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Schubert-Rede auf Stifterempfang 2004

Pressemitteilung vom 03.03.2005

Sperrfrist: 18 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Die Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Justiz, Karin Schubert, hält auf dem Empfang für die neuen Stifterinnen und Stifter des Jahres 2004 am heutigen 3. März um 18 Uhr im Säulensaal des Berliner Rathauses die folgende Rede. Das Presse- und Informationsamt veröffentlicht den Wortlaut auf Grundlage des Manuskripts.

Bürgermeisterin Schubert sagte u.a.: “Ich heiße Sie alle im Namen des Regierenden Bürgermeisters sehr herzlich willkommen zu unserem Empfang für die neuen Stiftungen.

Stiftungsgründungen liegen im Trend. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat gerade bekannt gegeben, dass im Jahr 2004 bundesweit so viele Stiftungen errichtet wurden wie nie zuvor: 852 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts wurden neu errichtet. Allein in Berlin waren es 27 Stiftungsgründungen im vergangenen Jahr.

Das ist wahrlich eine gute Nachricht. Denn jede einzelne Stiftung dient einem Zweck, der für unsere Gesellschaft wichtig ist. Jede einzelne Stiftung zeugt von Engagement. Stiftungen sind Zukunftswerkstätten mit Bürgersinn, Labors für soziale, wissenschaftliche und kulturelle Innovationen. Und natürlich nicht zuletzt ein Kapitalfundus, mit dessen Erträgen Gutes getan werden kann. Sie alle zusammen bringen über 25 Millionen Euro ‘auf die Waage’. Das ist beachtlich. Darin kommt Ihr persönliches Engagement zum Ausdruck. Vielen Dank dafür!

Eine Stiftung zu gründen, ist in diesen Zeiten ein mutiger Schritt (…). Für den Aufbau einer Stiftung braucht man oft einen langen Atem. Stiftungen sind praktizierte Nachhaltigkeit. Ich ziehe den Hut vor all jenen, die sich auf diesen langen Weg gemacht haben, weil sie die Vision haben, über ihr eigenes Leben hinaus in der Zukunft – und sei sie noch so fern – mit den Kapitalerträgen Ihrer Stiftung Gutes zu bewirken.

Wer stiftet, gibt bürgerschaftlichem Engagement einen Effekt, der über Generationen hinaus reicht. Stiftungen sind, wie ich finde, ein wohltuender Gegenakzent zu vielen kurzatmigen und auf schnelle PR-Wirkung zielenden Aktionen, die oft gut gemeint sind, aber manchmal eben auch nur symbolische Handlungen bleiben und schnell verpuffen.

Wir haben die Tradition dieses Neustifter-Empfangs vor zwei Jahren begründet, weil wir Ihnen für Ihr Engagement danken möchten. Bei André Schmitz, dem Chef der Senatskanzlei, und mir spielt aber noch etwas anderes eine Rolle: Wir sind neugierig auf Ihre Projekte. Wir begnügen uns nicht mit der Freude über einen weiteren statistischen Zuwachs im Berliner Stiftungswesen. Wir wollen wissen, was hinter den nüchternen Fakten eines ‘Errichtungsvorgangs’ bei der Stiftungsaufsicht steht.

Unter Ihnen sind etliche Stiftungen, deren Schwerpunkt im Engagement für Völkerverständigung und Toleranz liegt: Sie fördern grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Polen bis China oder interkulturelles Lernen. Solche Erfahrungen beflügeln und tragen zur Internationalität der deutschen Hauptstadt bei. Der Kulturbereich ist gut vertreten und – wenn ich richtig sehe – sind wir Zeugen eines neuen Trends, denn im Mittelpunkt steht immer mehr die künstlerische Förderung von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere Roma, Sinti und andere Minderheiten, Flüchtlinge und Migranten (…).

Und daneben gibt es das wichtige Engagement für den Erhalt und den Ausbau von speziellen Sammlungen, die auch der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen, oder von Baudenkmälern. Wieder andere Stiftungen fördern den Zugang zu Bildung und Forschung. Sie vergeben Stipendien und systematische Förderung, insbesondere in der Medizin, der Altersforschung und im Bildungs- und Kulturbereich. Sowohl die Jugend- und Familienpflege als auch das Gesundheitswesen ist unter den neuen Stiftungen stark vertreten. Auch hier kann man vielleicht sogar von einem neuen Trend sprechen, der dahin geht, kostenlose Behandlung, Beratung und Pflege für Menschen zu ermöglichen, die durch alle Raster unserer bestehenden Hilfesysteme fallen. Stark im Kommen ist auch die Förderung von Forschung, die sich neuen, alternativen Gesundheitskonzepten und Heilmethoden widmet.

Schließlich aber genau so wichtig: Neue Stiftungen fördern den Dialog über Zukunftsthemen wie den Konflikt zwischen Ethik und Ökonomie, die Probleme einer gerechten Gesellschaft, die Gestaltung nachhaltiger Entwicklung und des Umweltschutzes. Sie wollen mit ihren Mitteln dazu beitragen, Orientierung in einer sich rasch wandelnden globalen Welt zu gewinnen.

Das Land Berlin möchte Sie im Rahmen seiner Möglichkeiten in Ihrem wichtigen Wirken unterstützen. Denn wir haben uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Berlin soll Stiftungshauptstadt werden. Quantitativ und qualitativ.

Das beginnt mit dem Service meiner eigenen Verwaltung, der Senatsverwaltung für Justiz. Ich bin sehr froh, dass es in den letzten Jahren gelungen ist, die Stiftungsaufsicht erheblich zu entbürokratisieren und serviceorientiert zu gestalten. Die Aufsicht hat eine wichtige Aufgabe: Sie ist so etwas wie die Hüterin des Stifterwillens und sorgt dafür, dass die gemeinnützigen Stiftungszwecke auch tatsächlich erfüllt werden. Das mag im Einzelfall unbequem sein, dient aber letztlich dem hohen Ansehen von Stiftungen in unserem Land. Mir ist wichtig, dass die Aufsicht unbürokratisch und fachkundig geführt wird. Ich freue mich sehr, dass unter der Ägide von Herrn Münch, der heute unter uns ist, der Bearbeitungsstau abgebaut und die Bearbeitungszeiten deutlich verkürzt worden sind (…).

Ein Beispiel für unsere flankierenden Aktivitäten ist der erste Berliner Stiftungstag, den wir 2003 in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen veranstaltet haben, um den Berlinerinnen und Berlinern zu zeigen: Seht her, was für eine lebendige Stiftungslandschaft sich in Berlin entwickelt hat, und: Macht mit! (…) In diesem Sinne möchte ich Ihnen allen noch einmal herzlich für Ihr Engagement in den neuen Berliner Stiftungen danken.”

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