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WOWEREIT-REDE AUS ANLASS DER 100-JAHR-FEIER DER SYNAGOGE RYKESTRASSE

Pressemitteilung vom 10.09.2004

Sperrfrist: 12. September 2004, 11 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, spricht am Sonntag, 12. September 2004, ein Grußwort zur 100-Jahr-Feier in der Synagoge Rykestraße. Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin veröffentlicht den Text auf Grundlage des Redemanuskripts.

„Dies ist heute ein großer Tag – für die Jüdische Gemeinde, aber auch für Berlin insgesamt. Denn die heutige Feier gilt dem 100-jährigen Bestehen der größten Berliner Synagoge hier in der Rykestraße. Eine Zeitung titelte kürzlich: ‚Die älteste Synagoge Berlins hat wieder Zukunft‘. Das ist eine gute Nachricht. Und sie lässt sich für Berlin insgesamt treffen: Jüdisches Leben hat in Berlin wieder eine Zukunft. Darauf sind wir stolz. Und wir sind auch darauf stolz, dass sich jüdisches Leben selbstbewusst in der Stadt zeigt.

Wir haben im Frühjahr den Grundstein für das Jüdische Bildungs- und Familienzentrum Szloma Albam gelegt. Bei dem feierlichen Akt mit dabei war der israelische Oberrabbiner Metzger. Seit einem Jahr bereichert das kleine, aber feine amerikanisch-jüdische Touro-College Berlins Hochschul-Landschaft. Und wie zu hören ist, gibt es dort große Erweiterungspläne.

Morgen feiert das Jüdische Museum seinen dritten Geburtstag. Der Libeskind-Bau war ja schon eine Attraktion, bevor Michael Blumenthal und sein Team dieses Haus bespielten. Aber wer hätte gedacht, dass binnen drei Jahren mehr als zwei Millionen Menschen in dieses Haus strömen würden? Das sind starke Indizien, die zeigen: Das Interesse an jüdischem Leben und jüdischer Kultur in Berlin ist ungebrochen.

Und wenn ich eingangs gesagt habe, dass jüdisches Leben in Berlin eine Zukunft hat, dann liegt das vor allem an Berlins Jüdinnen und Juden selbst: Jüdisches Leben und jüdische Kultur spielen sich nicht auf versteckten Hinterhöfen ab, sondern in der Öffentlichkeit und vorzugsweise dort, wo Berlin am lebendigsten ist. Also etwa rund um die Neue Synagoge im einstigen Scheunenviertel oder auch hier rund um den Kollwitzplatz, in einem der angesagtesten Quartiere der Stadt.

Wir erleben es hier in der Rykestraße, aber auch an vielen anderen Orten: Jüdisches Leben ist, was es schon vor der Nazi-Zeit war: eine große Bereicherung für Berlin!

Ich denke da auch an die große Tradition bürgerschaftlichen Engagements in dieser Stadt, eine Tradition, die mit den Namen zahlreicher jüdischer Familien verbunden ist und die mit der Nazi-Zeit abgerissen war. Aber jetzt erleben wir, wie diese Tradition wieder auflebt. Ich denke da an jüdische Mitbürger und jüdische Stiftungen, die in Berlin tätig werden. Ich denke auch an Männer wie Heinz Berggruen und Helmut Newton, die vor den Nazis fliehen mussten, nach Berlin zurückkehren und ihren Sammlungen hier in ihrer alten Heimatstadt eine neue Heimat geben.

Und dazu passt auch, dass Berlins Juden sich auch in öffentlichen Debatten zeigen, dass sie engagiert Stellung beziehen und dafür sorgen, dass auch die jüdischen Stimmen in und aus Berlin deutlich zu vernehmen sind. Darüber freuen wir uns und dafür sind wir dankbar. Und wir werden alles tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Wir sehen voll Sorge, dass Juden in Berlin nach wie vor Opfer werden von Beschimpfungen und Übergriffen. Wir müssen erleben, wie jüdische Friedhöfe geschändet und jüdische Einrichtungen bedroht werden. Wir müssen registrieren, dass Parteien wie die NPD wieder mehr Zuspruch erfahren. Deshalb bleibt es für uns alle eine dauerhafte Aufgabe, allen antisemitischen Bestrebungen entgegenzuwirken. Und das betrifft nicht nur die Politik, die Parteien und die jüdische Gemeinde. Sondern alle Berlinerinnen und Berliner sind aufgerufen, sich antisemitischer Hetze im Alltag entgegenzustellen.

Wir werden das neu aufgeblühte jüdische Leben in Berlin verteidigen gegen all jene, die es am liebsten unsichtbar machen wollen. Wir werden sicherstellen, dass sich Juden in Deutschland und in Berlin wohl und sicher fühlen. Das muss uns gerade heute klar sein, da wir den 100. Geburtstag dieser prachtvollen Synagoge feiern. 2.000 Menschen finden in diesem Gotteshaus Platz. Das zeigt, von welcher Zuversicht seine Erbauer vor 100 Jahren getragen waren. Diese Zuversicht und diese Lebensfreude sind nach Berlin zurückgekehrt. Wir werden alles tun, damit das so bleibt.“ – - – - -

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