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KONZEPT FÜR DIE KARDIOLOGISCHE KRANKENHAUSVERSORGUNG IN BERLIN

Pressemitteilung vom 21.10.2004

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz teilt mit:

Die Berliner Krankenkassen und die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz haben sich auf ein Konzept verständigt, mit dem zukünftig die Krankenhausversorgung für herzkranke Patientinnen und Patienten in Berlin gesteuert werden soll. Dieses Konzept ist in einer Arbeitsgruppe unter Federführung der Senatsgesundheitsverwaltung erarbeitet worden, der Vertreter der Berliner Krankenkassenverbände, Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, die Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle SEKIS sowie Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie angehörten. Im Zentrum des Konzeptes steht die Sicherstellung der Qualität der ärztlichen Versorgung, damit die Berliner Kardiologiepatienten nach bestem Stand medizinischer Erkenntnisse behandelt werden.

Gesundheitsstaatssekretär Dr. Hermann Schulte-Sasse erklärt: „Mit diesem Vorgehen betreten wir bundesweit Neuland. Erstmalig wird eine starre Krankenhausplanung für einen wichtigen Bereich ersetzt durch patientenorientierte Vereinbarungen zwischen Kliniken und Kassen, in denen Qualitätsstandards in Bezug auf Klinikausstattung und Personalqualifikation im Interesse einer optimalen Versorgung festgelegt werden. Ich bin insbesondere froh darüber, dass bei der Erarbeitung dieser Standards führende Professoren der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie beteiligt waren und sie zum Ausdruck gebracht haben, dass Berlin damit eine nachahmenswerte Vorreiterrolle einnimmt.“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Ursache für eine Krankenhausbehandlung in Berlin dar. Insgesamt wurden im Jahre 2003 rund 75.000 Krankenhausfälle mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert – mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 8,4 Tagen. Ca. 1.700 Betten waren durchschnittlich mit solchen Patientinnen und Patienten täglich belegt. Die Vielfalt dieser Erkrankungen reicht von lebensbedrohlichen Notfällen wie zum Beispiel dem akuten Herzinfarkt, über seltenere, komplizierte operative Eingriffe bis zu altersbedingten, chronischen Erkrankungen.

Die Anforderungen an eine leitliniengerechte Krankenhausversorgung der entsprechenden Patientengruppen unterscheiden sich in hohem Maße. So sind beispielsweise die personellen sowie medizintechnischen Voraussetzungen für die Beherrschung von kardialen Notfällen weit höher, als für die konservative Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz.
Das Konzept hat die Sicherstellung einer qualitätsgerechten und leitlinienorientierten Notfallversorgung und Krankenhausbehandlung aller Berliner Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Ziel. Im Zentrum des Versorgungsmodells stehen zwei kardiologische Versorgungsstufen:

- Krankenhäuser mit kardiologischer Abteilung
- Krankenhäuser mit kardiologischer Maximalversorgung.

Für diese beiden Versorgungsstufen werden durch das vorliegende Konzept Behandlungsindikationen und Anforderungen an Elemente der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität festgelegt. Insbesondere soll die Aufnahme aller Notfallpatienten in ein Krankenhaus der beiden kardiologischen Versorgungsstufen sichergestellt werden.
Das Versorgungskonzept soll auf der Basis von Verträgen zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern umgesetzt werden. Ein entscheidender Bestandteil der vertraglichen Regelungen ist die Verpflichtung des Krankenhauses zur Einhaltung der im Konzept geforderten Qualitätsparameter.

So wird beispielsweise für Krankenhäuser mit kardiologischer Abteilung folgende Personalausstattung gefordert:

- Chefarzt – Internist mit Schwerpunkt Kardiologie, Weiterbildungsbefugnis für den Schwerpunkt Kardiologie
- Oberärzte – Internisten mit Schwerpunkt Kardiologie
- mindestens vier PTCA (siehe Fußnote 1)-erfahrene Kardiologen des Krankenhauses (mit mind. 75 PTCA/Jahr/Arzt)
- 24-Stunden-Bereitschaft (PTCA) für kardiologische Notfälle.

Damit soll die sofortige Notfallbehandlung jedes Patienten mit Herzinfarkt in Berlin zu jeder Stunde und an jedem Tag der Woche sichergestellt werden. Gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist die unverzügliche Öffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes in einem für Notfallbehandlung rund um die Uhr ausgestatteten Herzkatheterlabor das therapeutische Mittel der Wahl.
Das Angebot hochspezialisierter Behandlungsverfahren für ausgewählte seltenere Indikationen wie zum Beispiel
- Implantation und Wechsel von Defibrillatoren/Kardiovertern,
- Resynchronisationstherapie (Dreikammersystem, mit AICD)
- besondere Koronarinterventionen (Rotablation, Atherektomie, intravasaler Ultraschall, Brachytherapie)
soll wenigen Krankenhäusern der kardiologischen Maximalversorgung vorbehalten sein. Durch Konzentration dieser selteneren Maßnahmen kann ein hoher qualitativer Standard erreicht werden.
Die nichtinvasive Behandlung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ohne Indikation für eine Behandlung in der Kardiologie erfolgt auch weiterhin in allgemeininternistischen Abteilungen.
Die Rettungsdienste und der ambulante Sektor werden in das Versorgungskonzept mit einbezogen. Daneben wird die Berliner Bevölkerung gezielt über Notfallversorgung informiert werden.

1) PTCA = Perkutane transluminale coronare Angioplastie
(interventioneller Eingriff an den Herzkranzgefäßen)
2) AICD = Automatic implantable cardioverter defibrillator (Gerät,
welches das Flattern des Herzens durch einen automatischen Stromstoß beendet)

Rückfragen:
Roswitha Steinbrenner
Telefon: 9028-2743
E-Mail: pressestelle@sengsv.verwalt-berlin.de