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Städtevergleich: Berliner Bezirke könnten mit über einem Drittel weniger Personal auskommen

Pressemitteilung vom 01.12.2006

Die Senatsverwaltung für Finanzen teilt mit:

Die Berliner Bezirke könnten ihre kommunalen Leistungen für die Bürger mit über einem Drittel weniger Personal erbringen, wenn sie sich konsequent an den effizientesten Verwaltungen deutscher Städte orientieren würden. Diese Schlussfolgerung zieht Finanzsenator Thilo Sarrazin aus einem Vergleich zwischen Berlin und 27 deutschen Städten, aus dem er beispielhafte Ergebnisse heute der Presse vorstellte.

Die Untersuchung von Kennziffern zu ausgewählten kommunalen Leistungen hat erhebliche Unterschiede bei der Personalausstattung aufgezeigt, die die befragten Städte jeweils dafür benötigen. Würde Berlin diese Leistungen mit der gleichen Effizienz im Personaleinsatz erbringen wie die jeweils im Vergleich beste Stadt („best practice“, dann liegt das rechnerische Optimierungspotential bei 40 %.

Dazu Finanzsenator Thilo Sarrazin: „Das bestätigt, was unser Vergleich der Bezirke untereinander seit längerem zeigt: Wenn wir uns überall an den Besten orientieren, können wir bei den kommunalen Leistungen mit einem Drittel weniger Personal auskommen. Und das geht meiner Ansicht nach auch ohne Abstriche bei Qualität und Bürgernähe, wenn die Bezirke konsequent die Organisation ihrer Arbeit optimieren. Der Städtevergleich, den wir gemeinsam mit den Bezirken fortsetzen und vertiefen wollen, liefert dafür gute Ansatzpunkte.“

Sarrazin verwies auch auf die Situation des Landes Berlin nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe: „Wir kommen nicht umhin, unser Personal in Berlin in den kommenden Jahren weiter erheblich zu reduzieren. Das betrifft natürlich die Senatsebene, aber ganz wesentlich auch die kommunale Verwaltung ‚vor Ort’ in den Berliner Bezirken. Wir müssen uns dabei an den Städten orientieren, die jeweils für die ‚best practice’ stehen – und versuchen, uns von ihnen effiziente Organisationsformen und Arbeitsweisen bei den jeweiligen kommunalen Aufgaben abzuschauen.“

Für den jetzt vorgestellten Vergleich hat die Senatsverwaltung für Finanzen 27 Städte zu Fallzahlen und Personalausstattung bei 43 typischen kommunalen Aufgaben befragt. Anschließend wurden mit statistischen Methoden sogenannte ‚Ausreißer’ eliminiert und bei unterschiedlichen Strukturen die Vergleichbarkeit hergestellt. Soweit dies nicht mit hinreichender Qualität und Validät möglich war, wurden die betreffenden Kennzahlen bei der Auswertung nicht berücksichtigt.

Auf diese Weise wurden letztlich 21 Kennzahlen identifiziert, bei denen die Datenqualität eine valide Vergleichsbetrachtung erlaubte. Aus dem Vergleich der Berliner Daten mit denen jener Städte, die das günstigste Verhältnis von Fallzahl und Personaleinsatz aufwiesen, wurde das jeweilige Personaloptimierungspotenzial errechnet.

So wurde zum Beispiel erhoben, mit welchem Personaleinsatz die einzelnen Städte die Einbürgerungsanträge bearbeiten, die Medienbestände in öffentlichen Bibliotheken verwalten, oder das Straßennetz instandhalten. Bei jeder dieser Leistungen wurde die „Best-Practice-Stadt“ identifiziert und ermittelt, mit wie vielen Mitarbeitern Berlin auskäme, wenn es in Bezug auf das Verhältnis von Fallzahlen zu Beschäftigten ebenso effizient arbeiten würde wie diese.

So werden in der Stadtverwaltung von Mainz im Bereich Einbürgerung je Mitarbeiter 243 Fälle bearbeitet, in Berlin lediglich 88 – so dass das rechnerische Personaloptimierungspotenzial bei 64 % liegt. Bei gleicher Effizienz wie in Mainz könnte Berlin hier mit 48 statt mit 75 Beschäftigten auskommen. Bei der Verwaltung der Bücher- und Medienbestände in den kommunalen Bibliotheken liegt die Stadt Fürth vorn, wo auf jeden Beschäftigten annähernd 11.000 Medien kommen. In Berlin sind es nur etwa halb so viele, das rechnerische Optimierungspotenzial liegt bei 433 Vollzeitbeschäftigten oder 49 %. „Best Practice“ im Bereich Instandhaltung der Straßennetze zeigt die Stadt Köln, wo auf jeden Mitarbeiter in diesem Bereich rechnerisch 8,47 Kilometer Straße in Baulast der Stadt entfallen. In Berlin sind es 5,71 km – ein Optimierungspotential von 33 % oder 291 Beschäftigten.

In der Gesamtbetrachtung ergibt sich, dass bei konsequenter Orientierung an den „Best-Practice-Städten“ Berlin die 21 ausgewerteten Leistungen statt mit 12.796 Vollzeitbeschäftigten mit 5.149 (40 %) weniger erbringen könnte.

Der Vergleich zeigt aber ebenfalls, dass Berlin nach dem bereits erfolgten Personalabbau der vergangenen Jahre schon heute nicht mehr zu den ineffizientesten Verwaltungen zählt. Vergleicht man den Berliner Personaleinsatz bei den einzelnen Aufgaben mit dem jeweiligen Median, so liegt die Abweichung dazu lediglich bei etwa einem Prozent. Finanzsenator Thilo Sarrazin: „Die gute Nachricht ist: Wir haben immerhin schon eine durchschnittlich effiziente kommunale Verwaltung. Wenn wir aber die Sanierungsaufgabe bewältigen wollen, die vor uns liegt, wird das nicht genügen. Um mit unserer Haushaltslage auf Dauer umgehen zu können, müssen wir überall zu den Besten gehören und Vorreiter bei der Effizienz der Verwaltung werden.“

Weiter Informationen zur Presseerklärung finden Sie unter [[/sen/finanzen/presse/2006.html|Aktuelle Pressemitteilungen]]

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