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Junge Zuwanderer und Kriminalität in Berlin - Studie des Beauftragten für Integration und Migration erschienen

Pressemitteilung vom 22.10.2004

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz – Beauftragter für Integration und Migration – teilt mit:

Für eine offene und differenzierte Diskussion zu Entwicklung und Ursachen der Jugendkriminalität hat sich Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Günter Piening, ausgesprochen. „Bei einem solchen emotionsgeladenen Thema kann die Alternative zur überzogenen Skandalisierung nicht Tabuisierung sein, sondern nur differenzierte Aufklärung.“ erklärte Piening anlässlich der Vorlage der von ihm herausgegebenen Studie „Junge Zuwanderer und Kriminalität in Berlin“ des Politologen Dr. Frank Gesemann. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Bedeutung des ethnischen Hintergrundes für die Erklärung der Kriminalitätsentwicklung erheblich überschätzt wird.

In Berlin gibt es eine ganze Reihe sozialer Brennpunkte. In vielen dieser Stadtviertel ist der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund sehr hoch. In einigen der innerstädtischen Brennpunktgebiete geben junge Migranten den Ton an und fallen durch Gewalt oder andere kriminelle Delikte auf. In Schlagzeilen sind es dann wieder „arabische“ oder „türkische“ kriminelle Jugendliche, die die Kriminalitätsstatistik bestimmen. Rasch machen die groben Vereinfacher dann die griffige Rechnung auf: Hoher Migrantenanteil gleich hohe Kriminalität.

Dr. Frank Gesemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin hat im Rahmen eines EU-Projekts den Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Jugenddelinquenz untersucht. Grundlage der Untersuchung sind die Auswertung der polizeilichen Statistik sowie die einschlägigen wissenschaftlichen Befunde. Einbezogen wurden Interviews mit rund 60 Expertinnen und Experten aus Polizei, Sozialarbeit, Schulen usw. Die Studie, so Piening, bietet eine gute Grundlage, um die emotionsgeladene und häufig von Vereinfachungen und Überdramatisierungen geprägte Diskussion zu versachlichen.

So wird in der Öffentlichkeit die nach wie vor hohe Zahl von Rohheitsdelikten diskutiert. Kaum wahrgenommen wird aber, dass es von 1997 bis 2003 zu einem deutlichen Rückgang der registrierten Kriminalität durch junge Zuwanderer insgesamt gekommen ist. Seit dem Höchststand 1995 ist die registrierte Jugendgruppengewalt in Berlin um ein Drittel gesunken. Die „gefühlte Bedrohung“ durch diesen Bevölkerungsteil ist ganz offensichtlich höher als die belegbare Kriminalität.

Intensiv setzt sich Gesemann mit den Ursachen der Jugendgewalt auseinander. Für die Entwicklung von Präventionsstrategien ist von besonderer Bedeutung sein Nachweis, dass der ethnische Hintergrund der Täter in seiner Bedeutung sehr überschätzt wird. Die soziale Lage in den Kiezen, die hohe Arbeitslosigkeit, Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb der Familien, mangelnde Bildungserfolge, die Dynamik in den Gleichaltrigengruppen – all das sind stark wirkende Faktoren. Oder wie es einer befragten Experten formuliert: „Jugendliche sind Jugendliche. Es sind soziale Probleme und nicht Ausländerprobleme, die sie in die Kriminalität und zu Gewalttaten führen. Die Jugendlichen sind nicht in Libanon, Kurdistan, Palästina geboren und aufgewachsen, sondern in Neukölln, Kreuzberg etc.“

Der differenzierte Blick, den die Untersuchungen bietet, ist eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung der Präventionsstrategien. Sie bestätigt, dass Berlin mit den Handlungsstrategien zur zielgerichteten Prävention und Integration und zur rechtzeitigen Intervention gegenüber Mehrfachtätern den richtigen Weg eingeschlagen hat. Künftig wird es darauf ankommen, diese noch stärker mit kiezorientierten Initiativen wie den Quartiersmanagements sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der jungen Migrantengeneration zu verknüpfen.

Frank Gesemann: Junge Zuwanderer und Kriminalität in Berlin. Bestandsaufnahme – Ursachenanalyse – Präventionsmaßnahmen.
ISBN: 3-938352-00-0

Die Studie ist erschienen in der Reihe „Berliner Beiträge zur Integration und Migration“, die der Integrationsbeauftragte herausgibt:

Bezugsadresse:
Der Beauftragte für Integration und Migration
Potsdamer Straße 65
10785 Berlin
E-Mail: Integrationsbeauftragter@auslb.verwalt-berlin.de
Fax: (030) 262 54 07
Tel.: 9017 2351

Preis: 2,50 €

Rückfragen:
John Röhe
Telefon: 9017-2357
E-Mail: john.roehe@auslb.verwalt-berlin.de