Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Knake-Werner: Sozialstrukturatlas ist Aufforderung zum gemeinsamen Handeln

Pressemitteilung vom 23.04.2004

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz teilt mit:

Der Berliner Sozialstrukturatlas 2003 ist das neueste Ergebnis einer entwickelten Sozial- und Gesundheitsberichterstattung der Senatsverwaltung. Der Bericht, der heute vorgestellt wurde, beschreibt über Indizes die Sozialstruktur der Stadt bis in die kleinsten Stadtteile (Verkehrszellen) hinein. Schlüsselindikatoren sind: Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug, Lebenserwartung, vorzeitige Sterblichkeit, Bildungs- und Ausbildungsstruktur, Einkommenslage und demografische Merkmale. Datenbasis sind statistische Erhebungen des Jahres 2002.

Die räumliche Sozialstruktur macht deutlich, dass sich die soziale Belastung in der Mitte der Stadt konzentriert und sich in südliche und nördliche Richtung ausbreitet. Die ungünstigste Sozialstruktur haben die (Alt-)Bezirke Kreuzberg, Wedding und Tiergarten, gefolgt von Neukölln, Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Bezirke mit der günstigsten Sozialstruktur liegen ausschließlich im Süden bzw. Südwesten Berlins. Es sind Zehlendorf, Steglitz und Köpenick. Insgesamt liegen Verkehrszellen mit günstiger Sozialstruktur überwiegend in den Randbezirken Berlins. Im Innenstadtbereich finden sich viele Verkehrszellen mit ungünstiger Sozialstruktur, die fast einen Ring um die Mitte Berlins (Regierungsviertel) ziehen und sich nach Westen (Spandau) und zunehmend nach Osten (Marzahn, Hellersdorf) erstrecken.

– Die Bezirke mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten haben gleichzeitig eine sehr gute Sozialstruktur: Steglitz – 12,7 % und Zehlendorf – 10,5 %. In Kreuzberg (29,2 %), Wedding (25,7 %) und Neukölln (22,9 %) wurden hingegen die höchsten Arbeitslosenquoten Berlins gemessen, bei einer insgesamt sehr ungünstigen Sozialstruktur.
– Die geringsten Anteile an Sozialhilfeempfängern wiesen Zehlendorf (2,1 %) und Köpenick (3,7 %) auf. In Kreuzberg (17,3 %) und Wedding (16,9 %) lebt dagegen nahezu jeder sechste Einwohner von Sozialhilfe, ein Drittel davon sind Kinder unter 18 Jahren.
– In Kreuzberg (36,6 %), Wedding (35,1 %) und Neukölln (30,0 %) hat jede/r Dritte keinen beruflichen Abschluss. In Köpenick (13,1 %), Pankow (15 %) und Treptow (15,5 %) – Bezirke mit günstiger Sozialstruktur – liegen die entsprechenden Anteile wesentlich niedriger.
– Bezirke mit der niedrigsten Lebenserwartung – Kreuzberg, Tiergarten und Wedding – weisen gleichzeitig hohe soziale Belastungen auf. Umgekehrt gilt dies für Treptow, Wilmersdorf und Köpenick – Stadtgebiete mit höchsten Lebenserwartungen und günstiger Sozialstruktur. Zwischen den Bezirken mit der höchsten und geringsten Lebenserwartung (Treptow – 79,2 und Kreuzberg – 74,7) liegt eine Differenz von immerhin 4,5 Jahren.

Ein zeitlicher Vergleich der sozialstrukturellen Verhältnisse von 1995 und 2002 ergibt eine Verschlechterung für Berlin um rund vier Prozentpunkte. Im Wedding waren es acht Prozent gegenüber Zehlendorf mit einer Verschlechterung um ein Prozent. Die Schere zwischen den Bezirken ging in diesem Zeitraum ebenfalls weiter auf.

Für Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner, die den Bericht heute der Öffentlichkeit erläuterte, liefert die Sozial- und Gesundheitsberichterstattung wichtige Entscheidungshilfen für sozialpolitisches Handeln. Sozialpolitik kann so transparenter und effektiver werden. “Unsere Berichterstattung zur räumlichen Sozialstruktur ist handlungsorientiert. Der Sozialstrukturatlas 2003 liefert aber nicht nur Grundlagen für unsere Planung auf Landesebene, sondern unterstützt mit seinen differenzierten räumlichen Daten auch die bezirklichen Planungsprozesse.

Wir wollen mit dieser neuen Sozialraumanalyse eine Diskussion anstoßen, wie die hier gewonnenen Erkenntnisse stärker als bisher in gemeinsames und ressortübergreifendes politisches Handeln umgesetzt werden können. Daher wird bei den Reformprojekten, die der Senat bis 2006 auf seiner Agenda hat, die sozialräumliche Betrachtung künftig ein wichtiges Kriterium sein. So wollen wir Steuerungsmaßnahmen entwickeln, die auf die spezifischen Probleme der einzelnen Gebiete zugeschnitten sind und auch deren Ursachen angehen. Beispielsweise durch spezifische kommunale Beschäftigungsmaßnahmen, den Aufbau von speziellen Angeboten der Kinderbetreuung und auch durch die Weiterentwicklung des Quartiersmanagements.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz wird sich bei ihren beiden wesentlichen Reformvorhaben – der Reform des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und dem Modellsozialamt 2005 – an dem Perspektivenwechsel hin zur sozialräumlichen Herangehensweise orientieren. Ein sozialkompensatorischer Ansatz erlaubt schließlich einen gezielteren Einsatz von Mitteln und Ressourcen. Hier werden wir umsteuern und diese Methodik auch bei der Neugestaltung des LIGA-Vertrages anwenden.

Politik für eine soziale Stadt, die wir trotz aller Probleme weiter gestalten werden, muss sich an den Problemen orientieren und eingefahrene Gleise verlassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Stadt ihren sozialen Zusammenhalt verliert und ganze Stadtteile auf der Strecke bleiben,” erklärt Senatorin Dr. Knake-Werner.

Der Sozialstrukturatlas steht in Kurz- und Langfassung im Internet unter [[http://www.berlin.de/sengsv|www.berlin.de/sengsv]] und kann telefonisch über 030-9028 2598 gegen Entgelt bestellt werden.

Rückfragen:
Roswitha Steinbrenner
Telefon: 90282743
E-Mail: Roswitha.Steinbrenner@sengsv.verwalt-berlin.de