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Aufarbeitung der Vergangenheit

Pressemitteilung vom 03.11.2006

Die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit teilt mit:

Eine Frau entdeckt nach langjährigen Forschungsanstrengungen, dass ihr eigener Vater ein Kriegsverbrecher war und verantwortlich für den Mord an Tausenden Menschen. Unter dem Titel

Beate Niemann: Mein guter Vater. Mein Leben mit seiner Vergangenheit.
Eine Täter-Biographie

lässt die Autorin die Leser miterleben, wie aus der ursprünglichen Bemühung, die Rehabilitation ihres in DDR-Haft gestorbenen Vaters zu erreichen, eine sich über Jahre hinziehende Entdeckungsreise in die Vergangenheit wurde. Auf dieser Reise werden die familiären Erklärungen und Begründungen über die Taten des Vaters im Dritten Reich, die Gründe für seine Verschleppung durch den sowjetischen Geheimdienst 1947 von West- nach Ostberlin und für seine 25jährige Haft in DDR-Gefängnissen, nach und nach als Lügen, Legenden und Tarnung enthüllt.

Die Autorin findet heraus, dass ihr Vater als hochrangiges Gestapo-Mitglied 1942 die Massentötung von ca. 8.000 Menschen durch den Einsatz von Gaswagen im besetzten Belgrad organisiert hatte. Sie rekonstruiert die Einsatzorte ihres Vaters im Zweiten Weltkrieg. Sie kommt dahinter, dass er Menschen zum Arbeitseinsatz nach Norwegen und nach Auschwitz geschickt und wieder andere in serbische Lager eingewiesen hat. Sie führt einen umfangreichen Briefwechsel mit Dokumentationszentren, Historikern und Gedenkstätten, sie bereist einige dieser Stationen und trifft mit Überlebenden der Mordaktionen ihres Vaters zusammen.

Sie entdeckt auch auch, dass ihr Vater nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dienstlich an den Untersuchungen über den Reichstagsbrand beteiligt war. Er wob und leitete ein Spitzelnetz in der im Untergrund arbeitenden Sozialdemokratie, und er gehörte zu den Ermittlern, die den Polizistenmord am Bülowplatz von 1931 bearbeiteten. Einer der an dieser Tat Beteiligten war der spätere Stasichef Erich Mielke. Die Autorin findet heraus, dass Mielke an der Verschleppung ihres Vaters 1947 mitgewirkt hat, und er es vermutlich verhindert hat, dass ihr Vater nach der Verbüßung von 25 Jahren Haft entlassen werden konnte.

Die Aufzeichnungen umspannen einen Zeitraum von 100 deutschen Jahren, beginnend mit der Meldung ihres Vaters als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg bis zum Einsetzen ihrer Nachforschungen in den nach der Wende zugänglich gewordenen DDR-Archiven. In der Lebens- und Familiengeschichte verschränken sich fast schon exemplarisch die wichtigsten historischen Leitmotive des letzten Jahrhunderts: Nazi-Mitläufertum, Kriegsverbrechen, behördlich organisierter Massenmord, Vertuschen der Familiengeheimnisse, Stasi-Haft und Kalter Krieg.

Das Buch kann ab sofort gegen Entrichtung einer Bereitstellungspauschale in Höhe von 4,- Euro abgeholt werden in der Landezentrale für politische Bildungsarbeit Berlin:

An der Urania 4-10, 10787 Berlin-Schöneberg
(Nähe Wittenbergplatz), Tel.: 90 16 25 52
geöffnet:
Mo. – Mi.: 12 Uhr bis 16 Uhr
Do.: 12 bis 18 Uhr
Fr.: 10 bis 18 Uhr

Zusendungen sind leider nicht möglich.

Informationen auch unter www.landeszentrale-politische-bildung-berlin.de

Fragen zum Inhalt: Dr. Udo Wetzlaugk, Tel.: 90 16 25 56

Rückfragen:
Dr. Udo Wetzlaugk
Telefon: 90 16 25 56
E-Mail: Udo.Wetzlaugk@senbjs.verwalt-berlin.de