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"Was kann man tun?!" - neuer Schulleiter stellt sich an der Rütli-Schule vor/Böger spricht mit Schülern und Lehrern der Schule

Pressemitteilung vom 31.03.2006

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit:

Mit dieser in Form und Stil ungewöhnlichen Pressemitteilung kommen wir den zahlreichen Wünschen nach einem Bericht über den Besuch von Senator Böger an der Rütli-Schule nach.
Schule wie neuer Schulleiter bitten Sie um Verständnis dafür, dass sie sich im Moment der Presse gegenüber nicht äußern möchten, um der Schule die notwendige Zeit zur Neuorientierung in einem geregelten Unterrichtsbetrieb zu geben.
Beachten Sie bitte auch unseren Hinweis, den die kommissarische Schulleiterin Petra Eggebrecht heute erneut bestätigte, dass die Schule nie um die Auflösung an diesem Standort gebeten habe.

An der Rütli-Schule in Neukölln hat sich am Freitagvormittag der neue Schulleiter seinen Kollegen vorgestellt. Dieser erfahrene Schulleiter übernimmt zunächst bis zu den Sommerferien die Leitung der Schule, an seiner bisherigen Schule führt die erwei-terte Schulleitung bis auf Weiteres die Geschäfte.

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) besuchte zeitgleich die Rütli-Schule und nahm an Besprechungsrunden des Lehrerkollegiums, der kommissarischen Schulleitung und der Klassensprecher der Schule teil.

Böger zur Rütli-Schule:

„Diese Schule braucht Unterstützung, ist beileibe aber nicht die ‚Chaos-Schule’ oder gar ‚Terror-Schule’, zu der einige sie jetzt machen wollen.

An dieser Schule ist die ganz überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler lernwillig und weiß, dass man sich Chancen durch gemeinsame Anstrengung erarbeiten muss.

Ich habe den Eindruck, dass auch an dieser Schule ein Aufbruch gelingen kann. Auch die polizeilichen Daten zeigen, dass diese Schule kein Schwerpunkt der Kri-minalität oder der Gewaltexzesse ist.

Gleichwohl muss den Schülern die zentrale Botschaft vermittelt werden: Ohne beider-seitigen Respekt kann es nicht vorangehen. Und den Lehrern dieser Schule schulden wir viel Respekt!“

Zum Gespräch mit dem neuen Schulleiter, Lehrern und Schülern der Rütli-Schule

Der neue Schulleiter und die bisherige kommissarische Schulleiterin Petra
Eggebrecht und Senator Böger diskutierten mit den 30 Klassensprechern der insgesamt zwölf Klassen der Rütli-Schule im einem Klassenraum. Daran nahmen auch zwei Elternvertreter, zwei der neuen Sozialarbeiter und die Schulpsychologen teil, die Lehrer und Schüler künftig bei ihrer Arbeit begleiten werden.

Der neue Schulleiter äußerte sich wie folgt:
„Die zentrale Fragen an alle an Schule Beteiligten lautet: „Was kann man tun?“ oder genauer „Was können wir gemeinsam tun?“.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen diesen Impuls sehr bereitwillig auf und werden mit ihren Klassen in den kommenden Tagen konkrete Verbesserungsvorschläge erarbei-ten und präsentieren.

Im Zentrum stand die Verbesserung des Schulklimas, das in zahlreichen Unter-richtsstunden von einer Gruppe von Schülern bestimmt würde, die den Unterricht zum Schaden der lernwilligen Schüler störten. Durch das öffentliche Interesse an der Rütli-schule rücke die Schule näher zusammen und müsse sich auf ihre Stärken besinnen, so die Schülervertreter. Eine Schülerin sagte wörtlich: „Nur wir können das Bild der Rütli-Schule verbessern. Wir können jetzt endlich denjenigen, die stören, sagen: Hört auf, ihr blamiert uns doch!“

Der neue Schulleiter stellte einen Kernpunkt seiner Arbeit eine Bestandsaufnahme durch alle Gruppen an der Schule dar, die ein „Wir-Gefühl“ erzeugen müsse. Zum Verfah-ren mit problematischer Schülerklientel sagte er den Schülern: „Klar muss aber auch sein, dass wir bei Fehlverhalten einzelner Schüler als letzte Konsequenz die Polizei einschalten.“ Die Schüler stimmten diesem Vorgehen zu.
Sie begrüßten auch seinen Vorschlag Unternehmen und Schüler früher und öfter zu-sammen zu bringen.

Die kommissarische Schulleiterin Petra Eggebrecht hatte zuvor im Gespräch mit Böger bekräftigt, dass das Kollegium nie um die Auflösung der Schule an diesem Standort gebeten hatte: „Dieses Schreiben war ein Hilferuf.“ Die Rütli-Schule hat auch weiterhin die Möglichkeit sich selbst zu ihren Belangen zu äußern, bat aber um die Übernahme dieser Aufgabe durch die Pressestelle der Senatsverwaltung für Bildung.

Bildungssenator Klaus Böger: „Die Schüler haben klar gemacht, dass sie ihre Schule und damit sich selbst nicht schlecht reden lassen. Diese Schüler wollen ihre Chance nutzen. Es ist an allen zu zeigen: Ihr seid uns wichtig, ihr werdet gebraucht! Diese Schule hatte ein verschärfendes Problem, da die Schulleitung zu lange vakant war. Klar ist, dass viele Schulen Berlins mit einem ähnlichen Umfeld zu kämpfen haben.“

Die Schüler berichteten von Medienvertretern, die sie provoziert und Geld für das Stel-len von Gewaltszenen und Vandalismus geboten hätten. Auch hätten schulfremde Schüler sich als Schüler der Rütli-Schule ausgegeben.
Zur Frage der Schulstruktur äußerte sich Bildungssenator Klaus Böger:

“Das Berliner Schulgesetz ermöglicht die Zusammenlegung von Haupt- und Realschu-len. Es geht um das Zusammenwachsen, nicht um ein Zusammenwerfen!

Auch im vorliegenden Fall der Rütli- und der Heinrich-Heine-Oberschule auf dem glei-chen Areal muss eine Annäherung zwischen den Schulen als erster Schritt auf der Tagesordnung stehen. Verordnungswege von oben sind falsch.

Ein Hauptschüler darf durch die Verbindung mit leistungsstärkeren Realschülern nicht neue Frustrationsgefühle erleben. Die Schüler-Lehrer-Relation ist an Hauptschulen besser als an Realschulen und fördert leistungsschwächere Schüler deshalb stärker.

Ich war und bin offen für eine ideologiefreie Diskussion. Richtig ist aber: Gute Unterrichtskonzepte, eine gemeinsam verbesserte Schulkultur und individuelle Förde-rung sind das Wichtigste.

Das Arbeitsprogramm Hauptschulen und die Vernetzung der Angebote für den Übergang zur Ausbildung zeigen, dass die Rolle und Chancen der Hauptschulen längst erkannt und thematisiert werden.

Auf die Probleme der Hauptschulen habe ich aus guten Gründen seit Beginn meiner Amtszeit hingewiesen. Die Probleme sind mir wohlbekannt. Ich habe dies vor der Pres-se zuletzt Ende Januar unterstrichen als ich Jugendsozialarbeitsprojekte an Haupt-schulen vorstellte, in die über zwei Millionen Euro investiert wird.

Ich habe auch durchgesetzt, dass der Satz „Sprache – und zwar die deutsche Sprache! – ist der Schlüssel zur Bildung in diesem Land“ endlich anerkannt ist.“

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