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BEWÄHRUNGSHILFE SEIT 50 JAHREN BEWÄHRT: JUSTIZSENATORIN SCHUBERT PRÄSENTIERT ERFOLGSGESCHICHTE DER SOZIALEN DIENSTE IN BERLIN

Pressemitteilung vom 07.10.2004

Die Senatsverwaltung für Justiz teilt mit:

Justizsenatorin Karin Schubert würdigt die einzigartige Erfolgsgeschichte der Bewährungshilfe der Sozialen Dienste Berlin.

Justizsenatorin Karin Schubert:
„1954 begannen drei Bewährungshelfer für Erwachsene ihren Dienst beim Landgericht Berlin; sie kümmerten sich um 13 Probanden, um diese zu einem eigenverantwortlichen Leben in sozialer Verantwortung und vor allem zu einem straffreien Verhalten in der Zukunft zu verhelfen. Heute – 50 Jahre später- werden 6.325 Probanden von rund 113 Sozialarbeitern und Sozialpädagogen betreut, die aber teilweise neben ihrer Tätigkeit als Bewährungshelfer auch Aufgaben der Gerichtshilfe wahrnehmen. Das ist ein ganz besondere Erfolgsgeschichte; denn Täterbetreuung ist ganz konkrete Opferhilfe, weil sie hilft, zukünftige Straftaten zu verhindern. Die engagierte und wichtige Arbeit der Gerichts- und Bewährungshelfer mit verurteilten Straftätern dient vor allem auch der Sicherheit der Bevölkerung und der Vermeidung von zukünftigen Straftaten. Berlin kann sich mit der bundesweit größten und einzigen eigenständigen Behörde der Sozialen Dienste der Justiz wirklich sehen lassen.“

Was ist Bewährungshilfe?

Bewährungshilfe greift ein, wenn
a) die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, oder
b) Führungsaufsicht im Urteil angeordnet wird oder nach Vollverbüßung von mindestens 2 Jahren Freiheitsstrafe bzw. einem Jahr Freiheitsstrafe wegen einer Sexualstraftat eintritt.

Wann wird die Vollstreckung eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt?

Die Aussetzung zur Bewährung erfolgt entweder
a) gleich nach der Verhandlung im Urteil durch das erkennende Gericht (z.B. die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt). Das bedeutet, der Proband kommt nicht in Haft, wenn er sich während der Bewährungszeit von 3 Jahren nichts zu schulden kommen lässt. Nach Ablauf von 3 Jahren wird die Strafe erlassen. Wird er erneut während der Bewährungszeit straffällig, kann die Strafaussetzung zur Bewährung vom erkennenden Gericht widerrufen werden und die ge-samte Strafe muss – zusätzlich zu einer eventuellen weiteren Freiheitsstrafe für die spätere Tat – verbüßt werden oder

b) die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wird nach Verbüßung von einem Teil der verhängten Strafe durch die Strafvollstreckungskammer (in der Regel nach Ablauf von 2/3 der Strafe) oder

c) durch die Gnadenbehörde auf Antrag oder von Amts wegen zur Bewährung ausgesetzt.

Was ist ein Bewährungshelfer?

Bewährungshelfer sind Angehörige des gehobenen Sozialdienstes. Sie haben ein Fachhochschulstudium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik mit staatlicher Anerkennung abgeschlossen.

Was macht der Bewährungshelfer?

Ziel der Bewährungshilfe ist es, den Probanden zu eigenverantwortlicher Lebensführung in sozialer Verantwortung zu befähigen. Der Bewährungshelfer begleitet den Probanden, der ihm persönlich unterstellt ist, während der gesamten Dauer der Bewährungszeit. Der Proband soll sich mit seiner Straffälligkeit auseinandersetzen, damit er nicht rückfällig wird. Der Bewährungshelfer hilft aber auch bei Problemen der Lebensführung allgemein, z.B. bei Überschuldung, Alkohol- oder Aggressionsproblematik, familiären Konflikten oder Erziehungsdefiziten.

