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SCHUBERT: BÜRGERENGAGEMENT IST EIN GEWINN FÜR STÄDTE

Pressemitteilung vom 02.12.2004

Sperrfrist: 2. Dezember 2004, 15 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Die Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Justiz, Karin Schubert, begrüßt am 2. Dezember 2004 um 15.00 Uhr im Hotel Dorint Schweizerhof die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ersten internationalen Kongresses von Bürgerstiftungen, der bis zum 5. Dezember 2004 in Berlin stattfindet. Der Kongress geht auf eine Initiative von WINGS zurück, einem weltweiten Zusammenschluss von Stiftungen, die vor allem gemeinnützige Organisationen bei ihrer Arbeit unterstützen. Mit dieser Veranstaltung soll das Bürgerstiftungswesen weltweit gestärkt werden. Berlin ist auf dem Kongress durch die Bürgerstiftung Berlin sowie durch die in Gründung befindliche Bürgerstiftung Neukölln vertreten.

Am 3. Dezember 2004 gibt die Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Dr. Heidi Knake-Werner, um 19 Uhr einen Empfang für die Repräsentanten der Bürgerstiftungen. Im Rahmen der Veranstaltung im Louise-Schroeder-Saal im Roten Rathaus findet eine international besetzte Podiumsrunde mit Vertretern von jeweils einer Bürgerstiftung eines jeden Kontinents statt. Die Diskussion wird geleitet von Christoph von Marschall, Tagesspiegel.

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Bürgermeisterin Karin Schubert führt anlässlich der Eröffnung des Internationalen Kongresses von Bürgerstiftungen am 2. Dezember laut Redemanuskript unter anderem aus:

„Ich freue mich sehr, dass der erste weltweite Kongress von Bürgerstiftungen in Berlin stattfindet, und ich heiße Sie im Namen des Regierenden Bürgermeisters herzlich willkommen in der deutschen Hauptstadt. Wir verstehen es als große Ehre, Gastgeber Ihres Kongresses sein zu dürfen.

Bürgerstiftungen haben in manchen Teilen der Welt bereits eine lange Tradition, ganz besonders im angelsächsischen Raum. Es ist beeindruckend, was hier über viele Jahrzehnte gewachsen ist. Bürgerstiftungen sind zu wichtigen Akteuren der zivilen Gesellschaft geworden und sie verbinden drei für die Gesellschaft zentrale Anliegen miteinander: Sie schaffen einen Rahmen für bürgerschaftliches Engagement vor Ort für das Gemeinwesen. Sie schaffen einen Kapitalstock, der erhalten bleibt; damit entsteht eine Brücke zu den nachfolgenden Generationen. Und Bürgerstiftungen lassen soziales Kapital entstehen und fördern so den Zusammenhalt.

Manche von Ihnen werden Berlin von früheren Besuchen kennen und feststellen: Die Stadt hat ihr Gesicht verändert. Die ehemals geteilte Stadt ist in den Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer vor genau 15 Jahren zusammengewachsen.

Die Überwindung der Mauer und die wiedergewonnene Einheit ist wie ein Wunder, das wir selbst auch 15 Jahre danach noch immer bestaunen. Ganze Stadtteile wurden neu gebaut und wir haben die Infrastruktur zusammengeführt. Berlin war in den 90er Jahren die größte Baustelle Europas. Gebaut wird immer noch eine Menge.

Berlin ist aber auch im übertragenen Sinne eine Baustelle: Bis 1989 haben beide Stadthälften Jahrzehnte lang von enormen staatlichen Subventionen gelebt, weil sie jeweils Vorzeigestädte ihrer Systeme waren: der Osten der Stadt als Aushängeschild des sozialistischen Ostblocks, der Westteil als Leuchtreklame der freien Welt.

Seit der wiedergewonnenen deutschen Einheit haben sich die Rahmenbedingungen für Berlin fundamental verändert. Berlin muss jetzt finanziell auf eigenen Beinen stehen. Nicht mehr der fürsorgliche Staat erledigt alles, sondern auf die Bürgerinnen und Bürger kommt es an.

Und wenn ich von der Baustelle Berlin spreche, meine ich genau diesen mentalen Wandel. Berlin ist dabei, den Wert einer aktiven Bürgerschaft für sich zu entdecken, den Wert von bürgerschaftlichem Engagement. Und das reicht von der Nachbarschaftshilfe über das Engagement in den Kirchen, in den politischen Parteien oder in Bürgerinitiativen bis hin zum Engagement von Stiftern und Mäzenen für Kultur, Wissenschaft oder Bildung.

