familien anziehen bzw. zum Bleiben veranlassen kann.

• Zur Unterstützung von Risikofamilien wird ein Frühwarnsystem entwickelt, das die frühzeitige Einleitung von Hilfen ermöglichen soll. Die dafür notwendigen Netzwerke sollen die Unterstützungssysteme im Umfeld von Kitas und Schulen einbeziehen.

• Entwicklung eines Systems von Familienkompetenzzentren auf der Basis bestehender Einrichtungen. Diese Zentren sollen für die Kitas das familienunterstützende Wissen zur Verfügung stellen und als Anlauf- und Treffpunkt für Eltern Beratung und Unterstützung sowie Anleitung zur Selbstorganisation bieten.

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Rückfragen:
Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport
Telefon: 9026-5843
E-Mail: Briefkasten@senbjs.verwalt-berlin.de