Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Feste Netze knüpfen, durch die kein Kind fällt! - „Bei Kindesmisshandlungen stehen alle in der Pflicht“

Pressemitteilung vom 04.01.2006

Die Senatsverwaltung für

Der Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport, Thomas Härtel (SPD), begrüßt Vorschläge, verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen für Kinder einzuführen.

Härtel: „Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen sind wünschenswert, aber immer nur Momentaufnahmen und lösen das Problem nicht. Wir alle stehen in der Pflicht, wenn es um das Wohl von Kindern geht. Wichtig sind feste Netze, die Kinder auffangen, wenn die Familie sie nicht schützt, sondern gefährdet.“

Härtel befürwortet Ideen für eine Bundesratsinitiative für verpflichtende Unter-suchungen, da ein Berliner Alleingang nach derzeitiger Einschätzung wegen des besonderen, in der Verfassung verankerten Elternrechts zur Erziehung keine Aussicht auf Erfolg haben würde.

Härtel: „Hilfe ist jedoch immer konkret! Wir mildern das Leid von Kindern nur durch Handeln in klaren Strukturen. Die Entwicklung eines verlässlichen Netzwerkes hat für Berlin schon begonnen. Aus dem Projekt BIG, die Berliner Initiative gegen häusliche Gewalt, mit seinen regelmäßigen runden Tischen von Jugend-, Gesundheitsämtern und Polizei ist schon im Jahr 2005 ein konkreter Handlungsleitfaden für die Jugendämter entstanden. Damit jeder Mitarbeiter weiß, wie er Anzeichen von Misshandlungen erkennt – und wie er helfen kann.“

In diesem Leitfaden für alle Berliner Jugendämter sind sehr konkrete Fragen in Form von Checklisten aufgelistet, die helfen Verdachtsmomente zu erkennen.

Die Fragen sind den Rechten von Kindern zugeordnet, die sich aus den Leitfragen zum Kindeswohl ableiten:

· Recht auf ausreichende Körperpflege
(z.B. Finden sich Dreckreste in Hautfalten?)

· Recht auf geeigneten Wach- und Schlafplatz
(Sind die Matratzen muffig, liegt ein Säugling tagsüber stundenlang in einem abgedunkelten Raum?)

· Recht auf schützende Kleidung
(Ist das Kind jahreszeitgemäß bekleidet? Ist die Kleidung zu eng geschnürt? Sind die Kleidungsstücke zu klein?)

· Recht auf Zärtlichkeit, Anerkennung und Bestätigung
(z.B. Wird der Säugling bei unerwünschtem Verhalten gezüchtigt? Wird das Kind beim Füttern in den Arm genommen?)

· Recht auf Individualität und Selbstbestimmung
(z.B. Wird das Kind als „Besitz“ betrachtet, über den man nach Belieben verfü-gen kann? Wird mit dem Kind nur dann geschmust, wenn das eigene Bedürfnis nach Körperkontakt befriedigt werden soll?)

Jugendämter haben die Pflicht bei Kenntnis von Verdachtsmomenten Kontakt mit der Familie aufzunehmen. Auch für dieses Vorgehen gibt es einen konkreten Fragenkatalog und einen Leitfaden zur Kontaktaufnahme, auch mit Ärzten.

Staatssekretär Thomas Härtel: „Das Festlegen von Indikatoren ist so wichtig, weil sie das Erkennen von Kindesmisshandlungen erleichtern. Für die Form der nachfolgenden Hilfe gibt es ein Schema, das besagt, was getan werden muss – vom Konfliktgespräch, über die Aufnahme in Kriseneinrichtungen bis hin zur Erarbeitung eines Sicherheitsplanes für Kind – und oft auch der Mutter. Das Jugendamt ist dabei die Zentrale, die die Unterstützung durch Kitas, Schulen und Ärzte ver-netzt. Das Jugendamt hat eine Wächterfunktion. Das beinhaltet natürlich gegebenen-falls auch das Einschalten von Polizei und Gerichten.

Die Gefährdungsindikatoren, die oben in Auszügen vorgestellt wurden, sollen noch weiter ausgedehnt werden – in Anlehnung an ein Düsseldorfer Modell, das übrigens auch Hebammen und Kinderärzte in die Arbeit mit einbezieht. Kitas und Grundschulen beobachten natürlich schon jetzt die Entwicklung von Kindern.“

Härtel abschließend: „Hebammen, Kinderärzte und selbstverständlich jede engagierte Erzieherin und jeder engagierte Erzieher sind in diesem Netzwerk natürliche Kinderschutzbeauftragte. Ihre Qualifizierung durch die Mitarbeiter der Jugendämter kann natürlich immer besser werden. Denn Hinsehen ist das eine, das Erkennen lernen und das konkrete, gemeinsame Helfen sind die nächsten Schritte.“

Rückfragen:
Pressesprecher
Telefon: 9026 5843
E-Mail: pressestelle@senbjs.verwalt-berlin.de