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Atelierförderung dauerhaft gesichert

Pressemitteilung vom 17.03.2005

Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat auf seiner gestrigen Sitzung den von Kultursenator Thomas Flierl vorgelegten „Evaluationsbericht über die Atelierförderung in Berlin“ beraten und verabschiedet.
Der umfangreiche Bericht
· beschreibt die kulturpolitische Zielsetzung der Atelierförderung,
· untersucht die soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler,
· analysiert den Zusammenhang zwischen Ateliersituation und der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt seit 1993,
· quantifiziert die Atelierförderung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Ateliersituation und Atelierförderung in den einzelnen Bezirken sowie die Atelierförderung der Kulturverwaltung
· erläutert Entwicklung, Verfahrensweisen und Ergebnisse des Atelieranmietprogramms,
· vergleicht die Berliner Atelierförderung mit der in anderen deutschen und europäischen Großstädten.
· und formuliert auf dieser Basis neue Kriterien, die eine finanziell stabile, zeitgemäße und gerechte Atelierförderung gewährleisten.

Evaluierung:

In Berlin leben und arbeiten 4.000 – 5.000 bildenden Künstlerinnen und Künstler. Es gibt ca. 350 Galerien mit einer Gesamtfläche von etwa 57.400 Quadratmetern. Jährlichen finden annähernd 2.000 Vernissagen und Ausstellungen statt.

Die Atelierförderung ist für Berlin auch deshalb ein wichtiger Standortfaktor, weil es in der Stadt noch keinen, mit anderen Metropolen vergleichbaren, Kunsthandel gibt. Nur etwa 5% der professionell arbeitenden bildenden Künstlerinnen und Künstler können mit ihrer Kunst ein auskömmliches Einkommen erzielen. Alle anderen sind auf Nebenerwerb angewiesen. Atelierförderung sichert als Künstlerförderung vor diesem Hintergrund, was vom Markt noch nicht erwartet werden kann: eine kontinuierliche künstlerische Arbeit unter angemessenen Produktionsbedingungen.

2003 gab es in Berlin insgesamt 1.456 Ateliers und Atelierwohnungen, die teilweise oder gänzlich aus öffentlichen Mitteln gefördert wurden.
Von diesen gelten 859 als strukturell gesichert, weil ihre Belegung und Vergabe durch den Senat (690), die Bezirke (87), Wohnungsbaugesellschaften (26) und frei Träger (56) gefördert und gesteuert wird.
Hinzu kommen 597 Ateliers von freien oder privaten Trägern, die teilweise aus öffentlichen Mitteln gefördert wurden.

Im Ergebnis inzwischen ausgelaufener Förderprogramme bietet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit etwa 278 Ateliers und Atelierwohnungen an. Nach Fertigstellung der letzen Gebäude werden es künftig 315 sein. Deren öffentliche Ausschreibung obliegt bisher dem Atelierbüro des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK). Über die unbefristete Vergabe entscheidet eine Fachkommission, die von der Mitgliederversammlung des BBK gewählt wird.

Die Senatskulturverwaltung verfügt über 50 eigene Ateliers und vergibt weitere 362 im Rahmen eines Atelieranmietprogramms, für das jährlich 1.127 Mio Euro aufgewendet werden. Ziel des Programms ist es, Gewerbeflächen für die Nutzung als Künstlerateliers anzumieten und an bildende Künstler zu tragbaren Mietkosten zu vergeben. Das Management (Analyse, Konzeptentwicklung, Ateliersuche, Beratung) des Atelieranmietprogramms erfolgt durch das Atelierbüro und die als Generalmieter auftretende Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE)

Seit 1993 haben insgesamt 494 (von insgesamt 4.000 – 5.000 )Künstlerinnen und Künstler das Atelieranmietprogramm genutzt. Die Zahl der angemieteten Ateliers ist bei gleichbleibenden Zuschüssen aufgrund sinkender Mieten gestiegen. Die Anmietkosten liegen derzeit bei durchschnittlich 6,70 € (brutto/warm). Die Künstlerinnen und Künstler zahlen im Durchschnitt 3,48 €.

Neuregelungen:

Seit Gründung des Atelieranmietprogramms 1993 hat sich die Lage auf dem Immobilienmarkt radikal verändert. Heute gibt es ca. 100.000 leer stehende Wohnungen und mehr als 1 Million Quadratmeter leerstehende Gewerberäume. Gewerbemieten liegen unterhalb von Wohnungsmieten.

Die Evaluierung ergab ferner, dass das Atelieranmietprogramm aufgrund hoher Verwaltungskosten relativ teuer ist und wegen der geringen Fluktuation einer vergleichsweise kleinen Zahl von Künstlerinnen und Künstlern zugute kommt. Außerdem erlaubt die gleichbleibende Fördersumme aufgrund der Beschränkung auf Anmietung keine anti-zyklische Steuerung. Das heißt: Bei fallenden Mietpreisen stehen mehr geförderte Ateliers zur Verfügung, während steigende Mietpreise, die i.d.R. einen größeren Bedarf an geförderten Ateliers auslösen, die Anzahl der geförderten Ateliers tendenziell sinken lässt.

Deshalb wird es in Zukunft zu folgenden Veränderungen im Atelieranmietprogramm kommen, für das auch weiterhin 1,127 Million Euro zur Verfügung stehen:
· Mittelfristig sollen, mit Auslaufen ungünstiger Mietverträge, bis zu 50 Prozent der Fördergelder in leerstehende öffentliche Gebäude investiert werden, um so bezahlbare Ateliers zu günstigen Mietpreisen herzurichten und zu sichern. Wird diese Zwischennutzung durch den Verkauf der Gebäude beendet, fließen die investierten Mittel (gemäß ihrem Zeitwert) in das Atelierprogramm zurück.
· Nicht verbrauchte Mittel fließen am Jahresende nicht mehr in den Landeshaushalt zurück, sondern sind künftig übertragbar
· Die Leistung des Generalmieters (GSE) wird per Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben, um ev. günstigere Anbieter zu finden.
· Der Förderzeitraum wird auf acht Jahre begrenzt, um eine größere Fluktuation zu erreichen, so dass mehr Künstlerinnen und Künstler in den Genuss der Förderung kommen. Begründete Ausnahmen sind möglich.
· Für Künstlerinnen und Künstler mit niedrigem Einkommen wird ein Kontingent besonders günstiger Ateliers angeboten.
· Da der Verdienst von Künstlerinnen nach wie vor dem ihrer männlichen Kollegen liegt, kommt dem Anteil von Frauen innerhalb der Förderung künftig besondere Beachtung zu.
· Die bisher getrennten Gremien (Fachkommission und Beirat) sollen zu einem vom Senator berufenen Atelierbeirat zusammengeführt werden, in dem die Künstlerinnen und Künstler paritätisch vertreten sind.

Senator Flierl:

„Die dauerhafte Sicherung der Atelierförderung auf finanziell stabiler, zeitgemäßer und transparenter Grundlage ist ein kulturpolitischer Erfolg. Ich werde in enger, partnerschaftlicher Kooperation mit dem BBK und den Abgeordneten dafür Sorge tragen, dass die Atelierförderung auch künftig jenen Stellenwert erhält, die der in meinem Bericht ausgewiesen Bedeutung der bildenden Künstlerinnen und Künstler für die Zukunft Berlins entspricht.“

Rückfragen:
Torsten Woehlert
Telefon: 90228203
E-Mail: torsten.woehlert@senwfk.verwalt-berlin.de