Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Kommission legt Rahmenlehrplan Ethik vor

Pressemitteilung vom 04.11.2005

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit_

Die Kommission, die von der Bildungsverwaltung berufen worden ist, hat den Rahmenlehrplan für ein neues Fach Ethik erarbeitet. Bildungssenator Klaus Böger und Prof. Dr. Volker Gerhardt (Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin, Mitglied der Rahmenlehrplankommission) stellten heute den Entwurf der Öffentlichkeit vor.

Senator Klaus Böger dankte den Kommissionsmitgliedern für die Arbeit: „Dieser Entwurf ist eine gute Diskussionsgrundlage. Wichtig ist, dass dieses Fach eine Werteerziehung für alle in dieser Stadt ermöglicht. Sicher ist auch, dass ich eine Kooperation des Ethikunterrichtes mit den Angeboten für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für richtig und möglich halte. Ich hoffe, dass wir im Gespräch mit den christlichen Kirchen Wege finden werden.“
Eckpunkte des neuen Faches sind:

· Das Fach soll „Ethik“ heißen.

· Es wird einerseits religiös und weltanschaulich neutral unterrichtet, andererseits bilden die Grundwerte, wie sie im Grundgesetz, der Verfassung Berlins und im Schulgesetz von Berlin formuliert sind, die Grundlage.

· Es handelt sich um ein ordentliches Unterrichtsfach, das zweistündig an allen öffentlichen Schulen in der Sekundarstufe I unterrichtet wird. Das Fach wird ab Schuljahr 2006/07 ab Klasse 7 aufsteigend eingeführt.

· Im ersten Jahr werden ca. 400 Philosophielehrkräfte, Lehrkräfte aus dem Modellversuch
„Ethik-Philosophie“ und darüber hinaus solche, die an einer intensiven Fortbildung teilgenommen haben, das Fach unterrichten. Parallel dazu werden weitere Lehrkräfte zu Ethik-Lehrerinnen und -Lehrern fortgebildet.

· Es besteht keine Abwahlmöglichkeit zum Religions- und Weltanschauungsunterricht.

· Die Bezugswissenschaft ist die Philosophie, weil diese sich mit den Bedingungen menschlicher Existenz auseinandersetzt und den wissenschaftlichen Anspruch dieses Schulfaches sichert. Zudem ist Ethik seit den Anfängen der Philosophie vor ca. 2500 Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Philosophie.

Ziel des Faches Ethik ist die Ausbildung der ethischen Reflexions- und Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Die Schülerinnen und Schüler

· machen sich im Fach Ethik die eigenen Wertmaßstäbe bewusst, die die Grundlage ihrer Alltags- und Lebensentscheidungen bilden, und suchen im Gespräch mit anderen nach Gründen und Verallgemeinerungen. Dadurch lernen sie eigene Positionen zu begründen, erkennen bzw. entwickeln Prinzipien ihres Handelns und können eigene Wertmaßstäbe gewinnen.

· erkennen die Bedeutung, die ethische Fragestellungen und Themen für ihr eigenes Leben und für das gesellschaftliche Leben haben.

· lernen grundlegende ethische Theorien, Positionen und Modelle aus der Philosophie, den Weltanschauungen und den Religionen kennen,

Der Rahmenlehrplanentwurf für das Fach Ethik ist – wie auch die übrigen Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufe I – kein Stoffplan. Er schreibt nicht detailliert vor, welche Themen im Unterricht behandelt werden sollen, sondern er gibt Kompetenzen und sechs Themenfelder vor (wie z.B. Identität, Freundschaft, Glück), die unter drei verschiedenen Fragestellungen bearbeitet werden sollen:

· Welche Bedeutung hat das Thema für das persönliche Leben?
· Welche Bedeutung hat das Thema für das gesellschaftliche Zusammenleben?
· Welche kulturelle, philosophische, religiöse, weltanschauliche Bedeutung hat das Thema?

Die Lerngruppe muss sich – unter Anleitung der Lehrkraft – darüber verständigen, welche konkreten Themen sie bearbeitet. Dazu bieten sich Fragen der persönlichen Lebensgestaltung und individuelle und gesellschaftliche Konflikte an. Da moralische Haltungen nicht beurteilt werden können und dürfen, wird im Rahmenlehrplan als Leistungskriterium einmal das Wissen über gesellschaftliche (rechtliche bzw. politische) Bedingungen und über philosophische, weltanschauliche und religiöse Positionen bewertet. Zum anderen sind methodische Fertigkeiten und die Fähigkeit gefordert, ethische Positionen im Unterrichtsgespräch und in schriftlichen Äußerungen zu diskutieren.

Der Erfolg des Schulfaches Ethik hängt wesentlich davon ab, inwieweit die im Unterricht geförderte Reflexions- und Dialogfähigkeit, insbesondere in Konfliktsituationen, vom Elternhaus unterstützt wird.
In §10 und §11 des Berliner Schulgesetzes ist das Verfahren der Erarbeitung von Rahmenlehrplänen geregelt: Die Kommissionen, die sich aus Fachdidaktikern, Schulpraktikern und Fachwissenschaftlern zusammensetzen, werden von der Senatsverwaltung für Bildung einberufen. Das LISUM koordiniert nach Vorgaben der Schulaufsichtsbehörde die Rahmenlehrplanarbeit. Der Rahmenlehrplan wird nach einer fachlichen Prüfung von der Senatsverwaltung für Bildung als Verwaltungsvorschrift erlassen. Nach der ersten Diskussion des Entwurfs in der Senatsverwaltung steht der Plan nun zur öffentlichen Diskussion im Internet bereit. In einer Überarbeitungsphase wird dann bis zum Februar 2006 die endgültige Fassung erstellt.

Parallel dazu wird Senator Klaus Böger einen Gesetzentwurf zur Änderung des Schulgesetzes vorlegen. Nach Anhörung der Interessenverbände und des Landesschulbeirats und der Beratung im Senat ist eine Beschlussfassung über den Gesetzentwurf im Abgeordnetenhaus für das Frühjahr 2006 vorgesehen. Klaus Böger: „Es bleibt unser Ziel, im nächsten Schuljahr mit Ethik in den 7. Klassen zu beginnen. Wir liegen gut im Plan.“

Der Rahmenlehrplan ist ab heute im Web unter www.lisum.de (unter Rahmenlehrpläne, Sekundarstufe I) einsehbar.

Rückfragen:
Pressesprecher
Telefon: 9026 5846
E-Mail: pressestelle@senbjs.verwalt-berlin.de