Beginn der Bewährungshilfe in Berlin:
Im September 1954 nahmen die ersten Bewährungshelfer für Erwachsene ihre Arbeit in den Räumen des Kriminalgerichtes Moabit auf.
Zunächst waren hier 3 Bewährungshelfer mit der Betreuung von 13 Probanden beschäftigt.1964 war die Anzahl der Probanden auf 557 angestiegen und lag 1974 bereits bei 1477 Probanden. Dieser Entwicklung musste die Anzahl der Bewährungshelfer angepasst werden: sie stieg 1964 auf 10, 1974 auf 32, 1984 auf 61 (bei 3667 Probanden) und bis 2004 auf 113 Bewährungshelfer und Bewährungshelferinnen (bei 6325 Probanden) an, die allerdings inzwischen auch weitere Aufgaben im Bereich der Gerichtshilfe, des Opferschutzes und des Täter-Opfer-Ausgleichs übernommen haben.

Neben der Einzelhilfe durch den persönlichen Kontakt mit dem Bewährungshelfer gibt es bei den Sozialen Diensten der Justiz themenorientierte sozialpädagogische Gruppenarbeit, speziell für Verkehrsstraftäter und Ladendiebe. Darüber hinaus werden Probanden an freie Träger zur Durchführung von Anti-Gewalt-Kursen vermittelt oder zur Teilnahme an Antialkoholikergruppen oder Durchführung einer Therapie motiviert.

Im Frauenprojekt der Sozialen Dienste der Justiz werden insbesondere Bewährungsaufsichten über Frauen übernommen, die vorzeitig aus dem Frauenstrafvollzug entlassen und der Bewährungshilfe unterstellt worden sind oder über Frauen, die im Rahmen der Geldstrafenvollstreckung bereits ersten Kontakt zum Frauenprojekt hatten und später zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sind, deren Vollstreckung zu Bewährung ausgesetzt wurde. Die in diesem Projekt tätigen Mitarbeiterinnen tragen der Erkenntnis Rechnung, dass Frauen spezifische Delikte begehen und andere Reaktionen auf strafrechtliche Sanktionen zeigen als Männer, sodass andere Schwerpunkte im Beratungsgespräch erforderlich sind.

Mit einer auf Schuldnerberatung spezialisierten Arbeitsgruppe wird über das Angebot der einzelnen Bewährungshelfer hinaus dem wachsenden Problem der Verschuldung Rechnung getragen; im Zusammenhang mit dem Täter-Opfer-Ausgleich sind 2 Bewährungshelfer mit der Aufgabe betraut, konfliktschlichtende Gespräche mit Opfer und Täter zu führen; in Kooperation mit dem Verein Opferhilfe e.V. sind Bewährungshelfer auch in diesem Bereich beratend und betreuend tätig, sodass auch die direkte Opferarbeit im Zuständigkeitsbereich der Sozialen Dienste der Justiz liegt.

Bereits seit 1972 verfügen die Sozialen Dienste der Justiz über eine Sozialtherapeutische Beratungsstelle, die mit einer Psychologin besetzt ist und die Arbeit der Bewährungshelfer unterstützt.

Auch die in Kürze eingerichtete forensische Ambulanz für Sexual- und Gewaltstraftäter wird im Zuständigkeitsbereich der Sozialen Dienste der Justiz liegen. Die forensische Ambulanz ist für die vorgenannten Straftäter vorgesehen, die ihre Strafe zumindest teilweise verbüßt haben, um ihnen auch nach Haftentlassung die gebotene Therapie zu geben, die eine Rückfälligkeit möglichst vermeidet.

Anlage 1

Grußwort der Justizsenatorin Karin Schubert in der Festschrift „50 Jahre Bewährungshilfe für Erwachsene in Berlin“

Am 15. September 1954 haben die ersten Bewährungshelfer für Erwachsene in Berlin ihre Arbeit aufgenommen.
Zum 50-jährigen Jubiläum kann die Bewährungshilfe mit Stolz auf die geleistete Arbeit zurückblicken und ich freue mich, dass dieses Ereignis mit einer Festschrift gewürdigt wird.

