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Bericht zu Ursachen für Sozialhilfebedürftigkeit bei Familien im Jahr 2004 vorgelegt

Pressemitteilung vom 14.11.2006

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz teilt mit:

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz hat anhand der Datenbestände der Jahre 2001 bis 2004 untersucht, welche Ursachen bei Familien mit Kindern zu einer Sozialhilfebedürftigkeit führten und wie ausgeprägt diese Bedürftigkeit ist. Sozialsenatorin Dr. Heidi Knake-Werner legt diese Analyse unter dem Titel “Einflussfaktoren und Strukturmerkmale für die Sozialhilfebedürftigkeit von Familien mit Kindern in Berlin an der Schwelle zu ‘Hartz IV’” jetzt der Fachöffentlichkeit vor.

Im Bericht werden detailliert, zielgruppenspezifisch und kleinräumig die Datenbestände der Berliner Empfängerinnen und Empfänger laufender Hilfe zum Lebensunterhalt analysiert. Insbesondere werden die Hauptursachen und die Auswirkungen der Sozialhilfebedürftigkeit bei Eltern und Kindern betrachtet, da enge Zusammenhänge zu Ursachen und Auswirkungen des Bezuges von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld nach SGB II bestehen. Ergänzend wurden vorliegende Empfängerdaten auf der Grundlage des SGB II für das erste und zweite Halbjahr 2005 und für das erste Halbjahr 2006 ausgewertet. Damit bettet sich der Inhalt des Berichts in das übergreifende Thema der ökonomischen Versorgungslage von Kindern und ihren Familien ein.

Die wichtigsten Aussagen des Berichtes sind:
- Rund 8 % der Berliner Einwohner waren Ende 2004 auf Sozialhilfe außerhalb von Einrichtungen angewiesen, das waren 270.585 Sozialhilfeempfänger und empfängerinnen in 143.533 Bedarfsgemeinschaften. Darunter waren 96.112 Minderjährige, also 185 je 1.000 Personen unter 18 Jahren. Dieses hohe Niveau ist seit Jahren relativ stabil. Gleichzeitig nahmen die Ausgaben der Sozialhilfe kontinuierlich zu.
- Die Altersgruppe unter 3 Jahren war mit 269 Sozialhilfeempfangenden je 1.000 der Altersgruppe am stärksten betroffen, wobei große bezirkliche und kleinräumige Unterschiede auffallen. Bezirklich reichte die Spanne von 115 je 1.000 Kindern unter 3 Jahren in Steglitz-Zehlendorf bis zu 407 je 1.000 Kindern unter 3 Jahren in Neukölln, die von Sozialhilfe abhängig waren. Bei Kindern und Jugendlichen von 7 bis 18 Jahren gab es im bezirklichen Vergleich im Bezirk Mitte die höchste Sozialhilfedichte.
- Die Struktur der Bedarfsgemeinschaften nach Anzahl der zugehörigen Personen unterscheidet sich kaum von der Struktur der Berliner Privathaushalte nach Anzahl der Haushaltsmitglieder insgesamt. Es besteht also kein enger Zusammenhang zwischen Haushaltsgröße und Sozialhilfebedürftigkeit.
- Hauptursache für Sozialhilfebedürftigkeit ist die Arbeitslosigkeit der Eltern und damit ein nicht ausreichendes erworbenes Familieneinkommen. Ende 2004 war gut jeder dritte Arbeitslose auch gleichzeitig Sozialhilfeempfangender. Dieser Zusammenhang war zunehmend auch bei qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und ihren Familien zu verzeichnen.
- Bedarfsgemeinschaften mit Kindern hatten einen etwas höheren Bildungsstatus als Bedarfsgemeinschaften ohne Kinder.
- Nichtdeutsche Bedarfsgemeinschaften hatten seltener eine abgeschlossene Schulausbildung als deutsche. Nach der beruflichen Qualifikationsstruktur ist dieser Unterschied nicht auffällig.
- Das gänzliche Fehlen oder der durchschnittlich sehr geringe Stand vorhandener schulischer und/oder beruflicher Qualifikationen war rasch zunehmend unter den Sozialhilfeempfangenden im erwerbsfähigen Alter, aber auch die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger mit höherer Qualifikation nahm deutlich zu.
- Für Bedarfsgemeinschaften mit Kindern überwogen im angerechneten Einkommen bereits steuerfinanzierte Transferleistungen.

Sozialsenatorin Dr. Heidi Knake-Werner erklärt: “Einkommensarmut der Eltern trifft Kinder in besonderer Form. Das wird auch aus diesem Bericht wieder deutlich. Damit diesen Familien zielgerichtet Hilfe und Unterstützung gegeben werden kann, ist es wichtig Ursachen und Folgen genau zu untersuchen und sozialraumorientiert weitere Maßnahmen gegen Isolation, Demotivation und ‘Vererbung’ von Armut zu entwickeln. Das gehört zu den Schwerpunktaufgaben des Senats. Die Bundesregierung bleibt in der besonderen Verantwortung, Sozialtransfers insbesondere für Kinder Existenz sichernd auszugestalten.”

Der Spezialbericht “Einflussfaktoren und Strukturmerkmale für die Sozialhilfebedürftigkeit von Familien mit Kindern in Berlin an der Schwelle zu ‘Hartz IV’” ist im Internet unter der Adresse [[/sen/gsv/statistik/index.html|http://www.berlin.de/sen/gsv/statistik/index.html]] abrufbar.

Rückfragen:
Roswitha Steinbrenner
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