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Rede der Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer zum Richtfest für das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“

Pressemitteilung vom 12.07.2004

Es gilt das gesprochene Wort!

„Wir feiern heute das Richtfest für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas“. Schon dieser Satz fällt schwer. Feiern und das Gedenken an den Holocaust, das will nicht zusammenpassen. Und doch ist es richtig, diesen Anlass zu begehen: der Rohbau des „Orts der Information“ ist fertig gestellt, es wird bereits an der Vorbereitung des Innenausbaus gearbeitet. Wir gewinnen heute auch bereits einen Eindruck von der Gestalt des Stelenfeldes – nicht mehr nur in der Animation, sondern in der Realität -, nachdem ein guter Teil der Stelen errichtet wurde.

Die Diskussion um dieses Denkmal hat Berlin lange beschäftigt. Viele meinten, viel zu lange.
Doch der schwierige Weg hin zum Bau des Mahnmals war ein wichtiger Weg für die Stadt, eine Stadt, die lange Zeit brauchte, um sich ihrer Geschichte zu stellen. Eine Stadt, in der manche an dem Sinn eines solchen Mahnmals insgesamt zweifelten. Eine Stadt, sie sich erst spät entschließen konnte, der Erinnerung an die Ermordung der Juden einen zentralen Ort zu geben.

Das Vorhaben, in Berlin ein Denkmal für die ermordeten Juden zu bauen, war von Anbeginn verbunden mit einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit. Wir wissen heute: An diesem Bau ist nichts, nicht einmal das Baumaterial und die Unternehmen, die sie herstellen, gleichgültig.
Die Diskussion um die Beteiligung der Degussa an dem Bau des Denkmals hat weit über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Naziherrschaft uns vor Augen geführt, wie die Verstrickung mit dem Holocaust bis heute die Gesellschaft beschäftigt, ja, beschäftigen muss.

Wir wissen, der Entschluss, ein Denkmal zu errichten, war erst der Beginn einer schwierigen Diskussion um die Form, um die Gestalt. Was kann ein Denkmal heute noch sein? Wie kann ein Denkmal heute mit der Ungeheuerlichkeit des Holocaust umgehen, ohne einer allgemeinen, ästhetischen Beliebigkeit zu verfallen?
Und manch einer ist bis im Streit mit dem Entwurf von Peter Eisenman. Und doch: Wer sich schon heute mit dem wachsendenden Stelenfeld konfrontiert, ahnt die Kraft und die Unausweichlichkeit des Ortes.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas liegt inmitten der Stadt; in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parlament, zum Brandenburger Tor. Dieser Ort ist bewusst gewählt, es ist der richtige Ort für das Denkmal. Es ist kein Ort, der unmittelbar zur Erinnerung führt, sondern es ist ein Ort mitten in Berlin, in der Stadt, von der die Ermordung der Juden Europas ausging.
Wer Berlin besucht, kommt hierher. Das Mahnmal stellt sich dem Besucher in den Weg, es zwingt zum innehalten.
Das Denkmal mit dem Stelenfeld: Das ist inmitten des „Neuen Berlin“ mit Blick zum pulsierenden Potsdamer Platz ein gebautes Labyrinth der Erinnerung und ein Ort der Besinnung. Ein besonderer Ort, der jedoch – von allen Seiten zugänglich – den Besuchern zum Betreten auffordert.
Mit dem Ort der Information – dem Raum der Stille, dem Raum der Schicksale, dem Raum der Namen und dem Raum der Orte – wird die Abstraktion des Stelenfeldes ergänzt durch einen Ort des konkreten Erinnerns, durch die exemplarische Darstellung biographischer Einzel- und Familienschicksale, durch Namen, durch Namen der Opfer und ihrer Herkunft wie auch durch die Information über die Orte des Gedenkens in Europa.
Dieser Ort der Information beeindruckt durch seine gewölbte Stahlbetonkassettendecke, die im Innern gewissermaßen die Stelen des Denkmals widerspiegelt.

Es bedurfte vieler Anläufe, vieler Anstöße für dieses Denkmal. Vor allem brauchte es aber Menschen, die es sich zum Ziel machten, dieses Denkmal Wirklichkeit werden zu lassen.
Allen denjenigen, die sich in all den Jahren nicht haben entmutigen lassen, die das Projekt immer wieder angeschoben haben, denen es immer wichtig war, zu überzeugen, gilt heute unser Dank.

Vor allem geht es heute aber um diejenigen, die diesen Bau geschaffen haben: die Bauleute. Und auch das ist in Berlin wichtig hinzuzufügen: Die Bauleute, die es geschafft haben – gerade in der letzten Etappe unter großem terminlichem Druck und durch Aufbietung aller Kräfte – den vorgesehene Zeitplan für den Bau einzuhalten.
Nun wollen wir also für diesen schwierigen Bau das Richtfest begehen.
Das Meiste ist geschafft, und ich hoffe, dass alle Arbeiten unfallfrei verlaufen sind. Lassen sie mich zum Abschluss all denen danken, die mit ihrem nimmermüden Einsatz an der Errichtung dieses Denkmals für die ermordeten Juden Europas mitgewirkt haben.“

Rückfragen:
Petra Rohland
Telefon: 9012-5800
E-Mail: petra.rohland@senstadt.verwalt-berlin.de