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SCHMITZ-REDE BEI EINWEIHUNG DES LIEBERMANN-GRABGITTERS

Pressemitteilung vom 15.12.2004

Sperrfrist: Heute, 11 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, Staatssekretär André Schmitz, hält heute auf der um 11 Uhr beginnenden Einweihungsfeier für das rekonstruierte Grabgitter am Grab von Max Liebermann auf dem Jüdischen Friedhof, Schönhauser Allee 22 (10435 Berlin) die folgende Rede (Fototermin).

Schmitz sagte laut Manuskript: “Friedhöfe sind Ort der Ruhe und der Einkehr. Aber es gibt nur wenige Orte in Berlin, die so abgeschieden, so in sich gekehrt und meditativ wirken wie dieser hier. Der Jüdische Friedhof an der Schönhauser Allee war Jahrzehnte lang ein Symbol des deutsch-jüdischen Zusammenlebens in Berlin: Von der großen Tradition des jüdischen Berliner Bürgertums zeugen hier zahlreiche Gräber bedeutender Berliner Persönlichkeiten und Familien. Ich nenne nur die des Komponisten Giacomo Meyerbeer, des Verlegers Leopold Ullstein, des Bankiers, Ludwig Max Goldberger, des Philologen Leopold Zunz und der Familie, deretwegen wir heute hier sind: die Familie Liebermann.

Dieser Friedhof steht auch für die Katastrophe der Nazi-Zeit: Er wurde durch die Nazis und durch Bombeneinschläge verwüstet. Und nach dem Krieg wurde dieser Ort mit seinen umgestürzten und zerfallenden Grabsteinen zu einem Mahnmal für das Leid, für die Schändung und für die Entehrung, die jüdischen Berlinerinnen und Berlinern wiederfahren ist.

Zugleich hat dieser Ort seine einzigartige Schönheit bewahrt, die an jene glanzvolle Zeit deutsch-jüdischer Symbiose erinnert. Und dass dieser Eindruck blieb , ist ein Verdienst der denkmalpflegerisch klugen Restaurierungsarbeiten. Inzwischen liegt dieser Friedhof inmitten eines ungeheuer lebendigen Kiezes. Nach der Wende ist hier neues Leben eingezogen. Und wir können mit großem Glück feststellen: Auch jüdisches Leben ist hierher zurückgekehrt. Wir haben kürzlich erst die Synagoge in der Rykestraße nach ihrer Restaurierung und Modernisierung eingeweiht. Es gibt hier neues geistliches Leben, jüdische Kultur, aber auch ganz normales jüdisches Alltagsleben, so alltäglich und normal wie das anderer Kulturen hier in Berlin.

Und dass dies hier in Berlin wieder möglich ist, dass es in dieser Stadt sowohl glanzvolle jüdische Kultur, als auch ganz normalen jüdischen Alltag gibt, darauf sind wir sehr stolz. Wir wissen um unsere große Verantwortung. Wir werden alles tun, damit jüdisches Leben in Berlin lebenswert bleibt und dass Verfolgung und Diskriminierung keine Chance haben.

Dieser Ort hier ist uns eine Mahnung und ein Ansporn zugleich. Und natürlich auch die Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das gilt natürlich besonders für das Grabmal der Familie Liebermann, deren berühmtester Spross der Maler Max Liebermann ist. Wir erleben ja zur Zeit eine wahre Liebermann-Renaissance. Und damit meine ich nicht eine Wiederentdeckung seiner Kunst – die konnte sich stets großen Zuspruchs erfreuen.

Nein, ich denke vielmehr an die Pflege seines reichen Erbes in Berlin und an die Wiederentdeckung seiner Lebenslinien in dieser Stadt. So entstand das Liebermann-Haus am Pariser Platz neu. Und am Wannsee hat sich eine ungeheuer erfolgreiche Bürger-Initiative daran gemacht, die imposante Villa und den wunderschönen Park wiederherzustellen.

Gerade mit dem Namen Liebermann ist ein breites bürgerschaftliches Engagement verbunden. Das ist besonders positiv. Denn es zeigt, dass jüdisches Leben und jüdische Kultur in Berlin auf großes öffentliches Interesse und Teilnahme stößt.

Als Politiker kann man die positiven Perspektiven jüdischen Lebens in Berlin und in Deutschland vielfach beschwören. Aber entscheidend ist doch, dass die Gesellschaft selbst diese Perspektiven trägt, dass sie sich engagiert und aufgeschlossen zeigt für jüdisches Leben. Und daran zu erinnern ist gerade jetzt wichtig, wo Rechtsradikale Wahlerfolge haben.

Es gibt eine stabile Perspektive für jüdisches Leben. Aber wir müssen wachsam sein und wehrhaft sein gegen alle Formen des Antisemitismus.

Gerade das Beispiel Liebermann – und ich könnte auch das Beispiel Mendelssohn nennen – zeigt, welchen Wert bürgerschaftliches Engagement für die Grundwerte einer Gesellschaft, für Freiheit und Demokratie hat.

Und das können wir auch heute erleben, bei der feierlichen Einweihung des rekonstruierten Grabgitters für die Grabstätte Liebermann hier auf dem jüdischen Friedhof Schönhauser Allee.

Ich danke Herrn Professor Cramer von der Axel Springer Stiftung für sein großes Engagement und dafür, dass er den größten Teil der Mittel für eine weitgehend authentische Herstellung des Grabgitters aufgetrieben hat. Mein Dank geht an das Landesdenkmalamt, das sehr engagiert die Pflege jüdischer Friedhöfe betreibt – nicht nur hier, sondern auch in Weißensee – und das auch bei der Instandsetzung der Liebermann-Villa und des Gartens Großartiges leistet. Mein Dank geht ferner an alle Beteiligten, die mitgewirkt haben, dass wir heute hier diese kleine Feier abhalten konnten. Und ich hoffe und wünsche mir, dass es noch zahlreiche Anlässe gibt für derartige feierliche Zusammenkünfte.”
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