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SCHUBERT: VERANTWORTUNG FÜR DAS GESTERN, DAS HEUTE UND DAS MORGEN

Pressemitteilung vom 27.01.2004

Es gilt das gesprochene Wort!
Sperrfrist: 27. Januar 2004, 14.00 Uhr

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Die Bürgermeisterin von Berlin, Karin Schubert, führt in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters anlässlich der Einweihung einer Gedenkstätte für die Opfer der Zwangsarbeit auf dem Parkfriedhof Marzahn am 27. Januar 2004 unter anderem aus:

„Überall in Deutschland wird am 27. Januar in vielfältiger Art der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Auch wir haben uns hier versammelt, um uns zu erinnern, um Verantwortung für die Gegenwart und für die Zukunft zu übernehmen. Wir tun dies an einem Ort, an dem 1.400 Kinder, Frauen und Männer, die Zwangsarbeit im Deutschen Reich leisten mussten, ihre letzte Ruhestätte fanden.

Wir verneigen uns vor den Toten. Wir schließen die Überlebenden und ihre Vertreter, wie Frau Rotkiewicz und Herrn Pedak, in unsere Arme. Wir versprechen uns und der Welt an einem solchen Tage einmal mehr, dass wir alles tun wollen, das geschehene Unrecht wieder gutzumachen und Leid zu lindern. Vor allem versprechen wir uns und der Welt, alles zu tun, damit sich die Barbarei nicht wiederholt.

Überall in Berlin waren in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter im Einsatz. Es waren Menschen aus über 20 Nationen und von Gruppen, die in Deutschland ausgegrenzt und verfolgt wurden. Unter oft unmenschlichen Bedingungen wurden sie ausgebeutet, missbraucht, geschunden. Viele bezahlten den Einsatz mit dem Tod. Gedenktafeln in zahlreichen Berliner Bezirken erinnern heute daran, bewahren das Gedenken an das Leid, das den Zwangsarbeitern zugefügt wurde.

Die Gründung der Stiftung ‚Erinnerung, Verantwortung und Zukunft‘ war ein Impuls, der nicht nur den Betroffenen in vielen Ländern die Hoffnung gab, dass ihnen nun Gerechtigkeit widerfahren würde, es war auch ein Impuls, der ganz im Sinne der Stiftung dazu führte, dass sich viele erstmals im eigenen lokalen Umfeld mit diesem Unrecht beschäftigten. Hier in Marzahn-Hellersdorf beispielsweise nahmen sich die Bezirksverordneten dieses Themas an, die Bezirksgeschichte, die Heimatgeschichte wurde aufgearbeitet.

Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf und der Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis begannen mit vielfältigen Initiativen, sich für die Schaffung eines Denkmals zu engagieren.

Sie trugen diesen Gedanken in den Bezirk, schufen einen Rahmen für das gemeinsame Erinnern und die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung für eine humane Zukunft. Das, was die beiden Vereine erreichten, ist ein Gemeinschaftswerk. Es steht für bürgerschaftliches Engagement ebenso wie dafür, Verantwortung für das Gestern, das Heute und das Morgen zu übernehmen. 68 Bürgerinnen und Bürger, Betriebe, Institutionen und Einrichtungen haben sich mit ihrer Spende am Denkmal für die Zwangsarbeiter, welches wir heute enthüllen wollen, beteiligt.

Mit dem Werk von Michael Klein wird nicht nur jenen, die hier beigesetzt wurden, ein Denkmal gesetzt, wir weihen heute am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus zugleich ein Mahnmal ein, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung.

Dieser Ort hier in Marzahn spiegelt auf vielfältige Weise Jahre leidvoller Geschichte wider. Auf diesem Friedhof sind russische und deutsche Soldaten begraben, erinnert ein Gedenkstein an die Verfolgung der Sinti und Roma, wird das Andenken an die Bombenopfer lebendig gehalten und mit dem heutigen Tag findet die bleibende Erinnerung an die Zwangsarbeiter hier einen würdigen Ort.

Ich wünsche mir, dass dies hier ein lebendiger Denkort sein wird. Ich bin sicher, hier wird es zu Begegnungen kommen zwischen Angehörigen der Zwangsarbeiter und zwischen Berlinerinnen und Berlinern, hier werden junge Menschen nicht nur an Gedenktagen wie heute aus der Begegnung mit der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Im Namen des Senats von Berlin und insbesondere des Regierenden Bürgermeisters danke ich allen, die ihren Beitrag für dieses Denkmal geleistet haben.“

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