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Strategische Neuausrichtung des Berliner Quartiersmanagements

Pressemitteilung vom 17.03.2005

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilt mit:

Die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, hat in der heutigen Pressekonferenz die strategische Neuausrichtung des Berliner Quartiersmanagements vorgestellt.

Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer: „Ich bin sicher, dass wir mit der Neuausrichtung des Berliner Quartiersmanagements weiterhin eine erfolgreiche Politik der sozialen Stadtentwicklung verwirklichen können. Das gilt gerade auch für die Gebiete, in denen es in den vergangenen Jahren zu problematischen Entwicklungen gekommen ist und denen wir uns jetzt verstärkt präventiv zuwenden werden. Dabei geht es um die Beteiligung der vorhandenen Akteure in einem Gebiet. Die „starken Partner“, z.B. die Wohnungsbaugesellschaften, Vereine, Kirchengemeinden und besonders wichtig die Schulen, werden dabei in den Quartieren eine bedeutende und wirkungsvolle Rolle übernehmen. Das Quartiersmanagement hat aber auch deutlich gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger daran interessiert sind, Verantwortung zu übernehmen. Neben den Quartiersverfahren muss es aber auch aus anderen Politikbereichen eine deutliche Konzentration von Mitteln und Maßnahmen auf die benachteiligten Gebiete geben. Bei der Umsetzung der Stabilisierungs- und Aufwertungsstrategien sind alle Senatsverwaltungen und die Bezirke in der Pflicht und haben die Verantwortung, ressortübergreifend tätig zu sein und ihre Mittel zu bündeln. Es geht nicht darum, einzelne Zielgruppen zu fördern, sondern die Ziele, auf die sich alle Beteiligten im Gebiet verständigt haben, umzusetzen. Diese Ziele dürfen nicht von oben verordnet sein. Wir werden noch vor den Sommerferien mit Start- und Auftaktveranstaltungen wie Stadtteilkonferenzen die Bewohner mit den neuen Verfahren bekannt machen und zum Mitmachen motivieren.“
Die Neuausrichtung des Berliner Quartiersmanagements stützt sich auf die Auswertung des Quartiersmanagementverfahrens seit 1999 und das Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2004.
Zur Verbesserung der Lebenschancen in benachteiligten Quartieren werden sich die Maßnahmen und Projekte im Rahmen des Quartiersmanagement noch mehr auf Integration, Bildung und die Förderung von Erwerbsarbeit konzentrieren. Flankierend können aber auch baulich-investive Maßnahmen erheblich zur Aufwertung der benachteiligten Gebiete beitragen.
Künftig soll mit den inzwischen entwickelten gebietsbezogenen Instrumenten der sozialen Stadtentwicklung unter dem Oberbegriff “Quartiersverfahren Soziale Stadt“ mit vier differenzierten Handlungspaketen eingegriffen werden.

Kategorie I (Quartiersmanagementverfahren, als etablierter Interventionsansatz)
Dieses Quartiersmanagementverfahren kommt in Gebieten zum Einsatz mit überdurchschnittlich hohen Anteilen von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, hohem Ausländeranteil, einer starken Zunahme dieser Anteile sowie einer außergewöhnlich hohen Mobilität der Bewohnerschaft (hohes Wanderungsvolumen, negative Wanderungssalden). Das Ziel ist es, das Sozialgefüge zu stabilisieren, Anonymität aufzulösen, soziale Kontrolle aufzubauen und eine Basis für das Engagement von interessierten Bewohnern zu schaffen. Die Menschen sollen die Fragen ihres Wohnumfeldes, der Situation des öffentlichen Raumes wie auch des Zusammenlebens im Quartier als ihre eigene Sache begreifen und dazu befähigt werden, das Gemeinwesen selbst zu organisieren (Empowerment). Dazu geeignete Maßnahmen werden durch Mittel aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt sowie aus EU-Mitteln unterstützt. Zusammen mit den Bezirken wurde die Ausweitung von zwei bestehenden Gebieten vereinbart, ebenso die Einrichtung eines neuen QM-Gebiets im Norden Neuköllns.

