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INTEGRATIONSTAG ZUR INTEGRATIONSPOLITIK IN DEN QUARTIEREN - VIELFALT ALS CHANCE BEGREIFEN

Pressemitteilung vom 13.09.2004

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz – Beauftragter für Integration und Migration – teilt mit:

Eine stärkere Ausrichtung der Integrationspolitik auf die Berliner Innenstadtbezirke mit hohem Migrantenanteil will der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats, Günter Piening. Er warnte aber davor, die Situation in den Kiezen zu dramatisieren. „Die Innenstadtquartiere haben große Potenziale nicht trotz, sondern wegen der von Migration geprägter Bevölkerungsstruktur“, erklärte Piening anlässlich des heute (Montag, 13.9.) in der Werkstatt der Kulturen stattfindenden Landesintegrationstages zum Thema: „Perspektiven und Potenziale der Berliner Quartiere“. Der Integrationsbeauftragte erklärte im einzelnen:

Der kürzlich vorgelegte Berliner Sozialstrukturatlas hat erneut belegt, wie stark die Verarmungsprozesse in den von Migration geprägten Innenstadtbezirken sind. Hintergrund dieser Entwicklung ist der ökonomische Umbruch der Stadt und das Wegbrechen von industriellen und niedrigqualifizierten Arbeitsplätzen. Die Innenstadtbezirke mit einem hohen Migrantenanteil sind besonders betroffen: Über 40% beträgt inzwischen die Arbeitslosigkeit unter der ausländischen Wohnbevölkerung Berlins.

Diese Quartiere sind soziale Brennpunkte jedoch nicht wegen ihres hohen Migrantenanteils, sondern wegen großer sozialer Probleme. Und diese lassen sich genau benennen: Hohe Arbeitslosigkeit,schlechtere Bildungschancen, eine große Zahl jugendlicher Schulabbrecher. Eng mit diesen Problemen verflochten ist die soziale Verarmung ganzer Straßenzüge. Soziale, nicht ethnische Probleme belasten die Kieze.

Integrationspolitik wird sich künftig stärker an diesen besonderen Kiezproblemen ausrichten müssen. Die Stärkung der ökonomischen Basis der Bezirke mit hohem Migrantenanteil und die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit spielen dabei die zentrale Rolle. Angesichts der beschränkten Mittel wird diese notwendige Neuausrichtung der Integrationspolitik nur mit einer starken gesamtstädtischen Anstrengung gelingen. Es ist auch im Interesse der finanziell stärkeren Bezirke, wenn diese Konflikte in den einkommensschwachen Gebieten bewältigt werden können.

Zu warnen ist aber vor einer einseitigen, defizit- und problemorientierten Diskussion. Die von Migranten geprägten Kieze verfügen über enorme Potenziale und sind über Berlin hinaus attraktiver als ihr Ruf in der Stadt. Die ethnischen Ökonomien und die vielseitigen Initiativen junger zugewanderter Existenzgründer haben die wirtschaftlichen Umbrüche abgefedert und neue Marktnischen besetzt.

Die auf dem Integrationstag vorlegte OECD-Studie zur Integrationspolitik in den Bezirken zeigt an klaren Beispielen, welche Bedeutung die Selbsthilfepotenziale der Migranten-Gemeinden für die Renaissance der Innenstadtbezirke haben. Die OECD bestätigt, dass Berlin mit mikrostrukturellen Ansätzen wie dem Quartiersmanagement auf dem richtigen Weg ist. An diese positiven Erfahrungen und an das dichte Netz von Selbsthilfeprojekten, Beratungseinrichtungen und Migrantenvereinen muss angeknüpft werden. Um diese Potenziale effektiv nutzen zu können, müssen die Instrumente der Wirtschaftsförderung stärker auf die ökonomischen Potenziale der Zuwanderer ausgerichtet und mit den gemeinwesenorientierten Ansätzen verknüpft werden.

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