NEUE TEMPO-30-ABSCHNITTE IM HAUPTSTRASSENNETZ

Pressemitteilung vom 31.08.2005

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilt mit:

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird auf 16 zusätzlichen Abschnitten im Hauptverkehrsstraßennetz der Stadt Tempo 30 anordnen. Es handelt sich durchweg um Straßenabschnitte, die heute durch Lärm und Luftschadstoffe außerordentlich belastet sind und an denen Unfälle sich besonders häufen.

Senatorin Ingeborg Junge-Reyer: „Tempo 30 ist eine wirksame Maßnahme zur Entlastung von verkehrsbedingten Emissionen und zu größerer Verkehrssicherheit. Wird das Tempo um nur 20 km/h in einer eng bebauten Straße abgesenkt, so reduziert dies den empfundenen Lärm um die Hälfte und entlastet damit die Anwohner erheblich. Das statistische Risiko eines tödlichen Unfalls beim Zusammenstoß eines Kfz mit einem Fußgänger beträgt bei Tempo 30 nur einen Bruchteil des Risikos von Tempo 50. Unfälle bei gedrosseltem Tempo sind seltener und weniger gravierend. In den jetzt ausgewählten Straßenabschnitten können wir durch Tempo 30 den Lärm, die Luftbelastung und vor allem die Unfallhäufigkeit reduzieren.“

Im städtischen Hauptstraßennetz mit ca. 1.530 km Straßenlänge wurden mehr als 100 hochbelastete Stellen identifiziert und im Hinblick auf die Wirkungen einer möglichen Temporeduzierung untersucht. Im Ergebnis wurde bei 16 Abschnitten die Einführung einer Temporeduzierung befürwortet. In diesem Entscheidungsprozess mussten alle Auswirkungen umfassend bewertet werden. Zum Beispiel werden keine Tempo-30-Abschnitte eingerichtet, wenn eine erhebliche Verdrängung des Verkehrs in Nachbarstraßen zu erwarten wäre oder der Bus- und Straßenbahnverkehr stark beeinträchtigt würde. In den ausgewählten Abschnitten wird der Verkehrsfluss durch Anpassung der Ampeln auf die reduzierten Geschwindigkeiten („Grüne Welle“) sichergestellt.

Senatorin Junge-Reyer: „Gesundheit und Sicherheit gehören zu unseren wichtigsten Gütern. Dort wo durch reduziertes Tempo die Menschen in der Stadt wirksam entlastet werden können, müssen wir einen Zeitverlust für Autofahrer in der Größenordnung von weniger als einer halben Minute auf einer Strecke von 500 m in Kauf nehmen. Der Verkehrsfluss in der Stadt wird trotz der Temporeduzierung nicht beeinträchtigt. Hier beweist sich, dass Umwelt- und Verkehrspolitik keine gegensätzlichen Ziele verfolgen müssen: Bei Tempo 30 ohne Stop-and-go wird der Verkehrsfluss stetiger. Ein fairer Interessenausgleich zwischen Autofahrern und Anwohnern mit der Ausweisung dieser Tempo-30-Streckenabschnitte ist uns gelungen.“

Nach erfolgter verkehrsbehördlicher Anordnung wird die neue Regelung ab November 2005 schrittweise umgesetzt, wenn die technischen Voraussetzungen, zum Beispiel die Anpassung der Ampelanlagen, geschaffen sind. Die 16 Abschnitte in allen Teilen der Stadt sind zwischen 167 und 880 Meter lang und addieren sich zu insgesamt 5.380 Meter auf. Damit werden ca. 4.700 Anwohner entlastet.

Das ca. 5.340 km lange öffentliche Straßennetz der Stadt ist bereits heute aus Gründen des Lärmschutze und der Verkehrssicherheit in weiten Bereichen nur mit Tempo 30 befahrbar. Der größte Teil der Tempo-30-Straßen liegt allerdings im Bereich von Tempo-30-Zonen der Wohngebiete. Dort haben sich diese Geschwindigkeitsbegrenzungen bewährt. Hinzu kommen besondere Anordnungen zur Sicherung der Schulwege. Im Ergebnis beträgt die heutige Tempo-Beschränkung ca. 72 Prozent des gesamten Straßennetzes der Stadt; aber nur ca. 3,5 Prozent des Hauptverkehrsstraßen-Netzes. Durch die Erweiterung um die neuen 16 Abschnitte werden die tempobeschränkten Hauptstraßen auf 3,8 Prozent des gesamten Hauptstraßennetzes erhöht.

Der Stadtentwicklungsplan Verkehr, das neue Verkehrssicherheits-Programm von Berlin und der kürzlich vom Senat beschlossene Luftreinhalteplan mit Aktionsprogramm sehen diese Ausdehnung von Tempo 30 im Hauptnetz der Stadt als wichtige Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Reduzierung der verkehrsbedingten Emissionen vor.

Die gesetzlichen Anforderungen bei Luft und Lärm sind EU-einheitlich verschärft worden.
Zum verbesserten Schutz der Stadtbevölkerung vom nächtlichen Verkehrslärm ist eine Ausweitung der Tempo-30-Regelung in der Nacht in Vorbereitung.

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Manuela Damianakis
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