WOWEREIT VERLEIHT BERLINER LANDESORDEN

Pressemitteilung vom 13.10.2004

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, verleiht am Freitag, 1. Oktober 2004, 18.00 Uhr, im Festsaal des Berliner Rathauses in Anerkennung und Würdigung hervorragender Verdienste um die Stadt Berlin an zwölf Persönlichkeiten den Verdienstorden des Landes Berlin.

Geehrt werden: Renate Bremmert, Dr. Alexander Brenner, Andreas Freudenberg, Werner Gegenbauer, Gerhard Hentrich, Alexander Iljinskij, Jochen Kowalski, Gisela Mießner, Anett Szabó, Dr. Reinhard Uppenkamp, Jutta Wachowiak, Dr. Brigitte Walz.
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Renate Bremmert

Renate Bremmert tritt seit fast zwanzig Jahren als Frauenbeauftragte des Bezirks Neukölln für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Sie erkämpfte strukturelle Verbesserungen für Mädchen und Frauen ihres Bezirks. Zu den Projekten, an denen sie maßgeblich beteiligt war, gehören: die erste Mädchenetage Berlins (1987), das Haus „Szenenwechsel“ in der Donaustraße, Zufluchtswohnungen, der 1991 eröffnete Frauentreffpunkt „Schmiede“ und das 2001 eröffnete „Frauenwirtschaftszentrum Neukölln“. Ihr Engagement reicht von der bezirklichen über die Landes- bis zur Bundesebene. Sie verhalf damit dem Amt der Frauenbeauftragten zu allgemeiner Anerkennung und politischer Akzeptanz.

Dr. Alexander Brenner

. Alexander Brenner war von 2001 bis 2004 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. In dieser Funktion hat er es verstanden, zwischen liberalen und orthodoxen Kräften zu vermitteln und durch die Aufnahme vieler neuer Mitglieder aus Osteuropa den notwendigen Umorientierungs- und Integrationsprozess der Gemeinde positiv zu gestalten. Es ist ihm vor allem gelungen, diese Zugewanderten vermehrt für die Gemeindearbeit zu gewinnen und in Berlin zu integrieren.

Andreas Freudenberg

Andreas Freudenberg ist seit 1994 Geschäftsführer der Werkstatt der Kulturen der Welt. Er setzt sich erfolgreich für die kulturelle Präsens der in der Stadt lebenden Migrantinnen und Migranten sowie für ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ein. Es ist ihm gelungen, die Werkstatt der Kulturen zu einem Forum des interkulturellen und interreligiösen Dialogs zu entwickeln. Maßgeblich durch ihn ist die Werkstatt zu dem geworden, was sie heute ist: ein bedeutender kultureller Treffpunkt Berlins mit einer Ausstrahlung, die weit über die Stadt hinausgeht. Z. B. der „Karneval der Kulturen“, das „Kulturfest am Kulturforum“ zur Jahrtausendwende oder das Bezirksfestival „48 Stunden Neukölln“.

Werner Gegenbauer

Der Unternehmer Werner Gegenbauer legt besonderes Gewicht auf ehrenamtliches Engagement. Seit 1982 Vorsitzender der Tarifkommission der Gebäudereiniger-Innung Berlin, seit 1994 Vorstandsvorsitzender des bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg e.V. und Mitglied der Vollversammlung der IHK. 1997 wurde er aufgrund seiner umfangreichen Erfahrungen und seines profunden Wissens zum Präsidenten der IHK gewählt. Oberste Priorität hat für Werner Gegenbauer der Abbau der Arbeitslosigkeit. Während seiner Amtszeit, die vor wenigen Monaten zu Ende ging, konnte die Zahl der Ausbildungsbetriebe wesentlich gesteigert und zahlreiche Ausbildungsverordnungen den Erfordernissen angepasst werden. Er ist Mitglied des Wirtschaftsbeirates des Landessportbundes Berlin und unterstützte die Bewerbungen der Stadt um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2000 und die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2005. Er koordiniert die Bewerbung Berlins für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Jahre 2009.

