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WOWEREIT SPRICHT BEI TRAUERFEIER FÜR HORST BUCHHOLZ

Pressemitteilung vom 07.03.2003

Sperrfrist: 8. März, 12.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, nimmt als offizieller Vertreter des Landes Berlin am Trauergottesdienst für Horst Buchholz am Sonnabend, 8. März, um 12.00 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche teil und spricht Worte des Gedenkens.

Wowereit sagt u.a.: „Es ist kaum ein Jahr her, als Berlin hier in der Gedächtniskirche Abschied nahm von der großen Hildegard Knef.

Und heute trauern wir um einen weiteren Großen, um Horst Buchholz, auch er ein Schauspieler, der – wie nur wenige – Generationen von Menschen im Kino bewegt hat.

Berlin ist ärmer geworden ohne ihn. Wir haben einen Filmstar verloren, den die Stadt in ihr Herz geschlossen hat – was sie immer dann zeigte, wenn sie ihren Idolen liebevolle Kosenamen gab.

‚Hotte‘ – so nannten ihn die Berliner und drückten damit aus, wie nah sie ihm sein wollten und wie stolz sie darauf sind, dass er einer von ihnen war. Er kam aus dem Prenzlauer Berg, wuchs in der schlimmsten Zeit unseres Landes und unserer Stadt auf, wurde vertrieben.

In den Kriegswirren kam er nach Ostpreußen. Als Zwölfjähriger schlug er sich 1945 durch nach Berlin und musste in der Trümmerstadt selbst für sein Leben sorgen. Eine harte Zeit, die ihn prägte, aber auch schon eine Chance für ihn. Mit dreizehn Jahren stand er zum ersten Mal als Statist auf der Bühne des Metropol-Theaters. Er wurde rasch für mehr entdeckt.

Der große Boleslaw Barlog erkannte sein großes Talent. Später glänzte Buchholz auf den großen Bühnen der Stadt, im Schiller- und im Schloßpark-Theater, im British Centre und im Renaissance Theater.

Horst Buchholz wurde bald zum Publikumsliebling, zum gefeierten Star.

Der Weg zum Film lag nahe. Dort prägte sich sein Bild – er war ein Idol der Jugend in 50ern, über die Rolle des Freddy Borchert in dem Film ‚Die Halbstarken‘. Das war 1956. Es folgten eine Reihe von anspruchsvollen Filmen, mit denen er seine Qualitäten als Schauspieler über das Klischee des ‚deutschen James Dean‘ hinaus nachwies. Als ‚Mischa‘ im ‚Himmel ohne Sterne‘ oder als Erzkomödiant in der klassischen Hochstaplerrolle des Felix Krull.

Er schaffte, was nur wenigen Europäern gelang: den Durchbruch in Hollywood. Schon 1960 drehte er an der Seite an der Seite von Yul Brynner und Steve McQueen ‚Die glorreichen Sieben‘.

Billy Wilder wurde auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für einen der außergewöhnlichsten Filme der Kinogeschichte. ‚Eins, zwei, drei‘ war eine Satire mit der längsten Wartezeit auf Erfolg. Der Bau der Mauer hat uns das Lachen darüber zwanzig Jahre im Halse stecken lassen.

In fast neunzig Filmen hatte Horst Buchholz brilliert, und viele dieser Rollen waren international. Er drehte in Amerika, Frankreich und Italien, war in der Welt zu Hause und im Herzen doch Berliner. Das musste er nie erklären, es war zu sehen in jeder seiner Äußerungen über unsere Stadt.

Eine seiner letzten Rollen war die exzellent gespielte Nebenrolle in dem wunderbaren Märchen ‚Das Leben ist schön‘ über das Überleben eines Kindes im KZ. Mit melancholischem Blick spielt er einen SS-Arzt, der weiß, was er tut, sich aber trotzdem nicht wehrt.

Diesen melancholischen Blick sehen wir auf den Bildern seiner letzten Jahre, die er hier in Berlin verbrachte. Horst Buchholz gehörte zu dieser Stadt. Er kam aus ihrem Bauch, wie er es selbst ausgedrückt hat. Er liebte sie und er wurde von ihr geliebt.

Das haben wir in den letzten Tagen gesehen, an der Bewegtheit, mit der die Menschen Abschied nehmen. Wir sehen es heute, wo so viele zusammen gekommen sind, um ihm adieu zu sagen.

Horst Buchholz wird auch nach seinem Tod von den Berlinerinnen und Berlinern nicht vergessen werden. Er wird nicht nur in seinen Filmen weiter leben. Er wird ein Teil von Berlin, von uns allen bleiben.“

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