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Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung gratuliert und erklärt aus Anlass des 15 jährigen Bestehens von Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand e.V. am 1. Dezember 2006:

Pressemitteilung vom 30.11.2006

Sie sind ein Verein der besonderen Selbsthilfe, entstanden in der Nachwendezeit, als sich viele Frauen und Männer in der ehemaligen DDR plötzlich vor der Situation der Beschäftigungslosigkeit und vor dem Weg in den Vorruhestand sahen. Menschen in den „besten“ Jahren, die sich noch kurz zuvor nicht vorstellen konnten, vorzeitig – lange vor Erreichen des regulären Rentenalters – aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen. Aber der gesellschaftliche Umbruch brachte außerordentliche Härten mit sich, und da war es für viele von ihnen selbstverständlich, nicht zu resignieren und sich zurückzuziehen, sondern offensiv mit den neuen Verhältnissen umzugehen, sich einzumischen und den Versuch zu unternehmen, trotz allem die neue Zeit mit zu gestalten. Ein guter Weg in solchen schwierigen Situationen ist immer, sich seiner eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu besinnen und sich zu einer Selbsthilfeorganisation zusammenzuschließen.

Selbsthilfe – einmal, um mit Gleichbetroffenen gemeinsam eine neue Lebensperspektive zu entwickeln, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen. Aber auch – wie in Ihrem Fall, um Projekte aufzubauen, die sich an andere benachteiligte Gruppen wenden mit dem Ziel, Unterstützungsnetzwerke zu schaffen und zugleich für viele hoch qualifizierte Vorruheständler/innen gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeiten anzubieten. Ich glaube, dass der Verein Selbsthilfe im Vorruhestand dafür ein gutes Beispiel darstellt. Die Liste der Gruppen und Aktivitäten ist wirklich beachtlich.

Einen ähnlichen Prozess habe ich im Behindertenbereich insbesondere nach dem Ereignis des Mauerfalls erlebt – damals noch nicht in der Funktion des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, sondern als Verbandsvertreter einer Westberliner Behindertenorganisation.
Für uns, die wir aus der Selbsthilfebewegung der 70er und 80er Jahre kamen, war es atemberaubend zu beobachten, wie im Ostteil der Stadt, aber auch im Umland und in der ganzen Noch-DDR Behindertenselbsthilfegruppen buchstäblich über Nacht aus dem Boden schossen. Menschen, die sich vorher nicht so organisieren konnten bzw. durften, entwickelten plötzlich eine Energie, eine Phantasie, eine Kreativität, die in kürzester Zeit dazu führten, dass die behinderten Menschen für sich selbst sprechen und sich auch politisch selbst vertreten konnten. Die im Westen gerade begonnene Diskussion über eine bürgerrechtsorientierte Behindertenpolitik erhielt durch die Wende und die Aufbruchsstimmung im Osten einen gewaltigen Schub. Trotz des historisch völlig unterschiedlichen Hintergrunds kämpften fortan die behinderten Menschen ganz Deutschlands gemeinsam für Gleichstellung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe und stießen damit eine Entwicklung an, die heute in der Gleichstellungs- und Teilhabegesetzgebung der letzten Jahre ihren Ausdruck gefunden hat.

Das große Verdienst der Selbsthilfe – und da hat auch die Selbsthilfe im Vorruhestand e.V. ihren gehörigen Anteil – ist es, das bürgerschaftliche Engagement, die ehrenamtliche Arbeit, die Übernahme von Verantwortung in sozialen Projekten zu fördern und diesem Tun zu gesellschaftlicher Anerkennung zu verhelfen.

Von daher möchte ich Sie ermuntern, im Sinne der Philosophie Ihres Projektes weiterzuwirken:

- Informieren Sie die Menschen über Ihre Arbeit und sprechen Sie dabei auch behinderte Menschen an.
- Unterstützen Sie interessierte Menschen in der Phase der Gruppenbildung
- Arbeiten Sie als eine Art Supervisor mit einer Gruppe und organisieren Sie die notwendigen Bildungsangebote
- lassen Sie die Gruppen ihr jeweils eigenes Profil finden
- Unterstützen und fördern Sie die Vernetzungsbeziehungen, die auch gruppenübergreifende Ansätze gestatten
- Bleiben Sie dem Verein Selbsthilfe im Vorruhestand e.V. auch weiterhin treu!

Weitere Informationen erhalten Sie unter 030 / 493 36 77 und auf [[http://www.sh-vor-ruhestand.de|www.sh-vor-ruhestand.de]].

Rückfragen:
Wolfgang Sparing
Telefon: 9028 2998
E-Mail: lfb@sengsv.verwalt-berlin.de