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Gute Praxis, schlechte Praxis: Schulen öffnen sich der Inspektion - Böger: „Vom Guten lernen, um Schwächen auszugleichen“

Pressemitteilung vom 27.03.2006

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit:

Seit dem 27. März 2006 untersuchen Teams von Schulinspektoren Berlins Schulen auf deren Güte hin. Diese Neuerung ist in der Geschichte der Berliner Schule bislang beispiellos.

Das Procedere:
Die 18 Teams der Schulinspektionen – bestehend aus Lehrern, Schulleitern, Schulaufsichtsbeamten und Vertretern der Elternschaft – werden Schulen bei einem zweitägigen Besuch überprüfen. Pro Jahr sollen künftig mindestens 160 Schulen aller Schularten einer standardisierten Überprüfung unterzogen werden.

Dabei wird beispielsweise die Lernatmosphäre an der Schulen ebenso ausgewertet, wie der Zustand von Fachräumen oder der Umgang der Menschen an den Schulen miteinander.

Die Inhalte der Inspektion:

Neben jeweils rund zwanzigminütigen Besuchen von Unterrichtsstunden, bei denen anonymisiert

· Unterrichtsorganisation,

· Unterrichtsprozess

· und das pädagogische Verhalten/Unterrichtsklima

in standardisierten Beobachtungsbögen ausgewertet werden, finden an den Schulen Interviews mit Eltern und Schülern statt. Natürlich wird auch den Lehrerinnen und Lehrern einer Schule die Möglichkeit gegeben sich in Fragebögen zur Qualität an ihrer Schule zu äußern.

Die Ergebnisse der Inspektion als externer Evaluation werden in einem Bericht der Schulkonferenz der Schule vorgestellt, um so eine Diskussion über Veränderungsprozesse zwischen Eltern, Lehrern und Schülern für eine Qualitätsverbesserung zu ermöglichen. Die Schulen entscheiden über die Veröffentlichung der Ergebnisse.

Die Bedeutung für die Reform der Berliner Schulen:

Bildungssenator Klaus Böger (SPD): „Berlins Schulen haben mehr Eigenverantwortung erhalten. Sie formulieren eigene Schulprogramme, legen neue Schwerpunkte für Unterricht und Schulklima fest. Die Ergebnisse der Schulinspektionen helfen den Schulen, ihre Schwerpunkte zu finden und fortzuschreiben.

Nicht Kontrolle bei den Inspektionen steht im Mittelpunkt, sondern die Hilfestellung durch genaue Information.“

Böger weiter: „Wer sich auf den Weg zu mehr Qualität macht, muss wissen, wo er steht. Gut ist es, wenn Schulen durch gute Ergebnisse ermutigt werden. Wichtig ist es aber auch, über weniger gute Entwicklungen zu reden. Lehrer können viel von Lehrern lernen – und Schulen von Schulen. Vergleichen wir gute Praxis mit schlechter Praxis. Ein Erfolgsrezept für die Zukunft wird lauten: Schulen schulen Schulen!“

Kosten
Für die Schulinspektionen wurden 27 Stellen durch Umschichtungen zusammengeführt, darunter neun Stellen aus der Schulaufsicht. Die Kosten dieser Qualitätssicherungsmaßname belaufen sich auf rund 900.000 Euro für die Bereitstellung von 36 halben Lehrerstellen.

Vorlauf der Inspektionen
Nach einer sogenannten Normierungsphase im Februar 2006, in der das Vorgehen und die Materialien der Schulinspektoren an ausgewählten Schulen feinjustiert wurden, werden nun ab dieser Woche 36 Schulen aller Schularten überprüft.

Die Beobachtungsbögen der Inspektoren und Erläuterungen dazu werden jeder zu begutachtenden Schule mit ausreichender Zeit vor der eigentlichen Inspektion transparent gemacht. Von diesen Schulen hat sich knapp die Hälfte freiwillig gemeldet, der Rest wurde durch den Zufall bestimmt.

Ausblick
Bildungssenator Klaus Böger: „Die großer Aufgeschlossenheit von Schulen zeigt, dass von engagierten Schulen ein solches Instrument schon lange erwartet wurde. Die Öffnung der Schulen ist ein Kernelement der Reform für mehr Qualität und bessere Ergebnisse unserer Schülerinnen und Schüler. Die Beteiligung von Eltern, Wissenschaft und Wirtschaft ist ausdrücklich erwünscht und von Anfang an im System der Inspektionen angelegt.

Schulen wie Inspektoren werden mit Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft weiter konstruktiv kooperieren – bei der Arbeit der Teams oder als „kritische Freunde“, die Schulen mit Rat und Tat bei Verbesserungen zur Verfügung stehen.“

Hinweis:
Sie finden in den Materialien Bewertungsbögen der Schulinspektionen und Hinweise zu deren Arbeitsweise. Ferner erhalten Sie einen musterhaften Bericht, wie er Schulen nach der Inspektion zugeht.

Rückfragen:
Pressesprecher
Telefon: 9026 5843
E-Mail: pressestelle@senbjs.verwalt-berlin.de