Der Wandel der Gesellschaft, die politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen, die gerade in einer Großstadt wie Berlin am unmittelbarsten erlebt werden, haben die Sozialen Dienste der Justiz im Laufe der Zeit vor immer neue Herausforderungen gestellt, auf die sie mit einem breit gefächerten Angebot von Behandlungsmaßnahmen und Spezialisierungen reagiert haben.
Neuen Aufgaben im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs, der Tilgungsverordnung und des Opferschutzes haben sie sich souverän gestellt, sich dabei auch der Hilfe freier Träger versichert und zu einer produktiven Zusammenarbeit gefunden.

Durch ihre Arbeit leisten die Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit.
Nur wenn es gelingt, den straffällig gewordenen Menschen Wege aus der Kriminalität zu zeigen, ihnen zu helfen, legale Strategien zur Lösung ihrer Probleme zu entwickeln und Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, können mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Straftaten vermieden werden.
Nicht der Ruf nach schärferen Gesetzen, sondern die Arbeit mit dem Täter bietet den besten Schutz der Bevölkerung vor weiteren Straftaten und ist zugleich der beste Opferschutz.

Der Erfolg der bisherigen Arbeit, der dem Einsatz jeder einzelnen Bewährungshelferin und jedes einzelnen Bewährungshelfers zu verdanken ist, hat zur Akzeptanz der Bewährungshilfe bei Gerichten, Staatsanwaltschaften und nicht zuletzt bei den Probanden selbst geführt, die in der Regel die ihnen gebotenen Hilfestellungen dankbar annehmen.

Um bei steigender Arbeitsbelastung und komplizierter werdender Betreuungsarbeit die bisherigen Qualitätsstandards zu halten und weiter zu verbessern, ist die Suche nach einer Verbesserung der Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe ein Reformvorhaben, dem sich die Bewährungshilfe in der nächsten Zukunft stellen wird.

Ich wünsche hierbei, aber auch in der weiterhin überaus wichtigen Einzelarbeit, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bewährungshilfe viel Erfolg sowie den Sozialen Diensten der Justiz insgesamt, dass diese Behörde den wachsenden Anforderungen durch eine weitere Steigerung der Effektivität ihrer Arbeit begegnen und damit ihren gewichtigen Platz innerhalb der mit der Kriminalitätsbekämpfung befassten Behörden behaupten und ausbauen kann.

Karin Schubert
Bürgermeisterin von Berlin
und Senatorin für Justiz

Anlage 2

Anlässlich der vielfältigen Ehrungen zum 50. Jahrestages der Bewährungshilfe wurde aus berufenem Mund schon viel über hervorzuhebende Leistungen und die erfolgreiche Entwicklung der Bewährungshilfe, aber auch über die anstehenden Anforderungen und Herausforderungen gesagt und geschrieben. Auch zeichnet sich in den Beiträgen trotz der in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich organisierten und ressortierten Bewährungshilfe eine große Übereinstimmung sowohl in der Bewertung der bisherigen Entwicklung als auch in der Dringlichkeit eines bestehenden Veränderungsbedarfes. Dem kann eigentlich nichts Neues hinzugefügt werden.
Gleichwohl stellen 50 Jahre Bewährungshilfe für Erwachsene in Berlin etwas Einmaliges dar, das an dieser Stelle gewürdigt und anerkannt gehört.
24 Jahre davon habe ich direkt miterleben und mitgestalten können, wie die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen – ein Indiz dafür, dass wir über unsere Tätigkeit sehr lange miteinander verbunden sind mit allen damit einhergehenden Vor- und Nachteilen.

Geschichtlicher Abriss

Im September 1954 nahmen die ersten Bewährungshelfer ihre Arbeit in den Räumen des Kriminalgerichtes Moabit auf.
Zunächst waren hier 3 Bewährungshelfer mit der Betreuung von 13 Probanden beschäftigt.1964 war die Anzahl der Probanden auf 557 angestiegen und lag 1974 bereits bei 1491 Probanden. Dieser Entwicklung musste die Anzahl der Bewährungshelfer angepasst werden: sie stieg 1964 auf 10 , 1970 auf 20 und bis 1979 auf 49 Bewährungshelfer und Bewährungshelferinnen an.