Kategorie II (Stadtteilmanagementverfahren Intervention – SMV I)
Dieses Verfahren wird in Quartieren, die aufgrund des Monitoring Soziale Stadtentwicklung ähnliche Problemlagen wie die bisherigen QM-Gebiete aufweisen, in denen aber noch keine Verfahren etabliert sind, eingesetzt . Mit der Unterstützung durch „starke Partner“ soll es in sechs Gebieten in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln eingeführt werden. Diese Partner können Wohnungsbaugesellschaften, bestehende und im Gebiet integrierte Stadtteilzentren und Nachbarschaftsheime sein. Sehr wichtig ist bei den neuen wie bei den bestehenden Verfahren die Einbeziehung der Schulen und der ortsansässigen Wirtschaft. Mit dem Verfahren sollen die Quartiere aufgewertet und stabile nachbarschaftliche Strukturen gefördert werden. Es stützt sich auf die fünf Strukturmerkmale des QM (Team vor Ort, Steuerungsrunden, Empowerment/Bürgerbeteiligung, integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept, Beteiligungs-, Aktivierungsfonds). Das SMV Intervention verfügt über einen Integrationsfonds von ca. 100 T€ sowie einen lnterventionsfonds von ca. 150T€ im Jahr.

Kategorie III (Stadtteilmanagementverfahren Prävention – SMV P)
Dieses Verfahren kommt in problematischen Gebieten des Monitorings Soziale Stadt zum Einsatz. Es stellt ein weiteres neues Verfahren dar, das besonders an bestehende Netzwerke anknüpft. Begünstigende Rahmenbedingungen sollen für eine erfolgreiche Arbeit im Sinne der sozialen Aufwertung und der Stabilisierung des Quartiers sorgen. Das Verfahren stützt sich ebenfalls auf die fünf Strukturmerkmale des QM. Es verfügt über einen Integrationsfonds von ca. 100 T€ und bindet das Engagement der „starken Partner“ in das Verfahren ein. Verabredet ist die Einrichtung von elf Verfahren in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf.

Kategorie IV: Bewohnergetragene Verfahren
In den Gebieten, in denen eine deutliche Verbesserung der sozioökonomischen Situation festgestellt werden konnte, muss die Quartiersarbeit verstetigt und in die Hände der sich selbst organisierenden Bewohnerschaft übergeben werden. Ziel ist, durch geeignete Verfahren die Bürger zu Trägern der Entwicklung zu machen. Hierbei werden Initiativen unterstützt, die durch die Bewohnerschaft initiiert und begleitet werden. Das Verfahren konzentriert sich auf diesen Übergangsprozess. Bei den Quartieren, die für eine Einstufung in diese Kategorie vorgesehen sind, handelt es sich um die bisherigen QM-Gebiete in Prenzlauer Berg (Falkplatz, Helmholtzplatz) und um den Boxhagener Platz in Friedrichshain-Kreuzberg.

Die „starken Partner“, wie z.B. die Wohnungsbaugesellschaften, sind an einer nachhaltigen Bestandsentwicklung zur Aufwertung der Siedlungen und einer Stabilisierung nachbarschaftlichen Zusammenlebens stark interessiert.. Stadtteilzentren und Nachbarschaftsheime sind im Quartier verwurzelte Akteure, die vertraut sind mit sozialpolitischen Aufgaben. Ebenso sind die Schulen vielfältig verwurzelte Akteure im Quartier. Sie bieten die Möglichkeit, schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen in den Prozess des „Empowerment“ einzubinden. Auch die lokale Wirtschaft (Gewerbe, Einzelhandel) ist ein unverzichtbarer Bündnispartner im Handlungsfeld Ausbildung und Erwerbstätigkeit.

Rückfragen:
Petra Rohland
Telefon: 9012-5800
E-Mail: petra.rohland@senstadt.verwalt-berlin.de