Jede Bürgerin, jeder Bürger, der sich für seine Stadt engagiert, ist ein Gewinn. Und weil wir mitten in diesem Prozess sind, in dem sich ein neues Verhältnis zwischen Staat und Bürgern entwickelt, ist es so wichtig für uns zu sehen: Berlin ist nicht allein. Da sind ganz viele Städte und Regionen in der Welt, in denen sich eine aktive Bürgerschaft – zum Beispiel – in Bürgerstiftungen engagiert.

Wir sind sehr froh, dass es auch in Berlin eine Bürgerstiftung gibt und dass die Idee nun auch die Bezirke erfasst. Denn in Neukölln, einem unserer zwölf Bezirke, gibt es eine sehr aktive Initiative, die demnächst eine weitere Bürgerstiftung gründen möchte.

Mich beeindrucken die Bürgerstiftungen in Berlin, besonders die junge Initiative in Neukölln. Sie sind – gemessen an der großen und langjährigen Tradition vieler ihrer Vorbilder – immer noch zarte Pflänzchen. Und doch sind sie für viele Menschen zu Hoffnungsträgern geworden.

Im Sommer konnte die Bürgerstiftung Berlin auf ihr fünfjähriges Bestehen zurückblicken. Ich habe dabei sehr viel über deren wichtige Arbeit für Kinder und Jugendliche in der Stadt erfahren. Zum Beispiel über ein Projekt ‚LeseLust‘, bei dem Migrantenkinder spielerisch beim Erwerb der deutschen Sprache gefördert werden und wo in ihnen allmählich die Lust am Lesen geweckt wird. Was gibt es Schöneres und Wichtigeres, als Kinder dabei zu erleben, wie sie ein Stück einer ihnen unbekannten Welt für sich entdecken und dabei quasi nebenbei ihre Chancen in dieser Gesellschaft verbessern.

Gerade vor vier Wochen habe ich an einer Großveranstaltung der Bürgerstiftung Neukölln teilgenommen. Auch da sprang bei mir sofort der Funke über. Denn was ich erlebte, war eine ermutigende Initiative, die in sehr kurzer Zeit enormen Schwung gewonnen hat und in diesem multiethnischen Bezirk Neukölln vor allem eines geschafft hat: Menschen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern zu einer fröhlichen Zusammenarbeit für das Gemeinwesen anzustiften. Die in Gründung befindliche Stiftung hat erstmals einen Neuköllner Bürgerpreis verliehen und dabei eine programmatische Entscheidung getroffen: Sie hat eine Gruppe ausgezeichnet, die sich ‚Mieter kochen für Mieter‘ nennt. In einem Gebiet, das sonst regelmäßig wegen Gewalt und sozialer Probleme genannt wird, gibt es einmal in der Woche eine große Tafel. Alle Mieter sind aufgefordert, nach ihren Heimatrezepten für ihre Nachbarn zu kochen. Die Mieter stammen aus über 60 Nationen und das ‚Rezept‘ des Füreinanderkochens geht auf. Regelmäßig nehmen bis zu 100 Bewohner teil – Menschen aus aller Herren Länder.

Ich habe Ihnen von diesen zwei Beispielen erzählt, weil sie Ihnen zeigen sollen: Sie sind in eine Stadt gekommen, in der sich Menschen auf den Weg gemacht haben, Bürgerstiftungen aufzubauen. Ihre Anwesenheit ist dafür eine zusätzliche Ermutigung und Stärkung ihres Engagements.

Sie alle wissen aus eigener Erfahrung: Der Aufbau von Bürgerstiftungen ist ein langer Prozess. Ich wünsche mir von Ihrem internationalen Kongress, dass er der weltweiten Bürgerstiftungs-Bewegung nachhaltigen Rückhalt gibt und dass gerade die kleinen, jungen Bürgerstiftungen durch ein solches Treffen Motivation, Anregungen und Hilfe erhalten. Zarte kleine Pflänzchen wachsen bekanntlich nicht von selbst.

Nochmals: Ich freue mich sehr, dass Sie nach Berlin gekommen sind und wünsche Ihnen viele gute Begegnungen auf dem Kongress, viele frische Anregungen für Ihre tägliche Arbeit in Ihren Bürgerstiftungen und im Ergebnis einen neuen Grad an internationaler Vernetzung.

Ich wünsche Ihnen schließlich auch ein wenig Zeit, um etwas von dieser spannenden Stadt zu sehen. Ein Blick in das reichhaltige Kulturprogramm lohnt in jedem Fall. Ich kann es nur empfehlen.“

Weitere Informationen zum Kongress sind im Internet unter [[http://www.cfsymposium.org|http://www.cfsymposium.org]] zu finden. – - – - -

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