Auch bezüglich der Arbeitinhalte und der Organisation expandierte die Bewährungshilfe für Erwachsene:
1972 wurde parallel zur Sozialtherapie im Strafvollzug die Sozialtherapeutische Beratungsstelle (STB) mit einer Psychologenstelle und dem Ziel, die Arbeit der Bewährungshelfer zu unterstützen, unter dem Dach der Bewährungshilfe angesiedelt.
In Ihren Anfängen sah die Konzeption der STB ein interdisziplinäres Team vor: Psychologe, Arzt, Jurist und Volkswirt sollten den Probanden ein breit gefächertes Angebot von Diagnostik und Therapie, juristischer Beratung und Schuldenregulierung unterbreiten, aber auch die Bewährungshelfer beraten und mit Spezialwissen versorgen. Diese Konzeption wurde wegen Sparmaßnahmen nicht umgesetzt. Lediglich die Psychologenstelle konnte, zusammen mit einer halben Schreib- und Bürokraftstelle eingerichtet werden.
Ihre Aufgaben erstrecken sich auf sämtliche Fragen der Psychologie und finden hälftig in fallbezogenen Beratungen und fallübergreifenden Fragestellungen Anwendung.
Die Bewährungshelfer finden hier die Möglichkeit sowohl im Einzelgespräch, als auch in Gruppenberatungen Fallbesprechungen unter psychologischen Gesichtspunkten durchzuführen.
Trotz stetigen Anwachsens der in den Sozialen Diensten Beschäftigten und der von diesen betreuten Probanden, wurde die Sozialtherapeutische Beratungsstelle nicht ausgebaut.
Sie ist nach wie vor einzigartig als Beratungsangebot innerhalb der Bewährungshilfe/Sozialen Dienste – bundesweit.

1977 wurde die Ressortierung der Haftsachen und der – bis dahin bezirklichen – Sozialen Gerichtshilfe dahingehend verändert, dass die Bearbeitung aller Berichtsersuchen von Staatsanwaltschaften und Gerichten in die Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Justiz überging. Die Gerichtshilfe wurde der Dienststelle der Bewährungshelfer zugeordnet.

Es erfolgte die Umbenennung in Soziale Dienste der Justiz – Gerichts- und Bewährungshilfe.

Das 1978 eingerichtete Aufgabengebiet der Haftentscheidungs-/Haftvermeidungshilfe umfasste die Bearbeitung aller Gerichtshilfeersuchen aller Klientinnen und Klienten die sich in Untersuchungshaft – oder in anderer Sache in Haft befanden. Daneben wurde ein ständiger Bereitschaftsdienst im Bereitschaftsgericht Gothaer Straße eingerichtet, der unter anderem die Aufgabe hatte, Unterkünfte zu verschaffen – sofern die fehlende Unterkunft entscheidend für die Anordnung von Untersuchungshaft gewesen wäre. Betreut wurden auch all diejenigen, die nach der Haftverschonung die Auflage erhalten hatten, sich regelmäßig mit der Gerichtshilfe in Verbindung zu setzen. 1992 wurde das Arbeitsgebiet im Rahmen der allgemeinen Umstrukturierung als Projekt fortgeführt. Anfang 2000 wurde das Projekt eingestellt. Seither werden Berichtsersuchen für inhaftierte Erwachsene in einer speziellen Dienstgruppe bearbeitet.

Die themenorientierte sozialpädagogische Gruppenarbeit wurde 1979 eingerichtet. Zunächst wurde diese Angebot für Verkehrsstraftäter konzipiert, später auch für Kaufhaus- und Ladendiebe. Im Rahmen einer erneuten Aussetzung der Strafvollstreckung zur Bewährung legt das Gericht bzw. die Gnadenstelle den Verurteilten die Teilnahme an der Gruppe als Weisung auf.
Zwischenzeitlich haben auch im offenen Vollzug befindliche Verkehrsstraftätern die Möglichkeit, an der Gruppenarbeit teilzunehmen.

