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Porträts erfolgreicher Kindertagesstätten und Schulen in sozial benachteiligten Quartieren vorgelegt: Berlins "Leuchttürme der Pädagogik" sollen der Kiez-Pädagogik den Weg weisen

Pressemitteilung vom 03.03.2006

Der Beauftragte des Senats für Integration und Migration informiert:

Kitas und Schulen können auch in den Berliner Einwanderer-Kiezen mit ihren großen sozialen Problemen sehr erfolgreich arbeiten. Dieses ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Günter Piening, in Auftrag gegeben hat. Bei der Vorstellung der Studie warb Piening dafür, die Leistungen dieser Kiez-Schulen und die der Lehrkräfte mehr zu würdigen. Piening: “Wir sollten die Kieze nicht kaputt reden. Damit tun wir auch dem großen Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen unrecht, die eine hervorragende Arbeit leisten mit Kindern, die häufig gesellschaftlich schon abgeschrieben werden. Es ist an der Zeit, den Schulen den Rücken stärken, die sich auf den Weg gemacht haben und an denen sich Eltern und Lehrerinnen und Lehrer frühzeitig den veränderten gesellschaftlichen Realitäten gestellt haben. Und von diesen ‚Leuchttürmen der Pädagogik’ gibt es viele in Berlin“.

Prof. Havva Engin, die als Expertin auf dem Gebiet der Sprachförderung auch den „Sprachförderkoffer“ entwickelt hat, und Dr. Sven Walter haben Schulen und Kitas besucht und dort eindrucksvolle Belege gefunden, wie es auch in sozialen Brennpunktgebieten gelingen kann, Schülerinnen und Schüler auf einen positiven Bildungsweg zu führen und ihnen Chancen zu eröffnen, die sonst immer eher „bürgerlichen Bildungsmilieus“ zugeschrieben werden.

Die Autoren der jetzt vorliegenden Studie haben Gemeinsamkeiten zwischen den Bildungseinrichtungen entdeckt, an denen die Arbeit von Erfolg gekennzeichnet ist. „Vielfalt“, so Prof. Engin, „auch sprachliche Vielfalt, ist keineswegs ein Standortnachteil. Im Gegenteil. Wichtig ist allerdings eine sehr frühzeitige Sprachförderung.“ Und dass Migranteneltern wenig Interesse hätten, sich für den Bildungserfolg ihrer Kinder zu engagieren kann sie nicht bestätigen. Fünf wichtige Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit hat Prof. Havva Engin bei ihren Besuchen in den Schulen ausgemacht.

Engin: „Erfolgreiche Kindertagesstätten/Schulen in sozial benachteiligten Quartieren zeichnen sich dadurch aus, dass sie
1. die kulturelle und sprachliche Pluralität ihrer Klientel (Kinder bzw. SchülerInnen) als originäre Ressource verstehen, in die es lohnt zu investieren; – d.h. Vielfalt als Stärke und Standortmerkmal;
2. Migranteneltern als Erziehungspartnerinnen ansehen und sie in die pädagogische Planung und Arbeit aktiv einbeziehen; – Eltern werden als „Bildungsexpertinnen“ gewonnen und damit in die Erziehungspflicht genommen;
3. sich als Teil des Gemeinwesens begreifen und ein enges institutionelles Netzwerk mit außerschulischen Akteuren aufgebaut haben – eine am Gemeinwesen orientierte Pädagogik;
4. ein ambitioniertes und schlüssiges Schulprofil entwickelt haben, was sich an den Bedürfnissen der Kinder/SchülerInnen orientiert und von allen Akteuren (Kita-/Schulleitung, ErzieherInnen/ LehrerInnen, Eltern) befürwortet und mit getragen wird; – Nachhaltigkeit durch Qualitätssicherung;
5. Sprachfördermaßnahmen in das Schulprofil integriert haben und den Unterricht durch entsprechend qualifiziertes Personal durchführen lassen; – Sprachförderung hat oberste pädagogische Priorität.“

Insgesamt fünf Kitas und fünf Schulen aus Neukölln, Kreuzberg, Moabit, Wedding und Schöneberg werden in der Studie vorgestellt. Der Integrationsbeauftragte empfiehlt sie als Vorbilder für andere Einrichtungen, die sich bisher noch nicht auf den Weg gemacht haben.

Die Studie: Havva Engin, Sven Walter, „Leuchttürme der Pädagogik“: Porträts erfolgreicher interkultureller Bildungsarbeit an Berliner Kindertagesstätten und Schulen in sozial benachteiligten Quartieren“

liegt als Broschüre vor und es gibt sie zum Preis von 2,00 € (bei Versand zzgl. Portokosten) beim Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration, Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin, Tel.: 030 / 90 17 23 57, E-Mail: Integrationsbeauftragter@auslb.verwalt-berlin.de

Rückfragen:
John Röhe
Telefon: 9017 2357
E-Mail: john.roehe@auslb.verwalt-berlin.de