Gerhard Hentrich

1981 gründete Gerhard Hentrich die Edition Hentrich und setzt sich mit seinem Verlag und in der von ihm betreuten „Schriftenreihe deutscher Vergangenheit“ für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein. Die Gedenkstätte der Wannsee-Konferenz und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand sind durch die verlegerische Betreuung ihrer Schriftenreihen eng mit Gerhard Hentrich verbunden. Das Herstellen und Herausgeben von Büchern, die nationalsozialistische Verfolgung thematisieren und helfen, dieses Unrecht nie zu vergessen, wurden Gerhard Hentrich zur Passion und Verpflichtung zugleich. Er hat damit einen wichtigen Beitrag zur Festigung der Demokratie geleistet.

Alexander Iljinskij

Alexander Iljinskij arbeitete als Produzent von Rock- und Popmusik und war von 1983 bis 1988 Musikdramaturg am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. 1988 begann er seine Arbeit am Friedrichstadtpalast und wurde schließlich 1993 zu dessen Intendanten berufen. Alexander Iljinskij ist es in seiner Zeit als Intendant des Friedrichstadtpalastes gelungen, dieses traditionsreiche Haus als größtes und erfolgreichstes Revuetheater Europas zu etablieren. Er hat seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus hinterlassen. Die durch sein Wirken ausgehenden Impulse zur Mitgestaltung einer europäischen Theaterkultur trugen nicht nur zum Dialog zwischen nationalem und internationalem Publikum und Künstlern bei, sondern auch zu einem konstruktiven Dialog zwischen Ost und West.

Jochen Kowalski

1982 debütierte Jochen Kowalski 1982 bei den Händel-Festspielen in Halle und wurde bereits ein Jahr später nach bestandenem Staatsexamen als Solist an die Komische Oper verpflichtet. 1994 wurde ihm der Ehrentitel „Berliner Kammersänger“ verliehen.
Die internationale Karriere von Jochen Kowalski hat sich von Berlin aus kontinuierlich entwickelt. Sein Weg führte ihn an die größten Opernbühnen der Welt. Er ist ein international begehrter Konzertsänger. Als Altus zählt er zu den hervorragendsten Vertretern in diesem seltenen Fach und genießt weltweit hohes Ansehen. Durch seine außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen gehört Herr Kowalski zu den Künstlerpersönlichkeiten, die Berlin international repräsentieren.

Gisela Mießner

Gisela Mießner zeichnet sich durch Zivilcourage während der Diktatur des Nationalsozialismus sowie durch beispielhaftes politisches und soziales Engagement aus. Sie ist die Tochter eines jüdischen Getreidehändlers und dessen nichtjüdischer Ehefrau. In Berlin wurde Gisela Mießners Vater während der so genannten Fabrik-Aktion 1943 verhaftet. In tagelangen Demonstrationen wehrten sich Ehefrauen, Kinder und andere Verwandte mit Erfolg gegen die Inhaftierung. Die Gefangenen wurden freigelassen. Gisela Mießner war eine dieser tapferen Frauen. Nach Kriegsende trat sie in Lichtenberg in die SPD ein, um sich aktiv am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu beteiligen. 1946 beteiligte sich Gisela Mießner am Widerstand gegen die Zwangsvereinigung SPD/KPD. Im Mai 1946 wurde sie Mitglied der in Ost-Berlin erneut zugelassenen SPD. Sie engagierte sich insbesondere für Jugend- und Frauenfragen. 1956 zog Gisela Mießner mit ihrer Familie nach West-Berlin und trat kurz darauf in die Arbeiterwohlfahrt ein, in der sie noch heute aktiv tätig ist.

Anett Szabó

Anett Szabó arbeitet seit 1996 in der Werkstatt der Kulturen der Welt und ist gemeinsam mit Dr. Brigitte Walz für die erfolgreiche Organisation und Durchführung des Karnevals der Kulturen verantwortlich. Die bemerkenswerte Entwicklung des Karnevals der Kulturen zu einem Symbol des multikulturellen, toleranten und kreativen Berlin ist das Ergebnis einer sorgfältigen und kontinuierlichen Arbeit des Projektbüros. Anett Szabó führte Hunderte Akteure aus den verschiedensten Berliner Zuwanderergruppen in dieser gemeinsamen kulturellen Großveranstaltung zusammen.