Mitte der 80er Jahre spezialisierten sich zwei Gerichtshelfer auf den Bereich der Geldstrafenvollstreckung (Vrs). Aufgrund erheblich anwachsender Aufträge wurde der Aufgabenbereich 1992 mit weiterem Personal ausgestattet. Der besonderen Bedeutung des Bereiches, die Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafe, wurde noch vor Inkrafttreten der neuen Tilgungsverordnung im Jahr 2000 durch die Erarbeitung eines veränderten Konzeptes entsprochen. Seither arbeiten durchschnittlich 8 Mitarbeiter in diesem Bereich. So wurden allein im Jahr 2003 von den Verurteilten mit Unterstützung der SozDJ 104.240 Tagessätze durch Arbeit bzw. Zahlung getilgt.

Das stetige Anwachsen der Sozialen Dienste (SozDJ) erhielt durch die Wiedervereinigung 1990 und die Zuständigkeit für das gesamte Stadtgebiet, einen besonderen Schub, der verbunden mit einem erheblichen Anstieg des Personals in einer Neustrukturierung mündete.
Dabei wurden als die Hauptziele angesehen:

- Regionalisierung
- Zusammenführung von Gerichts- und Bewährungshilfe
durch eine Aufgabenerledigung in Personalunion
- Spezialisierung in Ergänzung des grundständigen Arbeitsauftrages

In dieser Zeit nahmen weitere Projekte ihre Arbeit auf.

Die damals herrschende Wohnungsnot in Berlin und der hohe Prozentsatz arbeitsloser Probanden ließ die Sozialen Dienste ein Konzept für das Projekt Arbeit und Wohnen entwickeln um diesen Problemlagen zu begegnen.
In diesem Projekt wurden auch die bereits bestehenden Angebote der Bewährungshilfe mit anderen Trägern zusammengeführt: so wurden die seit 1979 bestehende und von Bewährungshelfern in Kooperation mit der Berliner Stadtmission gegründete Wohngemeinschaft „Haus Morgenstern“ sowie ein weiteres Wohnprojekt in Kooperation mit der Straffälligen und Bewährungshilfe e.V. – betrieben. Dieses Wohnprojekt mietete Wohnungen an und vergab diese befristet an Probanden per Nutzungsvertrag.
In Kooperation mit der Helmut Ziegner-Stiftung wurde ein Arbeitsprojekt betrieben, welches ABM-Plätze als Bauhelfer, Malerhelfer und in der Kunststoffpresserei an langzeitarbeitslose Probanden vergab. Das Projekt führten zunächst 3 Mitarbeiter. Trotz erfolgreicher Arbeit musste das Projekt im Jahre 2000 infolge der Umsetzung der Sparvorgaben eingestellt werden.

Das Frauenprojekt wurde auf Initiative von Mitarbeiterinnen konzipiert und nahm 1992 seine Arbeit auf. Zunächst wurde dieses Arbeitsgebiet von 6 Kolleginnen wahrgenommen. Ihre Aufgabe erstreckte sich auf Berichtsersuchen im Ermittlungs- und Hauptverfahren, Gnadenaufträge und die Übernahme von Bewährungsaufsichten aus der Kooperation mit dem Frauenstrafvollzug. Der aktueller Schwerpunkt liegt im Bereich der Geldstrafenvollstreckung zur Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen und der Führung von Bewährungsaufsichten für aus dem Vollzug entlassene Frauen.
Hier wurde und wird der Erkenntnis Rechnung getragen, dass Taten von Frauen eine spezifische Deliktstruktur aufweisen und Frauen andere Reaktionen auf strafrechtliche Sanktionen zeigen als Männer, so dass andere Schwerpunkte im Beratungsgespräch erforderlich sind.
Seit 1991 ist der Täter-Opfer-Ausgleich für Erwachsene ein eigenständiger Aufgabenbereich bei den Sozialen Diensten der Justiz. Die Geschäftsentwicklung zeigt seither eine steigende Tendenz: insbesondere die Einführung des § 46 a Strafgesetzbuch und die TOA-Verwaltungsvorschrift zum Täter-Opfer-Ausgleich bewirkten einen sprunghaften Anstieg der Auftragserteilung. In diesem Bereich sind 2 Stellen mit der Aufgabe – ein konfliktschlichtendes Gespräch mit Täter und Opfer zu führen und vereinbarte Ausgleichshandlungen oder Zahlungen zu überwachen – betraut.

