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Islamisches Gemeindeleben in Berlin, Integrationsbeauftragter stellt neue Studie vor

Pressemitteilung vom 14.12.2006

Der Beauftragte des Senats für Integration und Migration teilt mit:

Islamisches Gemeindeleben in Berlin, Integrationsbeauftragter stellt neue Studie vor

Islamisches Leben in Berlin hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend diversifiziert, professionalisiert und emanzipiert. Dieses Fazit zieht Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Günter Piening, anlässlich der Vorstellung einer umfangreichen Studie über die Entwicklung der inzwischen nach den beiden christlichen Großkirchen drittgrößten Glaubensgemeinschaft in der Stadt. „Die hier aufgewachsenen jungen Muslime der dritten Einwanderergeneration treten aus dem Schatten der Hinterhofmoscheen ihrer Großeltern und fordern selbstbewusst die Gleichberechtigung ihrer Religion ein“, so Piening.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Universitäten und Forschungseinrichtungen haben mit dieser Untersuchung zum ersten Mal seit Jahren einen Überblick über das breite Spektrum und den Facettenreichtum islamischen Lebens vorgelegt. Die beiden Koordinatorinnen Riem Spielhaus und Alexa Färber von der Humboldt-Universität zu Berlin stellen fest: „Islamisches Gemeindeleben in Berlin erklärt sich aus wissenschaftlicher Sicht aus dem Zusammenhang von Migration, Religion und Repräsentation. Es zeichnet sich durch die Pluralisierung von Migrationshintergründen und eine wachsende Vielfalt religiöser Praxis aus. Schließlich ist die Entwicklung islamischer Gemeinden in ihrer jetzigen Form vor dem Hintergrund des allgemeinen städtischen Wandels in Berlin zu verstehen, der in ähnlicher Weise auch für andere Akteure in der Stadt gilt.“

„Während noch vor einem Jahrzehnt in islamischen Glaubensangelegenheiten Hauptansprechpartner die türkische Religionsbehörde war, so hat sich dies inzwischen gewandelt“, unterstrich der Integrationsbeauftragte. „Arabische oder bosnische Einwanderer erweitern das Spektrum der Moscheegemeinden, sunnitische stehen neben schiitischen Gemeinden und Aleviten bekennen sich zu ihren eigenen Traditionen, um nur einige Beispiele zu nennen. Und dass in mehr und mehr Moscheegemeinden Deutsch zur Verkehrssprache wird, ist ebenfalls ein Zeichen, dass die Muslime längst in Berlin angekommen sind.
Allerdings verlieren die großen Dachverbände mehr und mehr ihren Alleinvertretungsanspruch für die einzelnen Gemeinden. Nur die Hälfte ist überhaupt in Dachverbänden organisiert, ergab die Untersuchung“, so Piening. „Und überhaupt sollte man nicht vergessen, dass es unter Muslimen natürlich genauso Religiöse und eher Religionsferne gibt wie auch bei getauften Christen.“

In Berlin sind wie in vielen europäischen Städten islamische Gebetsorte nicht nur Orte des Gebets und der spirituellen Betreuung, sondern gleichermaßen soziale Treffpunkte, Bildungsstätten und Anlaufstellen, die ihren Besuchern praktische Lebenshilfe bieten. Die Untersuchung zählte 2006 in Berlin 76 Moscheen, ein Cem evi der alevitischen Gemeinde und drei weitere Orte, die von islamischen Vereinen für religiöse Handlungen im Islam – jedoch nicht das Freitagsgebet – betrieben werden. Von den 76 sind nur 3 repräsentative Moscheebauten.

Für Piening ist es ein Zeichen des Normalisierungsprozesses, wenn Muslime ihre Religion heute öffentlich machen und beispielsweise verlangen, dass moderne Moscheegebäude sich nicht mehr verstecken, sondern auch architektonisch ansprechend im Stadtbild präsent sein müssen. „Überhaupt ist es eines der wichtigen Ergebnisse der Studie, dass sich die Gemeinden zunehmend öffnen. Vor acht Jahren noch hatte eine Vorgängeruntersuchung festgestellt, dass damals die Moscheevereine kaum Kontakt zu öffentlichen Einrichtungen hatten; heute berichten über 2/3 über gute Kontakte zu Verwaltung, Polizeidienststellen und Schulen“, so Färber und Spielhaus.

Auf 112 Seiten gibt die Studie interessierten Bürgerinnen und Bürgern und auch Multiplikator/innen vielfältige Hintergrundinformationen und teils kontroverse Standpunkte von Vertreterinnen und Vertretern aus Gemeinden, Politik und Zivilgesellschaft. Das Heft erweitert und ergänzt damit das Angebot an Informationen über den Islam und seine Entwicklung in der Einwanderergesellschaft. Die umfassende fotografische Dokumentation islamischen Lebens im Heft soll, so Piening, ebenfalls die Bandbreite des Islam in Berlin vorstellen und neugierig machen auf Moscheen, Gebetsräume und Gemeinden in der Nachbarschaft: „Ich hoffe, dass diese Broschüre den Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen stärkt, gerade in einer Zeit, in der der Islam nicht selten unter den Generalverdacht gestellt wird, Sympathie für islamistischen Terror zu nähren“.

Riem Spielhaus, Alexa Färber (Hrsg.)
Islamisches Gemeindeleben in Berlin
(ISBN: 3-938352-14-0)

gibt es als Broschüre zum Preis von 3,00 € (bei Versand zzgl. Portokosten) beim

Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration
Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin
Tel.: 030 / 90 17 23 57
E-Mail: Integrationsbeauftragter@auslb.verwalt-berlin.de

Die Broschüre steht auch als Download auf der Internetseite des Integrationsbeauftragten unter:
[[/lb/intmig/publikationen/religion/index.html|
http://www.berlin.de/lb/intmig/publikationen/religion/index.html]]

Rückfragen:
Dagmar Pohle
Telefon: 9017 2322
E-Mail: dagmar.pohle@auslb.verwalt-berlin.de