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Zum 1. Jahrestag des Mordes an Hatun Sürücü erklärt der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration, Günter Piening:

Pressemitteilung vom 06.02.2006

Der Beauftragte des Senats für Integration und Migration informiert:

“Auch ein Jahr nach der Tat ist die Erschütterung über den Mord an Hatun Sürücü nicht verklungen. Eine junge Frau wurde von ihren Verwandten ermordet, weil sie ihren eigenen Weg ging. Und junge Schüler begrüßen diesen Mord. Der Mord hat Fragen aufgeworfen, die uns auch ein Jahr nach der Tat nicht wieder loslassen: Welche Haltungen liegen dem Mord zugrunde? Was bewegt Brüder, ihre Schwester zu töten? Wie stark wirken archaische, mit den Menschenrechten nicht vereinbare Traditionen in den Migrantencommunities? Wie können Mädchen und Frauen gestärkt, wie kann ein Klima der Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe geschaffen werden?

Der Mord kann nicht ungeschehen, Hatun Sürücü kann nicht wieder lebendig gemacht werden. Aber die Erinnerung an die schreckliche Tat trägt dazu bei, dass die Aufmerksamkeit bleibt. Dass in unserer auf ihre Liberalität so stolzen Stadt Mädchen und Frauen das Selbstbestimmungsrecht abgesprochen wird und dabei vor Gewalt, ja selbst vor Mord nicht zurückgeschreckt wird, ist ins gesellschaftliche Bewusstsein eingebrannt.

Viele haben sich in den vergangenen Monaten der Verantwortung gestellt:
- In den Schulen sind die Rechte von Frauen und die Ächtung männlicher Gewalt mehr denn je Thema.
- Die Migrantencommunities haben begonnen, intern und öffentlich ihrer eigenen Verantwortung nachzugehen.
- In vielen politischen Bereichen wurden neue Initiativen zum Schutz von Migrantinnen vor Gewalt und für das Recht auf Selbstbestimmung ergriffen.

Das sind wichtige Schritte, die dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, in dem Mädchen und Frauen ohne Angst selbstbestimmt ihr Leben gestalten können. Sie müssen wissen, dass sie eine breite Unterstützung haben. Und die potenziellen Täter müssen wissen, dass sie für ihre Taten und für die zugrunde liegenden Haltungen kein Verständnis bekommen – nicht bei ihren Freunden, nicht bei ihren Familien, nicht in der Öffentlichkeit.“

Rückfragen:
John Röhe
Telefon: 9017 2357
E-Mail: john.roehe@auslb.verwalt-berlin.de