Dr. Reinhard Uppenkamp

Dr. Reinhard Uppenkamp ist Vorstandsvorsitzender der Berlin-Chemie AG. Durch die unternehmerischen Leistungen Dr. Uppenkamps wurden dauerhaft Wachstum und Beschäftigung im strukturschwachen Ostteil der Stadt gefördert. Berlin-Chemie gehört heute zu den größten Arbeitgebern Berlins und ist nach der Schering AG das zweitgrößte Unternehmen der für Berlin sehr wichtigen Pharmabranche. Das Unternehmen beteiligt sich an der Initiative „Ausbildung jetzt“ und wurde von der IHK als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb mehrfach ausgezeichnet. Es setzt sich maßgeblich für die Verbesserung von Berufschancen für Jugendliche ein. Darüber hinaus unterhält die Berlin-Chemie AG eine geschützte Werkstatt, in der 34 körperlich und geistig behinderte Menschen in modernen Räumen betreut, sinnvoll beschäftigt und therapiert werden. Dr. Uppenkamp knüpfte zahlreiche Geschäftsbeziehungen zu den neuen EU-Mitgliedern in Mittel- und Osteuropa. In Russland ist Berlin-Chemie heute Marktführer.

Jutta Wachowiak

Die Schauspielerin Jutta Wachowiak gehört seit 1970 dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin an. Wichtige Bühnenrollen hatte sie u. a. als Charlie in Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ (1972), als Cordelia in Shakespeares „König Lear“ oder in Schillers „Maria Stuart“ (1980). Nach 35-jähriger Ensemblezugehörigkeit wird Jutta Wachowiak das Theater mit Ende der Spielzeit 2004/05 verlassen. Für die Rolle der Widerstandskämpferin Hella Lindau in dem Film „Die Verlobte“ (1980) wurde Jutta Wachowiak 1980 auf dem II. Nationalen Filmfestival der DDR mit dem Schauspielerpreis ausgezeichnet. In der ARD-Verfilmung des Romans „Jahrestage“ von Uwe Johnson war sie zuletzt in der Rolle der Mutter Abs zu sehen. Für MDR KULTUR hat sie als Sprecherin in vielen Feature- und Essay-Produktionen mitgewirkt. Jutta Wachowiak gehörte zu den Mitorganisatoren der großen Protestdemonstration am 4. November 1989 in Ost-Berlin, bei der fast eine Million Menschen auf die Straße gingen.

Dr. Brigitte Walz

Dr. Brigitte Walz gehörte gemeinsam mit Anett Szabó zu den Hauptinitiatoren des „Karnevals der Kulturen“, der seit 1996 jährlich zu Pfingsten stattfindet und zu den publikumswirksamsten Open-Air-Veranstaltungen gehört, die Berlin zu bieten hat. Als Fest aller Generationen und sozialen Gruppen, offen für neue Trends und Stilrichtungen der Jugend- und Minderheitenkultur, ist der Karneval eine Demonstration der überwältigenden Vielfalt traditioneller und moderner Kulturen Berlins. Die bemerkenswerte Entwicklung des „Karnevals der Kulturen“ ist das Ergebnis einer sorgfältigen und kontinuierlichen Arbeit eines in der „Werkstatt der Kulturen“ in Neukölln angesiedelten Projektbüros, dem Dr. Brigitte Walz bis Anfang 2004 angehörte.

Hinweis: Dr. Alexander Brenner und Gerhard Hentrich werden die Auszeichnung zu einem späteren Zeitpunkt entgegennehmen.

Weitere Informationen zum Verdienstorden des Landes Berlin sind im Internet unter [[/RBmSKzl/ehr_auszeichnungen.html#verdienstorden| http://www.berlin.de/RBmSKzl/ehr_auszeichnungen.html#verdienstorden]] zu finden. – - – - -

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