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Laufzeit des Aktionsplans gegen häusliche Gewalt wird verlängert: Gemeinsamer Kampf gegen häusliche Gewalt geht weiter

Pressemitteilung vom 20.01.2006

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen teilt mit:

ACHTUNG, BITTE SPERRFRIST 15:00 UHR BEACHTEN!

Heute hat der Runde Tisch zum Berliner Aktionsplan zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt zum vorerst letzten Mal getagt, das Arbeitsprogramm für 2006 beschlossen und einen Abschlussbericht verabschiedet. Alle Beteiligten waren sich einig, den Aktionsplan, der ursprünglich bis 2006 laufen sollte, um zwei Jahre bis 2008 zu verlängern.

An der heutigen Sitzung nahmen Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport und Vorsitzende der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, Thomas Härtel, Staatssekretärin für Soziales, Dr. Petra Leuschner, und Polizeipräsident Dieter Glietsch sowie Vertreterinnen und Vertreter der Senatsverwaltungen für Inneres, Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz und verschiedener Projekte teil. Die Mitglieder des Runden Tisches erinnerten auf ihrer Sitzung an den äußerst bedrückenden Mord an Hatün Sürücü, der sich am 7. Februar 2006 zum ersten Mal jährt.

Der Aktionsplan zur Bekämpfung häuslicher Gewalt war am 5. März 2002 vom Senat für den Zeitraum 2002 bis 2006 beschlossen worden. In dieser Zeit hat er ein breites Bündnis gegen häusliche Gewalt mit allen beteiligten Institutionen, Verbänden und Projekten etabliert.
Erfolgreich ist auch das jüngste Projekt. Seit Oktober 2005 gibt es einen „proaktiven Ansatz“: Die fünf Berliner Beratungsstellen oder die BIG-HOTLINE rufen nach einem Polizeieinsatz die Opfer häuslicher Gewalt an und bieten ihnen Hilfe an. Die Polizei fragt das Gewaltopfer beim Einsatz, ob es angerufen werden möchte und leitet dann die Telefonnummer an eine Beratungsstelle weiter. Das Modell ist erfolgreich und beweist die gute Zusammenarbeit von Polizei und Beratungseinrichtungen: Von Oktober bis Dezember gingen über 120 Faxe von der Polizei ein.

Trotz der guten Bilanz des Aktionsplans gibt es aber noch einiges zu tun: So soll nicht nur Gewaltopfern sondern zunehmend auch Gewalttätern Beratung angeboten werden. Denn die Arbeit mit Tätern ist notwendig zur Vorbeugung gegen weitere Gewalt. Nötig sind besserer Schutz und bessere Beratung für Migrantinnen. Um sie zu erreichen, sollen neue Angebote gemeinsam mit den Migranten-Gemeinschaften in Berlin entwickelt werden. Außerdem sollen gezielte Maßnahmen zur Intervention und Vorbeugung gegen Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Wohnheimen entwickelt werden. Die genannten Maßnahmen werden in die Fortschreibung des Aktionsplans aufgenommen.

Bürgermeister und Senator Harald Wolf erklärt: „Die Anstrengungen aller Beteiligten bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt können sich sehen lassen. Ihre Arbeit ist Vorbild für viele andere Bundesländer und wird auch international beachtet. Diese erfolgreiche Kooperation müssen wir nutzen, um in den nächsten zwei Jahren den Schutz von Migrantinnen vor Gewalt zu verbessern und um zur Prävention auch mit den Verursachern der Gewalt, den Männern, wirkungsvoll zu arbeiten.“

Bürgermeisterin und Senatorin Karin Schubert: „Die Entwicklung der letzten Monate zeigt einmal mehr, dass ein wesentlicher Aspekt der Bekämpfung von häuslicher Gewalt ist, den Opfern Mut zu machen, die angebotene Hilfe anzunehmen. Keiner darf sich nach Gewaltanwendung durch ihm nahe stehende Personen zurückziehen. Gewalt geht alle an, auch wenn sie im häuslichen Bereich geschieht. Spezielle Maßnahmen für Migrantinnen und behinderte Frauen sind dringend erforderlich, um der oft erhöhten Schutzbedürftigkeit dieser Betroffenen gerecht zu werden und ihnen in ihrer besonderen Situation Mittel an die Hand zu geben, sich zur Wehr zu setzen.“

Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport, Thomas Härtel: “Der Berliner Aktionsplan gegen häusliche Gewalt richtet die Aufmerksamkeit auch auf die Situation der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Mit seinen Maßnahmen sorgt er dafür, dass den Bedürfnissen und Perspektiven der betroffenen Kinder und Jugendlichen Rechnung getragen wird. Das ist wichtig, weil Mädchen und Jungen unter der Gewalt gegen ein Elternteil extrem leiden. Auch die Kinder brauchen unsere Unterstützung. Trotz des Rückgangs von häuslicher Gewalt: Wir müssen die Hilfe- und Reaktionssysteme zum Schutz der Kinder und der Mütter weiterentwickeln und noch wirkungsvoller gestalten.”

Staatssekretärin für Soziales, Dr. Petra Leuschner: „Ich freue mich, dass der Aktionsplan auch im Gesundheitswesen wesentliche Impulse für eine bessere Versorgung gewaltbetroffener Frauen gesetzt hat. Auf diesem Weg werden wir konsequent weitergehen. Noch in diesem Jahr werden wir Vorschläge für eine bessere Versorgung gewaltbetroffener psychisch erkrankter Frauen im Fachversorgungssystem vorlegen und mit den Beteiligten diskutieren.“

Polizeipräsident Dieter Glietsch: „Die Zusammenarbeit der Partner am Runden Tisch zur Bekämpfung der häuslichen Gewalt hat sich aus der Sicht der Polizei bewährt. Ich begrüße daher auch die Verlängerung der Laufzeit des Aktionsplans um weitere zwei Jahre. Im konkreten Fall ist meine Behörde nicht nur mit der Strafverfolgung betraut. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, beispielsweise der BIG-Hotline, sind wir in der Lage, den Opfern Ansprechpartner zu vermitteln und somit schnelle Hilfe zu ermöglichen. Die Polizei wird verstärkt ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Tätern in die gemeinsame Präventionsarbeit einbringen und so dazu beitragen, dass Tätern Hilfe angeboten werden kann bzw. potentiellen Tätern Alternativen aufgezeigt werden können.“

Rückfragen:
Christoph Lang
Telefon: 9013-7418
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