Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

NICHT ETHNISCHE, SONDERN SOZIALE PROBLEME BELASTEN UNSERE KIEZE

Pressemitteilung vom 29.01.2004

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz – Beauftragter für Integration und Migration – teilt mit:

Deutliche Kritik an Vorschlägen, Migranten quasi zwangszuverpflichten, ihre Kinder in eine Kita zu schicken und im Weigerungsfall die Kitagebühren von der Sozialhilfe abzuziehen, hat der Berliner Beauftragte für Integration und Migration, Günter Piening, geäußert.
Mit solchen – rechtlich ohnehin fragwürdigen – Vorstößen, wird Stimmung gegen Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund gemacht. Eine Antwort auf die drängenden Fragen der Berliner Problemkieze geben diese Parolen nicht.

Wer Migrantenfamilien unter Generalverdacht stellt, demotiviert gerade die Familien, deren Beteiligung und Engagement für die Förderung und Bildung der Kinder dringend gebraucht werden.
Was wir in Berlin unbedingt brauchen, ist eine offene Debatte über die Folgen der Verarmung eines wachsenden Teils der Bevölkerung.
Was wir auf keinen Fall brauchen, ist ein Rückfall in die Ethnisierung von sozialen Problemen. Bildungsdefizite und Arbeitslosigkeit in den Kiezen sind gesamtgesellschaftliche Anliegen, nicht die Probleme von einzelnen Nationalitäten.

Fakt ist: Es gibt in Berlin eine Reihe von Kiezen, die durch besondere Probleme auffallen, wie Verwahrlosung, Kriminalität, schlechte Bildungssituation. Ob es sich nun um 8, 10 oder 15 Problemkieze handelt, ist zweitrangig.
Fakt ist auch, dass in vielen dieser Kieze ein hoher Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund lebt. Darauf wird in der Diskussion besonderes Augenmerk gerichtet, obwohl die Situation vor Ort ganz andere Ursachen zeigt:
Diese Kieze sind soziale Brennpunkte nicht wegen eines hohen Migrantenanteils sondern wegen großer sozialer Probleme. Und diese lassen sich genau benennen: Hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bildung, eine große Zahl jugendlicher Schulabbrecher. Eng mit diesen Problemen verflochten ist die soziale Verwahrlosung ganzer Straßenzüge.
Diese sozialen Probleme, insbesondere das Problem der Bildungsferne, betreffen, anders als es manche Schlagzeilen vermuten lassen, keineswegs nur Migranten.
In Berlins Innenstadtbezirken –das haben die Sprachstandsmessungen ergeben- brauchen auch 45% der Kinder deutscher Herkunftssprache Deutsch-Förderung.
Kein Wunder, dass bildungsinteressierte Mittelschichtsfamilien, egal ob es nun deutsche oder nichtdeutsche Familien sind, aus diesen Bezirken wegziehen, wenn sie es sich denn leisten können.
Um zu verhindern, dass sich eine Situation verfestigt, in der manche Familien bereits in der dritten Generation von Sozialhilfebezug leben und ihre Kinder selten oder kaum fördern, ist es wichtig, möglichst frühzeitig mit vorschulischer Erziehung zu beginnen und diese Erziehung später möglichst auch in Ganztagesschulen fortzusetzen.
Sozial schwache und bildungsferne Schichten brauchen diese intensive Förderung, egal welcher Nationalität sie angehören. Der Weg, diesen Familien den Zugang zu Kitas z.B. durch einen Verzicht auf die Erhebung von Gebühren zu helfen, ihnen Anreize zu geben, ist der richtige. Die Erfahrungen beispielsweise mit den Mütterkursen belegen eindrucksvoll, wie eine erfolgreiche Einbeziehung der Eltern mit Migrationshintergrund organisiert werden kann.

Migranten unter Zwangskuratel zu stellen, so Piening weiter, ist auf jeden Fall kein gangbarer Weg. Wir müssen anknüpfen an die vielen positiven Erfahrungen, die es in Berlin gibt, wie das dichte Netz von Selbsthilfeeinrichtungen, Beratungseinrichtungen und Migrantenvereinen. Sie vor den Kopf zu stoßen ist nicht hilfreich.

Rückfragen:
=John Röhe
Telefon: 90172357
E-Mail: John.Roehe@auslb.verwalt-berlin.de