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„Berlin ist nicht Paris“

Pressemitteilung vom 07.11.2005

Der Beauftragte des Senats für Integration und Migration informiert:

Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening hat nach den nächtlichen Autobränden in Moabit davor gewarnt, Pariser Verhältnisse herbeizureden. Auch wenn einzelne Nachahmungstaten nicht auszuschließen seien, gebe es in Berlin keine Grundstimmung der Hoffnungslosigkeit wie in den französischen Vorstädten. Pienings Erklärung im Wortlaut:

„Es ist nicht auszuschließen, dass in Berlin einzelne Gruppen mit oder ohne Migrationshintergrund zu Nachahmungstaten ermuntert werden. Es ist aber auszuschließen, dass aus einem solchen Funken ein Flächenbrand wie in Frankreich wird.

Sicher gibt es gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund auch in Berlin große Probleme, einen Zugang zu Ausbildung und Arbeit zu finden. Aber trotzdem ist die Grunderfahrung Berliner Jugendlicher nicht durchgängig von Ausgrenzung geprägt. Die Berliner Einwandergruppen sind anerkannter Teil der städtischen Gesellschaft. Ihre Kultur hat das neue Berlin mitgeprägt. Aus den Einwanderern ist längst auch eine neue Mittelschicht gewachsen, die wichtige Anschlussmöglichkeiten und Rollenvorbilder liefert.

Es gibt in Berlin auch keine Politiker, die Zuwanderer als Gesindel bezeichnen und damit die Gefühle von Jugendlichen bestätigen, nicht Teil der Gesellschaft zu sein. Die Berliner Integrationspolitik setzt im Gegenteil auf die aktive Einbeziehung der Einwanderergemeinschaften in die Politik. Wie erfolgreich dieses auch zur Gewaltprävention ist, zeigt sich am Umgang mit den „traditionellen“ Kreuzberger 1. Mai-Unruhen. Als 2002 erkennbar war, dass die Randale für Migrantenkids attraktiv wurde, wurde eine enge Kooperation mit den türkischen und arabischen Communities aufgebaut. Diese Kooperation war eine der wesentlichen Gründe für den ruhigen Verlauf des 1. Mai 2005.
Auch gibt es in Berlin keine sich selbst überlassenen Banlieus am Rande der Stadt. Berlin hat frühzeitig begonnen, in den von den strukturellen Umbrüchen besonders betroffenen Stadtteilen durch Quartiersmanagement und andere Formen einer neuen Nachbarschaftsarbeit ein neues Wir-Gefühl zu schaffen. Auch hier sind die Organisationen der Einwanderer wichtige Brücken zu den jeweiligen Gemeinschaften.
Die beste Vorbeugung gegen die Wut der Ausgegrenzten ist, Ausgrenzung zu verhindern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Einwanderern und ihren Kindern gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht. Nur so kann eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit verhindert werden, die Voraussetzung dafür ist, dass aus einem Funken ein Flächenbrand wird.“

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John Röhe
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