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Bundestagswahl in Berlin 2005

Pressemitteilung vom 19.09.2005

Der Landeswahlleiter und das Statistische Landesamt teilen mit:

Die Wahlergebnisse für Berlin-Ost und -West weisen weiterhin deutliche Unterschiede auf.

Die SPD konnte sich trotz leichter Verluste mit 34,4 Prozent der Zweitstimmen als stärkste Partei behaupten und zudem sieben
der zwölf Berliner Wahlkreise direkt für sich gewinnen.

Die CDU blieb deutlich unter ihrem Bundesergebnis, sie konnte nur noch 22,0 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinigen und ein Direktmandat erringen.

Die Linkspartei.PDS, deren Abschneiden mit besonderer Spannung erwartet worden war, verbesserte das Ergebnis gegenüber der Vorwahl von 2002 um 5,0 Prozentpunkte und errang drei Direktmandate.

Die GRÜNEN verzeichneten einen leichten Rückgang auf 13,7 Prozent und errangen im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost wiederum ein Direktmandat.

Die FDP steigerte ihren Zweitstimmenanteil um 1,6 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent.

Die sonstigen Parteien blieben bedeutungslos, allerdings konnten sowohl die GRAUEN als auch die NPD ihren Anteil mit 1,9 bzw.
1,6 Prozent mehr als verdoppeln.

Bundesweit bestimmte wieder ein knapper Wahlausgang die Berichterstattung. Das Statistische Landesamt konnte für Berlin schon recht frühzeitig stabile Hochrechnungen präsentieren, einen klaren Wahlausgang dokumentieren und um 0.33 Uhr am Montag das vorläufige Endergebnis präsentieren. Noch in der Wahlnacht haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes erste Analysen des Berliner Wahlergebnisses erstellt. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Wahlbeteiligung 77,4 Prozent
Von den 2 438 846 Wahlberechtigten in Berlin beteiligten sich 2005 mit 77,4 Prozent geringfügig weniger an der Bundestagswahl als 2002. Die Zahl der Nichtwähler fiel mit 551 220 immerhin noch um 140 000 höher aus als die der CDU als zweitstärkster Partei. Die Wahlbeteiligung in den Stadthälften hat sich angenähert. Während
im Westteil 78,0 Prozent (- 1,1) von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, waren es in Berlin-Ost 76,5 Prozent ( 1,0).

SPD blieb stärkste Partei
Die SPD erreichte 34,4 Prozent der Zweitstimmen. Sie verlor damit zwar rund 50 000 Wähler (2,2 Prozentpunkte), blieb aber mit großem Abstand stärkste Partei in Berlin. Ihren höchsten Zweitstimmenanteil erreichte die SPD mit 37,4 Prozent im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, den geringsten in Steglitz-Zehlendorf mit 30,4 Prozent.
Die SPD verlor zwei Direktmandate, jeweils eins in Treptow-Köpenick an die Linkspartei und in Steglitz-Zehlendorf an die CDU. Sie erzielte sieben Direktmandate, im Wahlkreis Spandau – Charlottenburg-Nord errang Swen Schulz mit 46,9 Prozent das beste Erstimmenergebnis aller Wahlkreisbewerber.

CDU größter Verlierer
Unerwarteterweise war die CDU mit einem Verlust von 3,9 Prozent-punkten der größte Verlierer der Bundestagswahl 2005 in Berlin. Sie erreichte nur noch 22,0 Prozent der Zweitstimmen und damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990. Dabei kam sie in allen Bezirken, die ganz im Ostteil liegen, auf maximal 15,2 Prozent, während sie in den reinen Westbezirken über 27 Prozent liegt. Den geringsten Anteil erreichte die CDU in Friedrichshain-Kreuzberg mit 11,1 Prozent und den höchsten im Bezirk Reinickendorf mit 32,7 Prozent.
Das einzige Direktmandat für die CDU errang Karl-Georg Wellmann in Steglitz-Zehlendorf mit nur 1,3 Prozent Vorsprung gegenüber dem SPD-Kandidaten Klaus Uwe Benneter.

Die Linkspartei.PDS eindeutiger Wahlgewinner
Die Linkspartei erreichte 16,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen,
5,0 Prozentpunkte mehr als bei der Bundestagswahl 2002.
Im Vergleich zu den PDS-Bezirksergebnissen der Vorwahl 2002 blieb die Rangfolge an der Spitze unverändert, auf Lichtenberg mit 35,6 Prozent folgt Marzahn-Hellersdorf mit 34,4. In Treptow-Köpenick und Pankow kommt die Linkspartei ebenfalls deutlich auf über 24 Prozent. Die beiden gemischten Ost-West-Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg bilden das Mittelfeld ihrer Ergebnisse. In den Bezirken, die ganz im Westteil liegen, sind die Veränderungen für die Linkspartei relativ zu den Ergebnissen von 2002 besonders groß. Die Anteile liegen zwar nur zwischen 5,3 und 8,7 Prozent, sie haben sich hier aber weit mehr als verdoppelt.
Die Direktkandidatinnen der Linkspartei, Gesine Lötzsch in Lichtenberg und Petra Pau in Marzahn-Hellersdorf, sowie Gregor Gysi als Direktkandidat in Treptow-Köpenick konnten jeweils in ihren Wahlkreisen die Mehrheit der Erststimmen auf sich vereinigen, wobei Gesine Lötzsch den höchsten Erststimmenanteil der drei erreicht hat.

FDP zweiter Wahlgewinner
Als Wahlgewinner kann sich auch die FDP fühlen. Die Liberalen erreichten in Berlin 8,2 Prozent, einen Zuwachs von 1,6 Prozent-punkten gegenüber 2002. Die FDP-Wähler splitteten offensichtlich mehrheitlich ihre Stimmen, was an dem viel geringeren Anteil der Erststimmen von nur 3,8 Prozent abzulesen ist. Auch bei der FDP wird der Unterschied zwischen den Ergebnissen der reinen West-bezirke, mit Stimmenanteilen zwischen 8,5 Prozent in Neukölln und 12,9 Prozent in Steglitz-Zehlendorf, und denen im Ostteil, zwischen 4,7 Prozent in Lichtenberg und 5,6 Prozent in Pankow und Treptow-Köpenick deutlich. In den gemischten Ost-West-Bezirken schneiden die Liberalen auch schlechter ab als im Durchschnitt.

Insgesamt ist das Wahlergebnis in Berlin Ausdruck einer politischen Polarisierung und Umschichtung: Linke und FDP gewinnen, die Regierungsparteien im Bund und die CDU verlieren. Im Ergebnis kehren einerseits mehr Berliner der CDU den Rücken, als die FDP hinzugewinnen konnte. Andererseits sind die Zugewinne der Linkspartei so deutlich, dass sie nicht allein die Verluste von SPD und Grünen kompensieren sondern auch Ergebnis weiterer Wählerwanderungen sind. – - – - -

Rückfragen:
Geschäftsstelle des Landeswahlleiters
Telefon: 9021-3633
E-Mail: landeswahlleiter@statistik-berlin.de