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Wowereit-Rede auf der Trauerfeier für Harald Juhnke

Pressemitteilung vom 08.04.2005

Sperrfrist: Redebeginn
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hält auf der Trauerfeier für den verstorbenen Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke die folgende Rede. Das Presse- und Informationsamt veröffentlicht den Wortlaut des Manuskripts.

Der Regierende Bürgermeister: „’Sie waren ein gutes Publikum. Sehr gut. Ein wirklich gutes Publikum’, hat Harald Juhnke einmal zu seinen Zuschauern gesagt und hinzugefügt: ‘Hinterlassen Sie mir eine Nachricht, wo Sie morgen Abend arbeiten, dann komme ich und sehe Sie.’ Es wäre ihm zuzutrauen gewesen, dass er diese Ankündigung wahr macht. Harald Juhnke und sein Publikum, das war ein ganz besonderes Verhältnis, von Gegenseitigkeit und großer Liebe geprägt. Um so tiefer ist unser Schmerz in der Gewissheit: Er wird nicht mehr kommen! Harald Juhnke, der große deutsche Schauspieler, Komödiant, Entertainer und Conférencier ist tot.

Wir verneigen uns vor einem genialen Volksschauspieler, einem hervorragenden Interpreten im ernsten wie im heiteren Fach, vor einem Berliner Original. Wir verneigen uns aber auch vor dem Menschen Harald Juhnke. Jetzt, da wir von ihm für immer Abschied nehmen müssen, da der letzte Vorhang endgültig gefallen ist, sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl ganz besonders bei Ihnen, liebe Frau Juhnke, bei den Söhnen Peer und Oliver, bei all seinen Angehörigen.

Harald Juhnke, der aus dem Wedding stammende Polizistensohn, hat seinen Lebenstraum, Schauspieler und Sänger zu werden, mit ungeheurer Kraft und atemberaubendem Erfolg – ganz besonders in Berlin – verwirklicht. Ich persönlich bin, wie viele meiner Generation, in Berlin sozusagen mit Juhnke groß geworden.

Wie kaum ein zweiter erreichte er die Höhen des Ruhmes, durchschritt er tiefe Abgründe. Nicht nur an das Rampenlicht gewöhnt, sondern andererseits auch auf dieses angewiesen, war er eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Wir alle haben mit ihm nicht nur seine Erfolge gefeiert, wir haben an den Qualen seiner Krankheit immer auch Anteil genommen.

Es zeichnete Harald Juhnke stets aus, dass er in einem fast wörtlichen Sinne volksverbunden und bodenständig war. Er war einer von uns. Er wurde von Millionen wegen seiner Wahrhaftigkeit geliebt und verehrt und diese Wahrhaftigkeit endete nicht an der Bühnenrampe oder im Filmabspann, diese Wahrhaftigkeit durchzog sein Leben.

Wenn man seine Filme sieht, sich an seine Theaterauftritte erinnert, dann könnte man meinen, die Rollen des so genannten ‘kleinen Mannes’, des einfachen Menschen, des Tausendsassas, seien ihm auf den Leib geschrieben gewesen. Erinnern wir uns nur an die ‘Drei Damen vom Grill’, mit der unvergessenen Brigitte Mira, die ihm mehr als nur Kollegin, die ihm Freundin war. Selbst in der ‘kleinen’ Rolle als Antiquitätenhändler Kinkel hatte er eine große Ausstrahlung.

Unvergessen sein ‘Hauptmann von Köpenick’ im Fernsehen wie vor allem im Berliner Maxim Gorki Theater – jener Stätte, wo 1948 seine Bühnenkarriere im damaligen Haus der Sowjetischen Kultur ihren Anfang nahm. Im Stück sagt der Schuster Wilhelm Voigt: ‘Und denn stehste eines Tages vor dem Herrjott, und der fragt dich: Schuster Voigt, wat haste nu aus deinem Leben jemacht?’

