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GEWALTSIGNALE AUS BERLINER SCHULEN: SCHULEN MELDEN MEHR VORFÄLLE

Pressemitteilung vom 09.11.2004

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit:

Im Schuljahr 2003/2004 wurden 560 Vorfälle gemeldet
Staatssekretär Härtel: „Erhellung der Dunkelziffer“
Präventionsprojekte machen Mut
Staatssekretär Freise: „Gewalt tolerieren fördert Gewalt“

Im Schuljahr 2003/2004 meldeten die Berliner Schulen 560 gewaltbelastete Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Zunahme um 32,7 Prozent (2002/2003: 422 Meldungen; 2001/2002 – 2002/2003: 66 Prozent). Damit gibt es weiterhin eine deutliche Zunahme der Meldungen von „Gewaltvorfällen“ aus Schulen, über Vorfälle in den Schulen und auf dem Schulweg.

„Diese Ergebnisse müssen allerdings ins Verhältnis gesetzt werden: 560 gemeldete Vorfälle aus 1 000 Schulen mit ca. 460 000 Schülern in 732 000 erteilten Unterrichtsstunden pro Woche entspricht einem Vorfall in jeder zweiten Schule im Jahr. Da der Polizei keine entsprechende Zunahme im Bereich der Schulen bekannt ist, gehen wir davon aus, dass es sich vor allem um eine Erhellung des Dunkelziffer handelt,“ erklärte der Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport, Thomas Härtel bei der Präsentation des Berichtes „Gewaltvorfälle an Berliner Schulen“ am Dienstag in Berlin.

Das Meldesystem der Schulen entspricht einem Frühwarnsystem: neben Gewaltdelikten werden auch Beleidigungen und Bedrohungen gemeldet. Basis des Berichtes der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport sind die Meldungen aus 1 000 Berliner Schulen mit ca. 460 000 Schülern.

Aus den Meldungen der Schulen im Schuljahr 2003/04 werden folgende Trends deutlich:

Im vergangenen Schuljahr wurden 182 Fälle von gefährlicher Körperverlet-zung – Angriffe einer Gruppe und/ oder mit einer Waffe oder einem Gegenstand gemeldet (2002/2003: 84 Vorfälle).

Auch die Meldungen zu einfacher Körperverletzung nahmen zu: 183 Fälle stehen 147 im letzten Schuljahr gegenüber.

Insgesamt wurden 39 (rechts-)extremistisch motivierte Vorfälle (2002/2003: 26 Vorfälle) gemeldet – in der Mehrzahl Propagandadelikte.

Einen leichten Rückgang gibt es bei der Zahl der Bedrohungen: 96 gemel-dete Fälle stehen 122 Fällen im Schuljahr 2002/2003 gegenüber.

Beunruhigend ist die Zunahme schwerer Angriffe gegen Lehrerinnen und Lehrer: Kam es im letzten Schuljahr bei ca. 20 Prozent der gemeldeten Angriffe auf Pädagogen zu Körperverletzungen, so wurden im Schuljahr 2003/2004 bei der Hälfte der Vorfälle Lehrerinnen und Lehrer verletzt. Die Zunahme der Verletzungen findet ihre Parallele im allgemeinen Ansteigen der Fälle von einfacher und gefährlicher Körperverletzungen.

Auch die Zunahme der Fälle von Gruppengewalt in der Schule von 77 im Schuljahr 2002/2003 auf 132 im letzten Schuljahr weist vor allem auf eine zunehmende Erhellung des Dunkelfeldes hin: Härtel: „Schulen melden offenbar zunehmend Vorfälle, die ihnen früher nicht der Rede wert waren. So können die Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention die Vorfälle konsequent aufarbeiten. Zudem machen die Erfolge der vielen Präventionsprojekte von Schulen, Eltern, und der Polizei Mut.“

Zum Umgang mit Straftaten mahnte Innenstaatssekretär Ulrich Freise: „Polizisten müssen alle Straftaten verfolgen, die ihnen bekannt werden. Lehrerinnen und Lehrer dagegen haben einen gewissen pädagogischen Ermessensspielraum in der Frage, ob ein Vorfall zur Anzeige gebracht werden muss. Der Verzicht auf eine Anzeige im Fall einer Körperverletzung im Grundschulbereich, insbesondere, wenn diese nicht absichtlich herbeigeführt wurde, ist jedermann einsichtig.

Wenn allerdings wiederholt strafbares Handeln von Jugendlichen nicht angezeigt wird, gibt dies ein falsches Signal. Denn: Gewalt tolerieren fördert Gewalt.

Deshalb muss die Tat bestraft werden. Gleichzeitig muss man aber dem Täter helfen, den Schaden wieder gut zu machen. Dies stärkt ihn, konstruktive Handlungskompetenzen zu entwickeln.“

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