Die hier in der Originalpressemitteilung gezeigte Grafik “Geschäftsentwicklung” kann aus technischen Gründen nicht gezeigt werden.

Mit Unterstützung der damaligen Senatorin für Justiz wurde 1992 die Beratungsstelle bei Trennung und Scheidung mit fünf Mitarbeiten eingerichtet. Die Beratungsstelle stellte ein justizspezifisches Angebot zur sinnvollen Ergänzung der Arbeit der Rechtsantragsstelle und des Familiengerichtes dar. 1996 wurde die Beratungsstelle als Folge der zu erbringenden Minderausgaben geschlossen.

Anfang der 90er Jahre begann erstmalig eine spezialisierte Arbeitsgruppe eine Schuldnerberatung anzubieten. Damit sollte über das Angebot der einzelnen Bewährungshelfer hinaus dem wachsenden Problem verschuldeter Probandinnen und Probanden systematischer und professioneller begegnet werden. Die umfassende Schuldnerberatung wird seit 1999 mit verringerter Personalzahl und anderem Konzept weitergeführt.

1993 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Senatsverwaltung für Justiz und der Opferhilfe Berlin e.V. mit dem Ziel geschlossen, die Beratungsstelle für Opfer von Straftaten vom Verein und von 2 Mitarbeitern der SozDJ zu führen. Seither liegt auch die direkte Opferarbeit im Zuständigkeitsbereich der Sozialen Dienste der Justiz.

Zu Beginn der 90er Jahre begann die Umsetzung der Regionalisierung: es
wurden 5 Regionalstellen, eine Nebenstelle und einen Außenstelle eingerichtet.
Als Vorreiter ist hier die Dienstgruppe Spandau zu nennen, die bereits seit 1980 Außensprechstunden im Bezirk durchgeführt – und sich seither intensiv für die Einrichtung und Aufrechterhaltung der Außensprechstunde in eigenen Räumlichkeiten einsetzen.

1997 erfolgte die Verselbständigung der Sozialen Dienste der Justiz zu einer der Senatsverwaltung für Justiz nachgeordneten Sonderbehörde. Damit ist die Berliner Gerichts- und Bewährungshilfe bundesweit die einzige, in der sowohl die Dienst – und Fachaufsicht, als auch die Haushaltsverantwortung in einem unmittelbaren organisatorischen Bezug zum Fachdienst wahrgenommen wird und eine personelle Durchlässigkeit möglich ist.

Seit Bestehen der Bewährungshilfe verläuft die Auftragsentwicklung kontinuierlich aufwärts.
Der parallel dazu vorgenommene Ausbau der Dienstleistungsangebotes musste – aufgrund des im Zuge der Haushaltskonsolidierung umzusetzenden Personalabbaus – gestoppt und teilweise zurückgefahren werden.
Nach und nach erfolgte auch der Rückbau der Standorte, aktuell verfügen die SozDJ noch über 4 eigene Standorte.

Der zu verzeichnende Anstieg der Aufträge führte zu einer als zu hoch angesehenen Arbeitsbelastung, die durch Komprimierung der Arbeitsabläufe nicht abgefedert werden kann.

Neben der Straffälligkeit bilden Schwierigkeiten und Probleme in der Lebensführung die Hauptthemen in der Beratungsarbeit des Bewährungshelfers.
Regelmäßige Kontakte und Gespräche bilden dabei die unabdingbaren Voraussetzungen.