Wir wissen nicht, wie Harald Juhnke diese Frage beantwortet. Aber wir wissen ganz vieles, was er aufzählen könnte: Den Film ‘Ein Mann will nach oben’ oder die Unterhaltungsreihe mit Grit Boettcher ‘Ein verrücktes Paar’, den Streifen ‘Schtonk’ oder die TV-Serie ‘Preußenkorso’, das Musical ‘Irma la Douce’ oder die Sketch-Reihe ‘Harald und Eddi’, die große Samstagabendshow ‘Musik ist Trumpf’ oder die Fallada-Verfilmung ‘Der Trinker’.

Es war ein Leben voller Arbeit und Fleiß, ein Leben, bunt und vielfältig, laut und leise, leicht und schwer. Unter dem Strich war es ein Leben für uns, sein Publikum. Uns hielt er oft den Spiegel vors Gesicht, uns hat er Freude und Glück, Nachdenklichkeit und Anregung gegeben. Und er hat uns mit seinem Leben auch gewarnt.

Eine Berliner Stimme ist verstummt. Das betrifft gleichfalls den Sänger Harald Juhnke, den Frank Sinatra von der Spree. Auch mit seinen Songs und Liedern hat er Furore gemacht. Harald Juhnke war ein Allround-Talent, kaum ein Fach, in dem er nicht ‘zu Hause’ war; kaum ein Metier, in dem er nicht zu den Besten gehörte.

Wenn wir uns an Harald Juhnke erinnern, dann werden wir uns gewiss, dass mit ihm auch eine Ära zu Ende geht. Hildegard Knef, Wolfgang Gruner, Günter Pfitzmann, Horst Buchholz, Brigitte Mira, Harald Juhnke, diese großartigen Künstler haben die Theater- und Filmstadt Berlin nach dem Kriege entscheidend geprägt, ihren Ruhm wieder belebt.

Harald Juhnke hat viel für seine Heimatstadt geleistet. Er hat sich immer wieder zu Berlin bekannt. Er wie wir wussten, er konnte ohne Berlin nicht sein und wir hatten den Eindruck, Berlin ohne ihn auch nicht. Der Tagesspiegel hat verschiedene Prominente einmal gefragt, ob es einen Ort gäbe, an dem sie jetzt lieber wären als in Berlin. Harald Juhnke zögerte keine Sekunde: ‘Nee, natürlich nich!’

Das Berlinerische war nicht nur Lippenbekenntnis, er hat es gelebt. Mit ‘Herz und Schnauze’, mit Großzügigkeit und Solidarität. Auch aus der Erfahrung seines Lebens in dieser Stadt war er oft an der Seite jener, die in Bedrängnis und Not waren. Er ließ sich auf das ‘Abenteuer Menschlichkeit’ ein, eine Aktion des Deutschen Roten Kreuzes. Er sagte die geplante große Feier zu seinem 70. Geburtstag 1999 ab und spendete statt dessen für die Kinder im Kosovo. ‘Nicht reden, handeln!’ das war seine Devise.

Blicken wir auf dieses Leben, so nötigt es uns Respekt, Achtung und Dankbarkeit ab. Harald Juhnke war ein ganz Großer und wir sind heute auch froh und dankbar darüber, dass seine Stimme nicht wirklich verstummt. In seinen Filmen und CD’s hat er uns nicht nur ein bleibendes, sondern vor allem ein lebendiges Erbe hinterlassen.

Liebe Susanne Juhnke. Harald hat es sich und uns nicht immer leicht gemacht. Trotz aller Probleme und Turbulenzen stand seine große Fangemeinde in Treue zu ihm. Wir wissen, was die schwere Krankheit besonders für die Familie bedeutet hat. Liebe und Treue – zwei Worte, die alles sagen. Berlin verneigt sich in Dankbarkeit und Trauer vor Harald Juhnke.” – - – - -

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