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Reform: Berlin macht Ganztagsschule

Pressemitteilung vom 29.10.2004

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit:

Mit Beginn des Schuljahres 2005/2006 werden schulpflichtige Kinder, deren Eltern einen Hortbetreuungsbedarf nachweisen, rechtlich nicht mehr durch den Bereich Jugend, sondern durch den Bereich Schule betreut werden.
Damit wird ein längerer Prozess der Entwicklung der Berliner Grundschule zur Ganztagsgrundschule eingeleitet. Rechtlich gilt die Verlagerung ab dem Stichtag 1. August 2005, räumlich und tatsächlich muss dies behutsam und allmählich ge-schehen und jeweils vor Ort abgestimmt werden. Die konkrete Planung und Steuerung vor Ort ist Aufgabe der Bezirke. Es gilt der Grundsatz: Betreuungsqualität geht vor Umzug.

Welche Reformen stehen an:
Mit dem Schuljahr 2005/06 werden alle Grundschulen Berlins zu Verlässlichen Halbtagsgrundschulen ausgebaut: Hier ist eine kostenfreie Bildung und Betreuung von 7:30 Uhr bis 13:30 Uhr gewährleistet.

Diese Verlässliche Halbtagsgrundschule wird durch Hortbetreuungsangebote des offenen Ganztagsbetriebs ergänzt. Diese sind – wie bisher auch – kostenpflichtig und an einen nachgewiesenen und vom Jugendamt des Bezirks anerkannten Bedarf gebunden. Diesen Antrag stellen die Eltern bei der Anmeldung ihres Kindes an der Schule in der Zeit vom 1. – 12. November. Die Schule leitet die gesammelten Anträge an das Bezirksamt weiter; von dort erhalten die Eltern dann ihre Bedarfsbestätigung.

Neu im Vergleich zur bisherigen Regelung ist, dass es differenzierte Möglichkeiten geben wird, Hort-Betreuungszeiten zu buchen, wie es in der Betreuung der Kinder im Kita-Alter bereits seit langer Zeit Praxis ist. Geplant sind drei Hort-Module:

Frühbetreuung: 6:00 – 7:30 Uhr
Nachmittagsbetreuung: 13:30 – 16:00 Uhr
Spätbetreuung: 16:00 – 18:00 Uhr

Eltern können also ab dem 1. August 2005 ihre „Buchung“ von Betreuung genauer auf ihren tatsächlichen Bedarf abstimmen. Über die Betreuungsangebote und über das neue Anmeldeverfahren wurden alle Eltern der zukünftigen Erstklässler Anfang Oktober und damit rechtzeitig vor der Schulanmeldung im November in einem Brief der Bildungsverwaltung informiert. Die Eltern der Schulkinder der zukünftigen 2. – 4. Klassen brauchen sich nicht neu anzumelden.
In der Organisation des offenen Ganztagsbetriebs bieten sich mehrere Möglichkeiten:

1.Verfügt die Schule über die geeigneten Räume, um ganztags Schule zu machen, werden die Kinder im Schulgebäude betreut. Wichtig ist, dass das erst dann ge-schieht, wenn die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind. Dabei unterstützt das Investitionsprogramm des Bundes, aus dem Berlin bis 2007 in Jahresscheiben insgesamt 147 Millionen Euro erhält.

2.Sind die räumlichen Voraussetzungen in der Schule noch nicht gegeben, werden die Schulkinder weiterhin außerhalb der Schule in Horten betreut. Diese Horte sind als offener Ganztagsbetrieb mit der Schule verbunden; dem Schulleiter/ der Schulleiterin obliegt auch die Verzahnung von Unterricht und Freizeit.

3.Wenn aufgrund örtlicher Gegebenheiten an der Schule keine zusätzlichen Räume geschaffen werden können, werden die Schüler in der Verantwortung der Schule an bestehenden Standorten betreut. Auch können benachbarte Schulen gemeinsam einen Hortstandort nutzen.

4.In Kooperation mit den Grundschulen können auch Freie Träger die Kinder entweder an der Schule oder – sollten die räumlichen Voraussetzungen dort noch nicht gegeben sein oder dort auch nicht geschaffen werden können – weiterhin in ihren bisherigen Horträumen betreuen. Wichtig ist auch hierbei die konzeptionelle Verzahnung von Schulprofil und Hortangebot, die unabhängig vom Ort der Hortbetreuung möglich ist.

Neben den Schulen mit offenem Ganztagsbetrieb bietet Berlin an 46 der rund 400 Grundschulen den gebundenen Ganztagsbetrieb von 8:00 – 16:00 Uhr an.
Senator Klaus Böger:

„Ziel der Reform ist es, die Qualität von Bildung, Erziehung und Betreuung zu verbessern. Wir begleiten die Entwicklung der Berliner Grundschule zur Ganztagsgrundschule mit vielfältigen Fortbildungsmaßnahmen, die von den Erzieherinnen und Lehrerinnen und Lehrern intensiv wahrgenommen werden. Berlin hat als erstes Bundesland eine Serviceagentur „Ganz-Tag“ eingerichtet, die in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung den Prozess der Qualitätsentwicklung der Ganztagsschule fördert und begleitet. Auch am Bund-Länder-Verbundprojekt „Lernen für den GanzTag“ beteiligt sich Berlin aktiv.

Wir wissen: In einigen Bezirken gab es Wartelisten auf einen Hortplatz. Nicht alle vorhandenen Bedarfe konnten erfüllt werden. Unser Ziel ist es, in Zukunft – auch im Sinne der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie – genügend Plätze zur Verfügung zu stellen. Diesen Prozess begleiten wir. Für uns gilt: Betreuungsqualität geht vor Umzug. Die Verantwortung liegt bei den Bezirken.
Berlin kann sich mit seinen pädagogischen Angeboten sehen lassen Die Zahlen, die mit dem neuen Gesetz angestrebt werden, haben wir längst erreicht. Der Versorgungsgrad bei Kindern unter 3 Jahren liegt in Berlin bei fast 50 Prozent, bei Kindern bis zum Schuleintritt bei mehr als 90 Prozent und bei Hortkindern bei fast 60 Prozent – bezogen auf alle Berliner Kinder dieser Altersklasse. In anderen Bundesländern wird von solchen Zahlen nur geträumt – in Berlin sind sie Realität!

Eines aber ist klar: Wir stehen in einem sehr komplexen Reformprojekt und brauchen das Mit-denken und die konstruktive Unterstützung aller Beteiligten.“

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