Als zunehmend problematisch stellt sich in der Zusammenarbeit zwischen Probanden und Bewährungshelfer die Fallzahlbelastung dar, die real bei durchschnittlich über 90 Probanden pro Bewährungshelfer liegt. Damit ist die – für die Einflussnahme in der Bewährungshilfe erforderliche – persönliche Arbeitsbeziehung durchgängig nicht mehr zu gewährleisten. Dabei ist die Sorge der Bewährungshelfer ernst zu nehmen, dass die Kapazitätsgrenze bereits überschritten wurde, man sich im eigenen Pensum nicht mehr auskennen, den Probanden nicht mehr die notwendige Aufmerksamkeit geben und damit den Auftrag nicht mehr angemessen erfüllen kann.
Darüber hinaus erschweren die Verknappung der Finanzmittel, die überall festzustellende Arbeitsverdichtung sowie das Wegbrechen verschiedenster Einrichtungen die für eine Re-/Sozialisierung der Probanden erforderliche Hilfe und Kontrolle erheblich. Die überaus notwendige vermittelnde Funktion des Bewährungshelfers wird Einschränkungen ausgesetzt, deren negative Auswirkungen auf die sozialpädagogische Einflussnahme kaum zu ermessen.
Gleichzeitig muss realistischerweise festgestellt werden, dass mit einer Verstärkung des Personals nicht gerechnet werden kann. Deshalb erscheint es dringend geboten, die bislang vorherrschende Arbeitsweise in der Bewährungshilfe zu überdenken, Unterstützungs- und Kontrollbedarf der Klientel und damit auch die Angebote der Bewährungshilfe auf den Prüfstand zu bringen und den bislang bei der Arbeitsbemessung vorherrschenden Blick auf die Fallzahl zu modifizieren und andere Kriterien für die Arbeitsbemessung heranzuziehen.

Eines der wichtigsten Ziele in der Bewährungshilfe ist die Reduzierung von Straffälligkeit und Inhaftierung. Naheliegend ist also die Frage nach dem Umfang der nicht zu vollstreckenden Haftzeiten durch die Straferlassen nach positivem Verlauf der Strafaussetzungen zur Bewährung und Beiordnung eines Bewährungshelfers.

Die hier in der Originalpressemitteilung gezeigte Grafik “Bewährungsaufsichten und Führungsaufsichten” kann aus technischen Gründen nicht gezeigt werden.

Unter Berücksichtigung der Straferlassquote von 55% und gemäß einer Hochrechnung im Rahmen einer internen Erhebung errechnet sich die Höhe der im Jahr 2003 erlassenen Rest-/Freiheitsstrafen auf gut 980 Haftjahre, für die bei einem Haftkosten von 81,29 €/Tag ca. 29 Millionen Euro Haftkosten zusätzlich hätten aufgewendet werden müssen.

Im Vergleich dazu:
Haushaltsansatz 2004 SozDJ einschl. Bewährungshilfe 7,2 Millionen Euro.

In Betrachtung des erheblichen Umfanges der mit Unterstützung der Bewährungshilfe vermiedenen Haftkosten müsste gerade auch aus fiskalischen Gründen den – die Wirksamkeit der Bewährungshilfe gefährdenden – Sparmaßnahmen Einhalt geboten werden.

Bei genauerer Betrachtung der Aufsichten weist der in den letzten 10 Jahren zu verzeichnende Anstieg eine justizpolitische beachtenswerte Entwicklung auf, welche die Tätigkeit der Bewährungshelfer in besonderer Weise prägt und der Kontrollfunktion ein zunehmendes Gewicht verleiht: der dargestellte Anstieg der Führungsaufsichten. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt und sich die Bewährungshilfe den daraus resultierenden Anforderungen verstärkter stellen muss.

Mit der Bewährungshilfe sind auch die Mitarbeiter älter geworden, die nachfolgende Darstellung zeigt dies nachdrücklich auf:

Die hier in der Originalpressemitteilung gezeigte Grafik “Alterspyramide der Beschäftigten” kann aus technischen Gründen nicht gezeigt werden.

Sind knapp 60% der Mitarbeiter im Alter von 50 Jahren und älter, so sind die Probanden zu 60% zwischen 26 und 40 Jahre alt; in diesen Altersgruppen sind aktuell nur 23.2% der Mitarbeiter. Ohne die Wirkung des Altersaufbau auf die Zusammenarbeit mit den Probanden an dieser Stelle vertiefend aufgreifen zu wollen, erscheint dies Entwicklung gepaart mit der langjährigen Zugehörigkeit, der fast nur altersbedingten Fluktuation und dem kaum vorhandenen beruflichen Nachwuchs als problematisch und ein Anlass, verstärkt eine gezielte Personalsentwicklung umzusetzen.
Bis zum Jahr 2020 werden 70-80% der jetzigen Mitarbeiter nicht mehr für die SozDJ tätig sein.
Zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Bewährungshilfe ist die Sicherung des vorhandenen Wissens und der gemachten Erfahrungen eine vordringliche Aufgabe.

