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Fachleute für Jugendarrest tagen in Berlin: Justizstaatssekretär Flügge begrüßt 14. Bundestagung der Jugendarrestanstalten

Pressemitteilung vom 25.04.2005

Justizstaatssekretär Christoph Flügge besucht am Dienstag die 14. bundesweite Tagung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jugendarrestanstalten, die bis Donnerstag im St. Michaels-Heim in Berlin-Wilmersdorf stattfindet. Bestandteil des Programms sind Besichtigungen der Teilnehmer in der Jugendarrestanstalt Berlin und der brandenburgischen Jugendarrestanstalt in Königs-Wusterhausen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des allgemeinen Justizvollzugsdienstes, aber auch Fachleute aus den Bereichen des Psychologischen Dienstes, der Jugendgerichtsbarkeit, der Sozialarbeit sowie der Sozialpädagogik diskutieren im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema: Was wird vom Jugendarrest erwartet? Dabei soll auf die unterschiedlichen Anforderungen an den Jugendarrest durch Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe eingegangen werden. Außerdem befasst sich die Tagung mit Belohnungs- und Bestrafungssystemen im Jugendarrestvollzug im Allgemeinen und in der konkreten Anwendung vor Ort. Schließlich soll Bilanz gezogen werden, inwieweit die bundesweite Vereinheitlichung der Standards im Jugendarrest erreicht werden konnte, die auf der vorherigen Tagung im Rahmen einer Resolution beschlossen wurde.

Justizstaatssekretär Christoph Flügge:
„Ich freue mich, so viele fachkundige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Bundeshauptstadt Berlin zu begrüßen, die sich ein Bild vom Arrestvollzug in der Region Berlin/Brandenburg machen können. Die Vereinheitlichung der Standards im Arrestvollzug ist inzwischen gut vorangekommen. Solche Standards helfen, die vielen sinnvollen Maßnahmen des Arrestvollzuges mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. In Berlin brauchen wir uns da nicht zu verstecken. Wir führen ein engmaschiges Kompetenztraining durch, um die Arrestzeit zu strukturieren. Dabei geht es um Suchtabhängigkeit und Suchtfolgen, Schuldenregulierung, Konfliktmanagement, Ethik sowie Kontakt mit der Polizei. Außerdem finden PC-Grundschulungen statt.“

„Arrestvollzug heißt gerade nicht, dass wir die jungen Täterinnen und Täter einfach nur wegschließen,“ so der Staatssekretär weiter. „Vielmehr versuchen wir durch kompetente Betreuung individuell auf die jungen Menschen erzieherisch Einfluss zu nehmen und sie gezielt zu fördern. Wir unterstützen sie in der kurzen Verweilzeit im Arrest gezielt und eröffnen ihnen so Chancen für eine sinnvolle Zukunftsgestaltung nach dem Ende des Arrestes. Es liegt dann in der Verantwortung des Einzelnen, was er daraus macht.“

Mit einer Gesamtbelegungsfähigkeit von 34 Arrestplätzen gehört die Jugendarrestanstalt Berlin zu den größten Jugendarrestanstalten in Deutschland. Im Jahr 2004 wurden insgesamt 1.248 Jugendliche bzw. Heranwachsende aufgenommen, davon verbüßten 123 weibliche und 1.125 männliche Insassen Jugendarrest.
Der Vollzug des Jugendarrestes wird in Berlin erzieherisch gestaltet. Durch vielfältige sozialpädagogische Interventionen soll den Arrestantinnen und Arrestanten geholfen werden, die Schwierigkeiten zu bewältigen, die zur Begehung der Straftaten beigetragen haben.
Jugendarrest ist das strengste der im Jugendgerichtsgesetz vorgesehenen so genannten Zuchtmittel. Mildere Zuchtmittel sind die Verwarnung oder die Erteilung von Auflagen. Nur wenn kein Zuchtmittel mehr ausreicht, wird vom Gericht die strengste vorgesehene Sanktion, die Jugendstrafe, verhängt, die nicht in der Jugendarrestanstalt, sondern in der Jugendstrafanstalt vollstreckt wird.
Jugendarrest ist keine Strafe, er wird aber im Erziehungsregister vermerkt. Jugendarrest kann als Freizeitarrest für ein oder zwei Wochenenden, als Kurzarrest bis zu vier Tagen oder als Dauerarrest von einer bis zu vier Wochen verhängt werden.

Zusätzliche Informationen:
Die Jugendarrestanstalt Berlin (JAA Berlin) befindet sich seit Dezember 1995 am Standort Lichtenrade. Dort, nahe der Berliner Stadtgrenze, übernahm die JAA Berlin das leerstehende Gebäude der aufgelösten geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung „Haus Kieferngrund“. Seit dem Umzug erfolgten umfangreiche Renovierungsarbeiten. Im Herbst 2001 wurde im neuausgebauten Dachgeschoss des Hauses 1 eine zusätzliche Station eingeweiht. Damit konnte die maximale Gesamtbelegungsfähigkeit der JAA Berlin von 29 auf 35 Plätze gesteigert werden. In die JAA Berlin sind aufzunehmen bzw. einzuweisen: weibliche/männliche Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene, gegen die Jugendarrest zu vollstrecken ist; sowie männliche/weibliche Jugendliche und Heranwachsende, gegen die Erzwingungshaft gemäß § 96, 98 II OWIG angeordnet ist und die zum Zeitpunkt der Vollstreckung noch nicht 21 Jahre sind. Der Vollzug des Jugendarrestes wird erzieherisch gestaltet. Durch vielfältige sozialpädagogische Interventionen soll den Arrestanten/innen geholfen werden, die Schwierigkeiten zu bewältigen, die zur Begehung der Straftaten beigetragen haben.

Rückfragen:
Andrea Boehnke
Telefon: 030/9013-3633
E-Mail: pressestelle@senjust.verwalt-berlin.de