Die veränderten Lebens- und Problemlagen der Klientel, die mit dem Sparzwang und der Haushaltskonsolidierung einhergehende und nicht zu überbrückende Diskrepanz zwischen dem Anstieg der Probandenzahlen und dem Abbau von Bewährungshelferstellen, die Anforderungen in Bezug auf Verwaltungsmodernisierung, Aufgabenkritik, Qualitätssicherung, Transparenz, Effizienz, Vergleichbarkeit und Wettbewerb sowie eine im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung aufgezeigte hohe Stressbelastung und Unzufriedenheit der Mitarbeiter weisen mit zunehmendem Handlungsdruck auf einen dringenden Veränderungsbedarf hin.

Die hier seit einigen Monaten zu dieser Thematik geführte Diskussion, weist ein hohes Einvernehmen über die Notwendigkeit von Veränderungen und eine hohe Bereitschaft, sich an dem erforderlichen Entwicklungsprozess aktiv zu beteiligen, auf. Insofern erscheint mir die aktuelle Ausgangslage für den jetzt gestarteten
12monatigen Organisationsentwick-lungsprozess mit dem Fokus auf Organisation, Methoden und Mitarbeiterzufriedenheit als günstig und erfolgversprechend.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danke ich für ihren große Einsatz, ihre Kreativität und Phantasie sowie ihre ausgeprägte Belastbarkeit und Rastlosigkeit bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Aufgrund ihrer Leistungen sind die Sozialen Dienste der Justiz – Gerichtshilfe und Bewährungshilfe – als nicht wegzudenkende Säule der sozialen Strafrechtspflege in Berlin anerkannt.

Daten und Fakten

Neben der Straffälligkeit bilden Schwierigkeiten und Probleme in der Lebensführung sowie deren Reduzierung die hauptsächlichen Themen in der Zusammenarbeit, wobei sowohl der Beratungsauftrag als auch die Kontrollfunktion des Bewährungshelfers je nach Erfordernis die Arbeit prägen.
Zum besseren Verstehen einige Angaben über die Lebenslagen der Probanden (1), die in unterschiedlicher Intensität die soziale Situation beeinflussen, sich als die Lebensführung belastend darstellen und für die Zusammenarbeit im Rahmen der Bewährungshilfe von Bedeutung sein können.

- Der jüngste Proband ist 19, der Älteste ist 84 Jahre alt; 75 % sind im Alter von 24 – 43
- 70 % sind Deutsche
- 10 % sind Frauen
- 77 % verfügen über eine eigene Mietwohnung, Obdachlosigkeit liegt unter 1 %
- 57 % haben keine Arbeit, in 52 % der Fälle besteht die Arbeitslosigkeit seit mehr als 2 Jahren
- 56% erhalten Leistungen nach dem Arbeitsförderungs- und Bundessozialhilfegesetz
- 68 % verfügen über ein Einkommen bis 650 € monatlich, davon 22 % nur über bis zu 315 €
- 46 % sind überschuldet
- 11 % konsumieren illegale Drogen
- 84 % sind vorbestraft
- 64 % haben Hafterfahrungen.

Gut ¾ der Aufsichten (76 %) resultieren aus 5 Deliktgruppen, (Eigentumsdelikte, Körperverletzungen, Verstöße gegen BtmG und StVG sowie Wirtschaftsdelikte); fast jede 2. Aufsicht ist durch Eigentumsdelikte oder Körperverletzungen begründet.

10 % der Aufsichten sind begründet durch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und gegen das Leben.

(1) Die Daten basieren auf einer alle Aufsichten umfassenden Stichtagserhebung vom 21.10.2002, die hausintern vorgenommen worden ist. Die Prozentwerte beziehen sich auf die Anzahl der Aufsichten, in 19 % der Fälle gibt es Mehrfachaufsichten, zu 15 % eine 2. Aufsicht, zu 4 % eine 3. und mehr Aufsichten.

Rückfragen:
Andrea Boehnke
Telefon: 9013-3633
E-Mail: pressestelle@senjust.verwalt-berlin.de